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Entscheidungen in Europas Haushalten

Erziehung, Finanzen, Kredite: Wer trifft in Europas Haushalten Entscheidungen?

Das Geschlecht spielt bei Entscheidungen in Paarhaushalten eine wesentliche Rolle. Ökonomische Macht, Verhandlungsmacht, soziale Rollen und Normen sind wesentlich dafür verantwortlich, wer in einem Haushalt wie viel Entscheidungsmacht hat und welche Entscheidungen trifft. Zu diesem Ergebnis kommen die WU-Forscherinnen Katharina Mader und Alyssa Schneebaum vom Department für Volkswirtschaft in ihrem aktuellen Forschungsprojekt.

Entscheidungsfindungsprozesse in Haushalten bzw. Familien finden bislang in der Ökonomie wenig Beachtung, der Haushalt ist eine "Black Box". Das WU-Forschungsprojekt untersuchte nun erstmals europaweit den Zusammenhang zwischen Geschlecht, Alter, Bildung, Erwerbstatus und Entscheidungsmacht bzw. -zuständigkeiten.

Traditionelle Rollenverteilung, außer bei schwierigen Entscheidungen

Eindeutig strukturieren Geschlecht und Geschlechterverhältnisse die Entscheidungsprofile von Paaren: Frauen sind in fast ganz Europa häufiger für Entscheidungen ihrer "traditionellen" Rolle als Mutter und Hausfrau entsprechend zuständig, ihre Entscheidungsmacht bleibt oftmals auch auf die Bereiche alltäglicher Ausgaben und Ausgaben für Kinder beschränkt. Männer sind vor allem für finanzielle Angelegenheiten im Haushalt zuständig. Ist die finanzielle Situation eines Haushaltes jedoch schwierig, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen die finanziellen Angelegenheiten des Haushalts übernehmen und dann alleine über die Aufnahme von Krediten und über die Verwendung von Ersparnissen entscheiden.

Entscheidungen in gleichberechtigten Partnerschaften

In den meisten europäischen Ländern werden Entscheidungen im Haushalt bei ähnlicher Bildung, ähnlicher Einbindung in den Erwerbsarbeitsmarkt und bei weniger großen Einkommensunterschieden eher gemeinsam als getrennt getroffen. Ein geringerer "Gender Pay Gap" oder Bildungsinitiativen können daher die Entscheidungsfindungsprozesse in Haushalten beeinflussen und gleichberechtigter gestalten. In jenen europäischen Ländern mit spezifischen Bestrebungen gleichberechtigter Einbindung von Frauen in den Erwerbsarbeitsmarkt und in das Bildungssystem ist auch die Intrahaushaltsverteilung gleichberechtigter gestaltet. Weitere Ergebnisse: In Südeuropa korrelieren die Unterschiede in der Bildung der Partner weniger stark mit Entscheidungsmacht als im Rest Europas. In Osteuropa treffen Frauen v.a. dann Entscheidungen eher alleine, wenn der Haushalt schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen entgegensieht.

Kontakt:
Dr. Katharina Mader
Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie
Tel.: 01/ 31336 - 4943
katharina.mader@wu.ac.at