Stephan Lutter
Meet our Researchers
Stephan Lutter
Stephan Lutter ist Forscher am Institut für Ökologische Ökonomie der WU Wien. In seiner Arbeit untersucht er, wie viele natürliche Ressourcen – etwa Rohstoffe oder Wasser – von unserer Wirtschaft in Anspruch genommen werden. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Bergbau: Am Beispiel von Kupfer zeigt sich, wie eng globale Entwicklungen wie die Digitalisierung und die Energiewende mit dem Verbrauch von Rohstoffen und Wasser verknüpft sind – und warum das insbesondere für wasserarme Regionen der Welt besonders problematisch ist. Nach dem Dreh von „Meet Our Researchers“ haben wir ihn getroffen und darüber gesprochen, wie Daten zur Wassernutzung im Bergbau erhoben werden – und warum nachhaltiger Konsum oft bei ganz alltäglichen Entscheidungen beginnt.
Wie sind Sie zu Ihrem Forschungsthema Wassernutzung und Bergbau gekommen?
Ich habe ursprünglich Umwelttechnik studiert, wo Wasser eine zentrale Rolle spielt – als Teil von schützenswerten Ökosystemen, aber auch als Lebensgrundlage von Menschen sowie als Risikofaktor, etwa in Zusammenhang mit Hochwasserschutz. Diese Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt ist eine zentrale Grundlage der ökologischen Ökonomie. Je mehr man sich mit diesem „gesellschaftlichen Stoffwechsel“ beschäftigt, desto klarer wird, dass man die Nutzung einzelner Ressourcen und ihre Auswirkungen nicht isoliert betrachten kann, und auch nicht auf einzelne Länder beschränkt. Besonders anschaulich wird das im Bergbau: Für den Abbau von Metallerzen benötigt man sehr viel Wasser, und das kann lokal sehr unterschiedliche Auswirkungen haben. Während nur vergleichsweise geringe Mengen an Metallerzen in Europa abgebaut werden, importiert der Kontinent jedoch viele Produkte, für deren Herstellung anderswo Metalle gewonnen wurden. Das heißt: Wasserknappheit, die in einer Mine in Südamerika durch den Bergbau verursacht wurde, kann sehr eng mit der Wirtschaft und dem Konsum in Europa zusammenhängen.
Sie haben Daten zur Wassernutzung von Minen weltweit gesammelt. Wie kann man sich diese Arbeit konkret vorstellen?
Wir haben zunächst recherchiert, wo Kupfer überall abgebaut wird. Dann haben wir Tausende Websites und insbesondere Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen nach Daten zur Wassernutzung durchforstet. Das war – auf gut Wienerisch – eine „Mörderhackn“. Das Problem ist, dass die berichteten Daten aufgrund von Qualitätsmängeln teilweise nur schwer vergleichbar sind. Mittlerweile machen wir die Datenerhebung und Qualitätskontrollen mit halbautomatisierten Lösungen, und künftig werden wir auch Large Language Models (LLMs) anwenden, aber hier braucht es dann natürlich auch sorgfältige Qualitätssicherung.
Kupfer ist zentral für erneuerbare Energien und Digitalisierung. Steht die Energiewende damit in einem Zielkonflikt mit Wasserknappheit?
Genau das versuchen wir besser zu verstehen. In einem nächsten Schritt wollen wir analysieren, wo Kupfer in Zukunft abgebaut werden wird und wie sich die Wasserverfügbarkeit dort entwickelt. Es zeigt sich schon jetzt: In einigen Regionen wird heute schon unter Wasserknappheit Bergbau betrieben. Gleichzeitig führt jede Entscheidung zu Verschiebungen. Wenn man zum Beispiel Bergbau in Regionen mit starker Knappheit einschränkt, rücken Alternativen in den Fokus, die wiederum andere ökologische Risiken wie beispielsweise Entwaldung mit sich bringen. Was man nicht vergessen darf, ist, dass globale Modelle mit vielen Annahmen arbeiten und daher keine exakten Werte für einzelne Standorte produzieren, sondern dabei helfen sollen, Trends und Hotspots aufzuzeigen. Sie helfen zu verstehen, wo es kritisch werden könnte – und wo man genauer hinschauen sollte.
„Wasserknappheit, die in einer Mine in Südamerika durch den Bergbau verursacht wurde, kann sehr eng mit der Wirtschaft und dem Konsum in Europa zusammenhängen“, erklärt Stephan Lutter
Welche Lösungen gibt es, um den Wasserverbrauch im Bergbau zu reduzieren?
Es gibt verschiedene Ansätze: Technologien im Abbau unterscheiden sich stark im Wasserverbrauch, aber nicht überall lassen sich die sparsamsten anwenden. Je nach Prozess kann Wasser wiederverwendet oder aufbereitet werden, und in manchen Regionen nutzt man entsalztes Meerwasser. Das ist jedoch sehr energieintensiv. Beispielsweise wird in Chile Meerwasser entsalzt und zu Kupferminen in großer Höhe in den Anden gepumpt. Um den Klimaimpact zu reduzieren, wird für die Entsalzung vermehrt Solarenergie verwendet. Zur Herstellung von Solarpanelen braucht man aber gleichzeitig wieder Kupfer. Letztlich werden so die Probleme häufig nur verschoben. Deshalb führt aus meiner Sicht kein Weg daran vorbei, insgesamt weniger Ressourcen zu verbrauchen.
Wie hat Ihre Forschung den Blick auf Ihr eigenes Konsumverhalten verändert?
Ich denke bewusst darüber nach, was ich wirklich brauche. Wenn zum Beispiel etwas kaputtgeht, wie kürzlich meine Kletterschuhe, dann lasse ich sie reparieren – auch wenn die Reparatur fast so viel kostet wie ein neues Paar. Damit nimmt man auch eine Vorbildwirkung ein, zum Beispiel im Freundes- und Familienkreis. Meiner Tochter musste ich beispielsweise kürzlich mit guten Argumenten erklären, warum ich ausnahmsweise beruflich geflogen bin, anstatt den Zug zu nehmen.
Sie beschäftigen sich täglich mit globalen Umweltproblemen. Wie bleiben Sie dabei optimistisch?
Es gibt dieses Zitat, das oft Martin Luther zugeschrieben wird: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Das bringt es ganz gut auf den Punkt. Ich sehe, dass sich Dinge zum Positiven verändern, wenn auch oft langsam. Außerdem glaube ich, dass jede*r von uns Verantwortung hat, einen Beitrag zu leisten. Und um Veränderung zu bewirken, braucht es auch nicht von Anfang an die Mehrheit der Gesellschaft, sondern eine engagierte Minderheit kann vieles in Gang bringen. Das motiviert mich, weiterhin an Lösungen zu arbeiten und mein Wissen mit Studierenden zu teilen und gemeinsam zu erweitern.
Studien zum Video
Wang, Y., Ma, F., Wang, H. et al. (2025): Doubling of the global freshwater footprint of material production over two decades. In: Nat Sustain 8, 1554–1566 (2025). Available at: https://doi.org/10.1038/s41893-025-01661-2
Lutter, S., Maus, V., Luckeneder, S., Tost, M. (2025): Increasing Water Use in Global Copper Production Threatens Freshwater Availability. In: Ecological Economic Papers 49/2025, WU Vienna University of Economics and Business. Available at: https://research.wu.ac.at/en/publications/increasing-water-use-in-global-copper-production-threatens-freshw/
Visualisierungstool mit räumlich expliziten Daten zur weltweiten Flächennutzung durch Bergbau