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Betriebsrat für das Allgemeine Universitätspersonal

Mobbing

Über Mobbing wird viel gesprochen und doch herrscht meist wenig Klarheit darüber, was Mobbing wirklich ist. Der Begriff Mobbing scheint zu einem Modewort für jeden Konflikt am Arbeitsplatz zu verkommen.

Definition

Mobbing leitet sich aus dem englischen Wort „to mob“ ab und bedeutet:

  • Bedrängen

  • Anpöbeln

  • Attackieren

  • Angreifen

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Von „normalen“ Konflikten und Streitereien unterscheidet sich Mobbing dadurch, dass es gezielt, systematisch und über einen längeren Zeitraum mit der Absicht betrieben wird, jemanden auszugrenzen bzw. vom Arbeitsplatz zu vertreiben.

Was Mobbing nicht ist

Nicht jeder Konflikt, nicht jede Intrige bzw. Informationsvorenthaltung ist bereits Mobbing. Wo Menschen über längere Zeit zusammenarbeiten, gibt es Differenzen, Ärgernisse und Auseinandersetzungen. Auch ein stark emotionalisierter Konflikt (Streit) ist nicht Mobbing. Derartige Auseinandersetzungen können in der Regel bearbeitet werden und wenn sich die Gemüter wieder beruhigen, mit einem klärenden Gespräch aus der Welt geschafft werden.

Wie entsteht Mobbing?

Am Anfang eines typischen Mobbingverlaufes steht immer ein zwischenmenschlicher Konflikt, der verschiedene Ursachen haben kann, wie z. B. strukturelle und organisatorische Mängel im Betrieb oder persönliche Probleme unter Kolleg/inn/en.

Sehr oft werden Mobbinghandlungen durch eine angespannte Arbeitsmarktlage ermöglicht. Die Erhaltung des eigenen Arbeitsplatzes wird als „Überlebenskampf“ angesehen, daraus entstehende Ängste und Verhaltensweisen begünstigen Mobbing.

Wer ist von Mobbing betroffen?

In Österreich sind nach Expert/inn/enmeinung ca. 300.000 Arbeitnehmer/innen von Mobbing betroffen. Männern wie Frauen können gleichermaßen Mobbingbetroffene sein! Es kann jede/n treffen!

Es gibt allerdings Situationen, in denen Arbeitnehmer/innen eher zu Mobbingbetroffenen werden können. So z. B.

  • bei Beginn eines Arbeitsverhältnisses, da sie betrieblich noch schwach verankert sind

  • bei längerem/oftmaligem Ausfall durch Krankheit, wenn Arbeitskolleg/inn/en die Arbeit miterledigen müssen

  • wenn jemand durch private psychische Belastungen (z. B. Scheidung, Tod einer/s Angehörigen etc.) arbeitsmäßig nicht voll belastbar ist etc.

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Ursachen für Mobbing

Es gibt Rahmenbedingungen, die Mobbing begünstigen. Die Ursachen können in zwei Gruppen unterteilt werden:

  1. strukturelle Ursachen, das sind Ursachen, die in der Organisations- und Arbeitsplatzstruktur zu suchen sind, wie

    •  Arbeitsplatzunsicherheit wegen Ausgliederung von Betriebsteilen, Organisationsveränderungen, Fusionierungen und Privatisierungen

    •  schlechte Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung

    •  unklare Kompetenzverteilung

    •  unklare Betriebshierachie

    •  Über- oder Unterforderung der Arbeitnehmer/innen

  2. personenbezogene Ursachen, das sind Ursachen, die in der Persönlichkeit der am Mobbing beteiligten Personen zu suchen sind und zwar:

    •  autoritärer Führungsstil

    •  Konkurrenzkampf

    •  Neid der Kolleg/inn/enschaft

    •  persönliche Antipathie

  3.  


Ziele der Mobbingtäter/innen Ziele von Mobbingaktivitäten sind:

  • Mitarbeiter/innen gezielt vom Arbeitsplatz zu verdrängen

  • Mitarbeiter/innen zu disziplinieren und gefügig zu machen

  • Einen „Sündenbock“ für innerbetriebliche, organisatorische Mängel zu finden

  • Machtausübung

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Welche Handlungsmöglichkeiten haben Betriebsrät/inn/e/n und Arbeitgeber/innen?

Arbeitgeber/innen sind auf Grund der Fürsorgepflicht verpflichtet einzugreifen, wenn sie mit Mobbingvorwürfen konfrontiert werden.

Auch Betriebsrät/inn/e/n können und sollen die Interessen von Mobbingbetroffenen wahrnehmen.

Grundsätzlich ist Folgendes zu beachten:

Die Mobbingbetroffenen müssen selbst ihre Bedürfnisse formulieren und aktiv an den Lösungsvorschlägen mitarbeiten. Auf keinen Fall sollen ohne Wissen der/des Betroffenen Entscheidungen getroffen werden!

Es sollen sowohl die möglichen Motive der Mobberin/des Mobbers als auch die Gründe und Ziele des Mobbings erforscht werden.

Sind strukturelle Probleme für die Mobbinghandlungen verantwortlich, sollen mit allen Beteiligten Lösungsvorschläge erarbeitet werden.

Eine offene Unternehmenskultur und ein gutes Betriebsklima können Psychoterror am Arbeitsplatz verhindern.

Erste-Hilfe-Tipps

  1. Sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen, über Ihre Probleme am Arbeitsplatz. Das können Kolleg/inn/en im Betrieb, Vorgesetzte, Verwandte oder Freunde sein.

  2. Suche Sie sich Verbündete, innerhalb und außerhalb der Firma. Es ist wichtig, die Situation offen anzusprechen. Suchen Sie sich moralischen und menschlichen Rückhalt. Kein Rückzug, keine Isolation! Fehlender Protest wird oft als Zustimmung gewertet.

  3. Wenden Sie sich an Ihren Betriebsrat, er soll für Sie aktiv werden.

  4. Legen Sie sich ein „Mobbing-Tagebuch“ an, worin Sie Vorkommnisse mit Datum, Zeit und Teilnehmer/innen vermerken. Notizen können als Beweismittel nützlich sein. Sichern Sie sich Zeugenaussagen – wenn möglich, schriftlich.

  5. Planen Sie fix eine aktive Freizeitbeschäftigung (Sport, Wandern, Hobby usw.), um sich abzulenken und um Energie aufzutanken.

  6. Besorgen Sie sich Literatur zum Thema „Mobbing“ (siehe unten).

  7.  

Mobbing-Beratung

Universitätsangehörigen, die sich von Mobbing betroffen fühlen, stehen an der WU professionelle Ansprechpartner/innen zur Verfügung.

Der Kontakt mit der Beraterin bzw. dem Berater wird bei Bedarf direkt von der/dem betroffenen Universitätsangehörigen hergestellt. Sie/er verweist auf ihre/seine Tätigkeit an der WU und die Beraterin bzw. der Berater rechnet die Beratungsstunden auf Vertrauensbasis direkt mit der Universitätsleitung ab. Die Kosten für maximal drei Beratungsstunden übernimmt die WU, weitere Beratungsstunden müssen von den Betroffenen selbst bezahlt werden. Die Wirtschaftsuniversität als Dienstgeberin erhält keinerlei Daten über die Beratung suchenden Personen.

Im Verlauf der Beratung soll herausgearbeitet werden, welcher Art die subjektiven Belastungen sind, um die psychische und/oder physische Beeinträchtigung zu mildern oder aufzulösen.
Es sollen mögliche Strategien im Umgang mit den Problemen, eine angemessene Form der Selbstbehauptung oder auch mögliche Beschwerdewege eröffnet werden.

Literatur zum Thema Mobbing

  • „Mobbing/Bullying am Arbeitsplatz“, Niedl Klaus, Rainer Hampp-Verlag;

  • „Mobbing“, Neuberger O., Rainer Hampp Verlag, 1999 (wissenschaftsorientiertes

  • Buch);

  • „Mobbing, Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann“, Leymann Heinz, Rowohlt-TaschenbuchNr. 13351;

  • „Mobbing – erkennen, ansprechen, vorbeugen“, Kratz Hans-Jürgen, Verlag Überreuter;

  • „Mobbing“, Kolodej Christa, Wiener Universitätsverlag;

  • „Mobbing aus arbeitsrechtlicher Sicht“, Binder Marion, ÖGB-Verlag;

  • „Mobbing, Bossing, Bullying“, Brinkmann Ralf D., Sauer-Verlag;

  • „Mobbing, ein Ratgeber für Betroffene“, Esser/Wolmerath/Niedl, ÖGB-Verlag;

  • „Mobbing – Der Ratgeber für Betroffene und ihre Interessensvertretung“, Esser/Wolmerath, Bund-Verlag;

  • „Konflikte mit Kollegen und Chefs“, Nöllke Mathias, Haufe-Verlag;

  • „Miteinander reden“, Schulz von Thun, Band 1, rororo Sachbuch Nr. 7489;

  • „Framing – Gefangen in sich selbst“, Temml Christian, ÖGB-Verlag;

  • „Die Masken der Niedertracht – Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann“, Hirigoyen Marie-France,C.-H. Beck;

  • „Frei reden“, Fricke Wolfgang, Bund Verlag;

  • „Die etwas intelligentere Art, sich gegen dumme Sprüche zu wehren“, Berckhan, Selbstverteidigung mit Worten,Kösel;

  • „Mobbing: Schikane am Arbeitsplatz“, Zuschlag Berndt,Verlag für angewandte Psychologie;

  • „Nehmen Sie sich kein Blatt vor den Mund“, Schultz-Medow Evelyn, rororo Nr. 8433 (Ein Redekurs für Frauen);

  • „Konfliktsituationen im Alltag“, Zuschlag Berndt, Verlag für angewandte Psychologie, Hogrefe Huber, Göttingen;

  • „Reden und überzeugen – Rhetorik im Alltag“, Tusche/Autengruber, ÖGB-Verlag;

  • „Gefühle verstehen, Probleme bewältigen“, Wolf/Merkle, PAL-Verlag

  • (Quelle: Skriptum über Mobbing des VÖGB)

  • Haim Omer, Arist von Schlippe, Nahi Alon: Feindbilder - Psychologie der Dämonisierung. Mit einem Vorwort des Dalai Lama [Englisch], Vandenhoeck & Ruprecht

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