Volkswirtschaft

Was Hitzewellen die österreichische Wirtschaft kosten

13. Juli 2026

Unter großer Hitze leidet die Produktivität – und das kostet die Wirtschaft Milliarden.

Hitzewellen beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten – besonders bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten im Freien. Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht nur in einzelnen stark betroffenen Branchen spürbar, sondern breiten sich über Lieferketten und Märkte in der gesamten Wirtschaft aus.

Hitze bremst die Produktivität

Portrait Klaus Weyerstraß

© IHS

Sommerliche Hitzeperioden wirken sich auf die Arbeitswelt aus. Hohe Temperaturen erschweren körperliche Arbeit und beeinträchtigen die Konzentration. Die Folge: Die Produktivität sinkt. „Je stärker Menschen Hitze ausgesetzt sind, desto mehr lässt ihre Leistungsfähigkeit nach“, erklärt der IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß, der an der WU Wien lehrt.

Besonders betroffen: Bau, Landwirtschaft und Industrie

Wie stark die Produktivität leidet, hängt unter anderem von der Intensität der Hitze und der Art der Tätigkeit ab. „Besonders betroffen sind Beschäftigte am Bau oder in der Landwirtschaft, die körperlich anstrengende Arbeiten häufig im Freien verrichten“, so Weyerstraß. In diesen Bereichen kommt es zu deutlichen Produktionsrückgängen, die sich auch auf andere Sektoren auswirken.

Weniger direkt betroffen sind Beschäftigte in Büros. Dort ist die körperliche Belastung meist geringer, außerdem können Klimaanlagen und andere Maßnahmen die Hitze abmildern. „Aber auch hier zeigen sich Produktivitätsrückgänge – etwa durch schlechteren Schlaf oder nachlassende Konzentration an heißen Tagen“, erklärt Weyerstraß.

Gesamtwirtschaftlicher Schaden durch indirekte Effekte

„Produktionsrückgänge in besonders betroffenen Sektoren wirken sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus“, erklärt Weyerstraß. Wenn etwa am Bau weniger gearbeitet wird, sinkt auch die Nachfrage nach Vorleistungen wie Zement oder Metall. „Ein großer Teil der wirtschaftlichen Kosten von Hitze entsteht indirekt – über Lieferketten, Einkommen und Nachfrageeffekte.“ Modellrechnungen zeigen, dass sich durch diese Folgewirkungen die ursprünglichen Verluste sogar verstärken können.

Milliardenkosten für die Volkswirtschaft

Modellrechnungen für Österreich verdeutlichen die Dimension: In einem Szenario mit stark steigenden Temperaturen könnte die Wirtschaftsleistung bereits innerhalb weniger Jahre spürbar zurückgehen. Im untersuchten Szenario liegt das reale Bruttoinlandsprodukt im dritten Jahr um rund 0,7 % beziehungsweise knapp 3 Milliarden Euro unter dem Vergleichswert ohne zusätzliche Hitzebelastung. Über den gesamten Zeitraum von drei Jahren summieren sich die Verluste auf rund 6 Milliarden Euro. „Diese Zahlen sind eher konservativ“, betont Weyerstraß. „Viele weitere Auswirkungen der Hitze, zum Beispiel auf die Gesundheit oder die Infrastruktur, sind darin noch gar nicht enthalten. Auf der anderen Seite haben wir aber auch Anpassungen, z. B. Verlagerungen der Arbeit in die Morgen- und Abendstunden, nicht berücksichtigt.“

Anpassung an die neue Normalität

Neben der Bekämpfung des Klimawandels gewinnen Anpassungsmaßnahmen zunehmend an Bedeutung. „Wir werden lernen müssen, mit Hitze produktiv umzugehen“, sagt Weyerstraß. Flexiblere Arbeitszeiten, Kühl- und Belüftungssysteme sowie ausreichend Schatten- und Erholungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz können dazu beitragen, die Auswirkungen der Hitze zu mindern.

Detaillierte Studienergebnisse und weitere Informationen

Kimmich, Christian, Weyerstraß, Klaus, Czypionka, Thomas, Fauster, Norman FRM, Kinner, Maurice, Laa, Elisabeth, Mateeva, Liliana, Plank, Kerstin, Ulrici, Leonhard, Zenz, Hannes, Miess, Michael, Poledna, Sebastian (2025): Economic impact of labor productivity losses induced by heat stress: an agent-based macroeconomic approach. In: Climatic Change (2025). Verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/s10584-025-03879-7

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