Volkswirtschaft

Diabetes kostet die Weltwirtschaft Billionen

05. Jänner 2026

Klaus Prettner untersucht die globalen und nationalen wirtschaftlichen Kosten von Diabetes.

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung und zählt zu den häufigsten Krankheiten weltweit. Im Durchschnitt ist einer von zehn Erwachsenen betroffen – Schätzungen für Österreich liegen in einem ähnlichen Bereich. Die Zahl der Erkrankten steigt kontinuierlich, wodurch Diabetes zu einer wachsenden Herausforderung für das Gesundheitssystem und die Wirtschaft wird. Eine neue Studie liefert aktuelle Zahlen zu den globalen und nationalen wirtschaftlichen Kosten von Diabetes und gibt Empfehlungen, um diese zu reduzieren

Das Forschungsteam mit Expert*innen der WU Wien und des IIASA hat die ökonomischen Auswirkungen von Diabetes für 204 Länder von 2020 bis 2050 berechnet. Die Ergebnisse sind alarmierend: Ohne Berücksichtigung informeller Pflege durch Angehörige belaufen sich die weltweiten Kosten auf rund 10 Billionen US-Dollar. Das entspricht 0,2 % des jährlichen globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wird die informelle Pflege einbezogen, steigen die Kosten auf bis zu 152 Billionen Dollar oder 1,7 % des globalen jährlichen BIP. Gerade bei Krankheiten wie Diabetes ist jedoch die informelle Pflege besonders relevant. „Menschen, die pflegen, fallen oftmals zumindest teilweise am Arbeitsmarkt aus, das verursacht zusätzlich Kosten“, erklärt WU-Ökonom Klaus Prettner.

Obwohl Menschen in ärmeren Ländern häufiger betroffen sind, haben die Vereinigten Staaten von Amerika die höchsten absoluten Kosten, gefolgt von China und Indien. Für Österreich ergeben die Berechnungen Kosten von rund 19 Milliarden US-Dollar über den gesamten Zeitraum von 30 Jahren. Mit informeller Pflege steigt dieser Wert auf 206 Milliarden US-Dollar oder 1,5 % des jährlichen BIP.

Weltkarte eingefärbt nach Anteil der Kosten für Diabetes an BIP

Anteil des Kosten für Diabetes am gesamten BIP in den Jahren 2020–2050


© Chen et al., 2025
Klaus Prettner
Innovative Berechnungsmethode liefert akkurate Schätzung

„Bisherige Kostenschätzungen für Diabetes basierten oft auf stark vereinfachten Annahmen und ignorierten dabei wirtschaftliche Dynamiken“, so Prettner. Der innovative Ansatz dieser Studie berücksichtigt hingegen Arbeitsmarktdynamiken, etwa wenn Menschen ausfallen, weil sie Angehörige pflegen. Zudem wird einbezogen, dass Gesundheitsausgaben volkswirtschaftlich nicht zwingend eine Reduktion der Wirtschaftsleistung bedeuten, sondern häufig eine Verschiebung von Konsumausgaben in den Gesundheitsbereich darstellen.

Politische Maßnahmen überfällig

Vergleicht man die Kosten für Diabetes mit anderen Krankheiten im selben Zeitraum, beispielsweise Alzheimer und Demenz oder Krebs, zeigt sich die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Diabetes. Um die Erkrankung zu vermeiden und Kosten zu senken, sehen die Studienautor*innen mehrere Ansatzpunkte: Der wichtigste Hebel sind Lebensstiländerungen wie mehr Bewegung und gesunde Ernährung. Aber auch Früherkennung durch großflächige Diabetes-Screenings in der Gesamtbevölkerung sowie schnelle Diagnose und Behandlung bei Menschen mit Symptomen und Risikofaktoren sind zentral.

Quelle

Simiao Chen, Zhong Cao, Wenjin Chen, Jinghan Zhao, Lirui Jiao, Klaus Prettner, Michael Kuhn, An Pan, Till Winfried Bärnighausen & David E. Bloom (2025). The global macroeconomic burden of diabetes mellitus. In: Nature Medicine (2025). https://doi.org/10.1038/s41591-025-04027-5

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