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Tina Wakolbinger

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Researcher of the Month

Zweckgebundene Spenden erschweren vorbeugende Katastrophenhilfe

Naturkatastrophen wie aktuell der Zyklon in Mosambik ziehen oftmals massive humanitäre Notlagen nach sich und erfordern rasche Hilfeleistungen durch Organisationen. Private Spenderinnen und Spender haben dabei eine wichtige Rolle – besonders bei konkreten, anlassbezogenen Spendenaufrufen werden sie aktiv. Dass anlass- und zweckgebundenes Spenden allerdings nicht nur positiv ist, zeigen Studien von WU-Professorin Tina Wakolbinger.

Überflutungen, Stürme oder Waldbrände - der Klimawandel fordert seinen Tribut. Wie ein UNO-Bericht aus dem Jahr 2018 zeigt, steigt die Zahl der Naturkatastrophen stetig an. Mit dem Anstieg an Katastrophen steigt auch der Bedarf an Hilfsleistungen, Organisationen weltweit sind gefordert. Besonders bei medial stark präsenten Katastrophen können hohe Summen an Spendengeldern lukriert werden – oftmals mal sogar mehr, als es Bedarf gibt. WU-Professorin Tina Wakolbinger vom Institut für Transportwirtschaft und Logistik sieht das kritisch: „Spenderinnen und Spender, die nicht allgemein spenden, sondern ihr Geld nur zweckgebunden für bestimmte Katastrophen ausgeben, tun nicht nur Gutes damit. Zweckgebundene Spenden machen Organisationen unflexibel und verursachen dadurch oft zusätzliche Kosten“. Die Wissenschaftlerin widmet sich in ihrer Forschung dem Bereich Humanitäre Logistik und untersuchte in ihren Studien die Rolle der Spenderinnen und Spender sowie die direkten und indirekten Effekte ihres Verhaltens auf die Katastrophenhilfe.

Weniger bekannte Krisengebiete benachteiligt

In verschiedensten mathematischen Modellen konnten Wakolbinger und ihr Ko-Autor zeigen, wie stark die Bedürfnisse der SpenderInnen und der NPOs divergieren. Während es SpenderInnen für vorteilhaft empfinden, wenn sie mehr Auswahlmöglichkeiten beim Spenden haben und ihre Spenden auch für einen bestimmten Zweck widmen können, ist es für Hilfsorganisationen nur unter bestimmen Bedingungen positiv, diese Möglichkeit anzubieten.  Besonders bei Katastrophen mit hohem medialem Interesse werden immer wieder zu viele zweckgebundene Spenden gesammelt, die zur Belastung werden können, wenn sie nicht umgewidmet werden dürfen. „Dies war zum Beispiel bei der Tsunamikatastrophe 2004 für manche Hilfsorganisationen der Fall“, so Wakolbinger, „Gleichzeitig gibt es viele kleine Projekte, bei denen Gelder fehlen. Zweckgebunde Spenden sind seitens der Hilfsorganisationen dann sinnvoll, wenn der Bedarf sehr groß, aber das Spenderinteresse nur mäßig ausgeprägt ist, denn dadurch kann zusätzliche Aufmerksamkeit geschaffen werden.“ Im Allgemeinen ist es allerdings so, dass zweckgebundene Spenden Organisationen stark in ihrer Flexibilität beschränken und dadurch hohe Kosten verursachen können.

Regelmäßiges Spenden spart Kosten

„Der Aufbau von Lagerhallen für Hilfsgüter in betroffenen Regionen, die Ausbildung von Katastrophenhelferinnen und -helfern – all dies sind wichtige, vorbeugende Maßnahmen, damit im Falle von Naturkatastrophen schnell geholfen werden kann“, so Wakolbinger, „Studien zeigen, dass jeder Euro, der schon in der Vorbereitungsphase auf Katastrophen eingesetzt werden kann, bei der Katastrophenhilfe bis zu 7 Euro spart. Dies wird erleichtert, wenn Spenderinnen und Spender ohne  Bedingungen und regelmäßig spenden.“

 zur Studie

 

Weitere Literaturhinweise:

Fuminori Toyasaki and Tina Wakolbinger (2018) Joint Fundraising Appeals: Allocation Rules and Conditions That Encourage Aid Agencies' Collaboration. Decision Sciences, https://doi.org/10.1111/deci.12341.

Christian Burkart, Tina Wakolbinger and Fuminori Toyasaki (2018), Funds Allocation in NPOs: The Role of Administrative Cost Ratios, Central European Journal of Operations Research 26:3, 307-330.

Tina Wakolbinger and Fuminori Toyasaki (2018). Impacts of funding systems on humanitarian operations (3rd revised version). In: Humanitarian Logistics: Meeting the Challenge of Preparing for and Responding to Disasters (3rd edition), edited by Peter Tatham and Martin Christopher, 41-57. London: Kogan Page.

Christian Burkart, Maria Besiou and Tina Wakolbinger (2016), The Funding - Humanitarian Supply Chain Interface, Surveys in Operations Research and Management Sciences, 263-273.