Forschung und Konferenzen

Frauenkörper in der Mode: Mehr Vielfalt, konstantes Ideal

27. Mai 2026

Eine aktuelle internationale Studie unter Beteiligung der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt: Die Körper weiblicher Models sind heute sichtbar vielfältiger als noch vor zwei Jahrzehnten, das vorherrschende Ideal hat sich jedoch kaum verändert.

Für die groß angelegte Analyse untersuchte ein interdisziplinäres Forschungsteam rund 793.000 Bildaufnahmen von Laufstegveranstaltungen, Werbekampagnen, Magazincovern und redaktioneller Modeberichterstattungen. Mithilfe KI-gestützter Bildanalyse sowie Daten aus klinischen Gesundheitsmodellen wurde erfasst, wie sich Körpermaße und -formen weiblicher Models seit dem Jahr 2000 entwickelt haben.

Mehr Vielfalt – aber nur am Rand

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bandbreite der dargestellten Körperformen zugenommen hat. Dieses Plus an Diversität entsteht jedoch vor allem durch wenige Models. Der durchschnittliche „typische“ weibliche Modelkörper mit den Charakteristika "weiß" und relativ gesehen "untergewichtig" blieb über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg weitgehend stabil.

Plus-Size bleibt unterrepräsentiert

Ein Vergleich mit Gesundheitsdaten der US-Bevölkerung offenbart eine deutliche Diskrepanz: Selbst Plus-Size-Models entsprechen im Durchschnitt nicht den Körpermaßen der durchschnittlichen US-Amerikanerin. Die Überschneidung zwischen realen Körpern und deren Darstellung in der Mode ist damit nach wie vor sehr gering.

Mogelpackung ethnische Diversität

Der Anteil nicht-weißer Models ist von rund 13 % im Jahr 2011 auf über 40 % in den letzten Jahren gestiegen. Allerdings zeigt die Studie, dass sich verschiedene Diversitätsmerkmale häufig überlappen. So sind Plus-Size-Models deutlich häufiger nicht-weiß, wodurch sich Diversität auf vergleichsweise wenige Personen konzentriert.

Regulierung zeigt unterschiedliche Effekte

Die Forschenden analysierten auch regulatorische Maßnahmen in Europa. In Mailand brachte die Einführung einer verbindlichen Mindestgrenze beim Body-Mass-Index einen messbaren Rückgang extrem dünner Models. Ein flexibleres System in Frankreich, welches auf ärztlichen Attesten basiert, zeigte hingegen keine vergleichbare Wirkung.

Fazit: Suggerierte Veränderung, stabile Norm

Die Studie verdeutlicht: Zwar wird die Repräsentation vielfältiger, das grundlegende Ideal bleibt jedoch weitgehend unverändert.

Blick auf männliche Models

Bei männlichen Models hat sich die Körpernorm seit dem Jahre 2000 sogar noch weniger verändert als bei ihre weiblichen Pendants. Aufgrund geringerer Datenverfügbarkeit lag der Fokus der Studie jedoch auf der Darstellung von Frauenkörperin in der Modewelt.

Autor*innen
  • Karolina Sliwa: WU Vienna, Vienna University of Economics and Business, Austria.

  • Katharina Ledebur: Complexity Science Hub, Austria.

  • Louis Boucherie: DTU Compute, the Technical University of Denmark, and Center for Social Data Science, University of Copenhagen, Denmark.

  • Sagar Kumar: Network Science Institute, Northeastern University, Boston, USA.

  • August Lohse: DTU Compute, Denmark.

Studie

Cultural evolution of beauty standards. IN: Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) (Mai 2026).

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