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Episode 6: Wenn Eltern für die Wunschschule tricksen

Die Wahl der Schule gilt für viele Familien als eine der wichtigsten Entscheidungen für die Zukunft ihrer Kinder. WU-Forscherin Anita Zednik vom Institute for Markets and Strategy zeigt in einer Studie mit Wiener Meldedaten, dass manche Eltern die Regeln der Schulplatzvergabe strategisch nutzen, um die Chancen auf einen Platz in ihrer Wunschschule zu erhöhen. Im WU-Podcast „Welthandelsplatz 1“ spricht die Forscherin über die Ergebnisse sowie über Fairness und Chancengleichheit im Schulsystem.

Erhöhte Wohnsitzwechsel vor der Schulanmeldung

Für ihre Studie analysierte Anita Zednik anonymisierte Meldedaten von rund 330.000 Wiener Kindern über einen Zeitraum von 94 Monaten. Der Datensatz ermöglicht es, Wohnsitzwechsel und Rückmeldungen an frühere Adressen systematisch nachzuverfolgen. Dabei identifizierte sie sogenannte „Return Moves“: Kinder werden kurz vor der Schulanmeldung an einer anderen Adresse gemeldet und danach wieder an ihren ursprünglichen Wohnsitz zurückgemeldet.

„Man könnte das als Fake-Umzug bezeichnen. Der Wohnsitz wird für die Schulanmeldung kurzfristig verlegt und danach wieder an die ursprüngliche Adresse zurückgemeldet“, erklärt Zednik. Die Analysen zeigen, dass solche kurzfristigen Ummeldungen unmittelbar vor der Schulanmeldung mehr als viermal so häufig auftreten wie bei Kindern, für die gerade keine Schulanmeldung ansteht. Das Phänomen ist zwar insgesamt selten, lässt sich in den Daten aber klar erkennen.

Bildungshintergrund spielt eine Rolle

Die Studie zeigt außerdem, dass solche Strategien nicht von allen Familien gleichermaßen genutzt werden. Familien mit höherem Bildungshintergrund und österreichischer Staatsbürgerschaft greifen deutlich häufiger zu solchen Wohnsitzwechseln als Familien mit niedrigerem Bildungsniveau oder nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft. „Wer über mehr Wissen, Netzwerke oder Möglichkeiten verfügt, kann bestehende Regeln leichter für sich nutzen“, so Zednik. Dadurch könnten bestehende Bildungsungleichheiten zusätzlich verstärkt werden.

Vertrauen in faire Vergabe leidet

Zudem befragte Anita Zednik mehr als 1.300 Eltern von Erstklässler*innen. Dabei zeigte sich: Eltern, die von solchen Strategien gehört hatten oder Personen kannten, die einen „Fake-Umzug“ durchgeführt hatten, bewerteten das Schulzuteilungssystem deutlich kritischer. Während rund drei Viertel der Eltern ohne Kenntnis solcher Praktiken die Vergabe als fair empfanden, war es unter jenen, die jemanden mit einem „Fake-Umzug“ kannten, nur etwa die Hälfte. „Solche Praktiken beeinflussen das Vertrauen ins Schulsystem ingesamt“, so Zednik.

Detaillierte Studienergebnisse und weitere Informationen

Anita Zednik (2025): Strategic Residential Location Choice: How Parents Game Priorities in School Matching. Management Science, Vol. 71(12), S. 10486-10504. DOI: https://doi.org/10.1287/mnsc.2021.03711

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