Management

Was macht Wien zu einer lebenswerten Stadt?

25. August 2026

Eine neue WU-Studie untersucht, was in den Augen von Österreichs Menschen wirklich die Wiener Lebensqualität ausmacht.

Wien zählt laut dem „Global Liveability Index“ des Economist konstant zu den lebenswertesten Städten der Welt. Nach drei Jahren an der Spitze belegte Wien 2026 und 2025 nun jeweils den zweiten Platz im Ranking. Solche internationalen Ranglisten bewerten Städte üblicherweise anhand von Faktoren wie Stabilität, Gesundheitsversorgung, Bildung und Infrastruktur. Eine neue WU-Studie stellt nun stattdessen die Perspektive der Menschen in den Mittelpunkt und untersucht, was Österreichs Einwohner*innen selbst für wichtig halten, wenn es um die Lebensqualität von Wien geht.

Museen und Universitäten stehen an erster Stelle

Portrait von Angela Samuel

Angela Samuel


© Angela Samuel

Die Studie von Angela Samuel, Katharina Dinhof und Prof. Jurgen Willems kombiniert Interviews und eine Quotenstichproben-Befragung von 1.787 Menschen in Österreich mit einer Medienanalyse zu 39 städtischen Konfliktpunkten sowie fünf Conjoint-Experimenten mit 1.354 Teilnehmer*innen. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass für die Menschen Museen, Universitäten, lokale Unternehmen und Krankenhäuser ganz oben stehen, was ihre Beiträge zur Wiener Lebensqualität betrifft. Die Rolle von politischen Akteuren, etwa von Regierungen, Parlamenten und politischen Parteien, wurde hingegen deutlich niedriger bewertet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass für die Befragten die Lebensqualität von den Beiträgen verschiedenster gesellschaftlicher Akteure abhängt, insbesondere von Institutionen, die das städtische Alltagsleben durch Kultur, Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Interaktion prägen. „Unsere Forschung zeigt, dass die Menschen Lebensqualität stark mit Zugang zu Kultur, Bildungsangeboten und Räumen für kreatives Schaffen verbinden. Sie sehen Lebensqualität in erster Linie aus dem Blickwinkel des städtischen Alltagslebens heraus und legen weniger Augenmerk auf formale politische Strukturen“, erklärt Angela Samuel, Hauptautorin der Studie. Erklären lasse sich das durch das europaweit sinkende Vertrauen in politische Institutionen.

Lebensqualität bedeutet auch Inklusion

Portraitfoto von Katharina Dinhof

Katharina Dinhof


© R. Ettl

Die Studie hebt zudem die Bedeutung von Teilhabe und Anerkennung im politischen Leben der Stadt hervor. In fünf Experimenten stellten die Forscher*innen fest, dass die Menschen jenen Akteur*innen mehr Einfluss zuschreiben, die über mehr Stimmrechte und höhere Sprachkenntnisse verfügen und größere wirtschaftliche Beiträge leisten. Dies deutet darauf hin, dass manche Gruppen eher als legitime Mitgestalter des städtischen Lebens wahrgenommen werden als andere. „Lebensqualität hängt auch davon ab, wessen Beiträge anerkannt werden, wessen Interessen zählen und wer an der Gestaltung des städtischen Lebens mitwirken kann. Städte, die lebenswert bleiben wollen, sollten über formale Indikatoren für Partizipation hinausblicken und sicherstellen, dass ihre Entscheidungsprozesse die Vielfalt aller Bevölkerungsgruppen widerspiegeln, die in der Stadt leben und sie einzigartig machen“, betont Koautorin Katharina Dinhof. „Dazu gehört zum Beispiel, Menschen ohne Staatsbürgerschaft eine stärkere Stimme zu geben, öffentliche Dienstleistungen in mehreren Sprachen zugänglich zu machen und ein breiteres Bevölkerungsspektrum miteinzubeziehen, etwa durch Bürger*innenversammlungen, Nachbarschaftsräte und andere partizipative Formate“, fügt Samuel hinzu.

Detaillierte Studienergebnisse und weitere Informationen

Samuel, Angela Luwanhe, Dinhof, Katharina, Willems, Jurgen (2026): Reframing urban livability through stakeholder salience: A citizen-centered model. In: Urban Studies (2026). Verfügbar unter: doi.org/10.1177/00420980261464858

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