Gesellschaft & Nachhaltigkeit

Männer essen klimaschädlicher als Frauen

12. Oktober 2026

Neue Studie in Nature Food zeigt: Umweltfolgen von Ernährung unterscheiden sich stark nach Alter, Geschlecht, Bildung und Wohnort

Was wir essen, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die Umwelt. Eine Studie unter Beteiligung des WU-Forschers Martin Bruckner hat nun untersucht, wie sich die Umweltwirkungen von Ernährungsweisen zwischen Bevölkerungsgruppen hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und Wohnort unterscheiden. Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine erfolgreiche Ernährungswende nicht mit allgemeinen Empfehlungen funktionieren wird.

Gut gebildete junge Männer in Städten haben größten Umweltfußabdruck

Foto von Martin Bruckner

Für die Studie analysierte das internationale Forschungsteam 72 soziGut gebildete junge Männer in Städten haben größten Umweltfußabdruckodemografische Gruppen in 165 Ländern weltweit. Insgesamt verursachen Männer durch ihre Ernährung deutlich mehr CO2-Emissionen als Frauen. Der mediane CO2-Fußabdruck liegt bei Männern bei 4,36 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Tag, bei Frauen bei 3,43 Kilogramm. Personen, die in Städten leben, weisen weltweit höhere Emissionen auf als Menschen in ländlichen Regionen.

Einen besonders hohen Fußabdruck verursachen junge Männer zwischen 15 und 34 Jahren mit höherem Bildungsniveau, die in Städten leben. Ihr CO2-Fußabdruck liegt fast 45 Prozent über dem globalen Median. Die niedrigsten Werte fanden die Forschenden bei Frauen zwischen 35 und 54 Jahren mit niedrigerem Bildungsniveau in ländlichen Regionen. Ähnliche Muster zeigen sich auch beim Wasserverbrauch und beim Flächenbedarf von Ernährungsweisen.

„Unsere Studie zeigt, dass der CO2-Fußabdruck der Ernährung mit dem Bildungsniveau zunimmt“, erklärt Mitautor Martin Bruckner vom WU Institute for Ecological Economics. Bildung kann zwar Umweltbewusstsein und nachhaltigkeitsorientiertes Verhalten fördern, geht jedoch häufig auch mit höherem Einkommen und einer größeren Konsumkapazität einher. „Wer mehr verdient und mehr konsumieren kann, hinterlässt häufig auch einen größeren ökologischen Fußabdruck. Das ist eine unbequeme Erkenntnis – aber genau deshalb sollten wir sie ernst nehmen.“

Gesunde Ernährung schont Klima, Wasser und Böden

Die Analyse kombiniert Ernährungsdaten, Bevölkerungsdaten und Informationen zu globalen Lieferketten, um die Umweltfolgen von Ernährungsweisen zu berechnen. Dabei zeigt sich, dass gesündere Ernährungsweisen tendenziell mit geringeren Umweltbelastungen einhergehen: Mit jeder Verbesserung der Ernährungsqualität sinken Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Flächenbedarf. Besonders pflanzenbetonte Ernährungsweisen schneiden sowohl gesundheitlich als auch ökologisch besser ab.

„Gesundheit und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze. Insbesondere eine stärker pflanzenbasierte Ernährung tut nicht nur der eigenen Gesundheit gut, sondern schont auch den Planeten“, erklärt Bruckner. „Ändern wir unsere Ernährungsgewohnheiten nicht freiwillig, wird uns der Klimawandel dazu zwingen.“

Wie die Ernährungswende gelingen kann

Das Ernährungssystem ist weltweit für 25 bis 30 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Österreich will bis 2040 klimaneutral werden. Bruckner dazu: „Ohne Veränderungen unseres Ernährungssystems werden wir Klimaneutralität nur schwer erreichen.“

Neben allgemeinen Ernährungsempfehlungen braucht es dafür maßgeschneiderte Strategien für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig sieht Bruckner Handlungsbedarf bei den politischen Rahmenbedingungen: „Die Politik entscheidet darüber, welche Lebensmittel günstig, verfügbar und attraktiv sind. Wenn wir wollen, dass die Menschen ihren Konsum ändern, muss die Politik endlich die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Mit Agrarförderungen, steuerlichen Anreizen oder der öffentlichen Beschaffung hätte die Politik viele Hebel für eine Neuausrichtung des Ernährungssystems.“

Weiterführende Informationen

Taherzadeh, Oliver, Schoorlemmer, Arthur, Behrens, Paul, Bruckner, Martin, Cai, Hongyi (2026): Dietary environmental impacts and quality differ by socio-demographic characteristics. In: Nature Food (2026). Verfügbar unter: https://doi.org/10.1038/s43016-026-01389-y

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