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Betriebsrat für das wissenschaftliche Personal

Verbot von Gender Studies an ungarischen Universitäten

Im August wurde in Ungarn eine Entscheidung der Regierung getroffen, die auch uns InteressenvertreterInnen der UniversitätslehrerInnen in Österreich beschäftigt und die wir zum Gegenstand dieser Protestnote machen wollen: Der ungarische Bildungsminister Joszef Bodis hat verkündet, dass staatlich finanzierte Universitäten in Zukunft das Studium „Gender Studies“ nicht mehr anbieten dürfen (siehe dazu zB Beiträge in der Zeit Online, Spiegel Online, Hungarian Free Press und Academe Blog)

Außer an der privaten Central European University, die unter starkem Druck der Regierung steht, werden „Gender Studies“ nur an der staatlichen Eötvös Lóránt Universität (ELTE) angeboten. Die Universitäten erhielten 24 Stunden Zeit, sich zu dem Regierungsvorhaben zu äußern. Das Vorhaben ist eindeutig ideologisch motiviert. In einem Schreiben an den ELTE-Rektor schrieb der Führer der christdemokratischen Jugend, Lörinc Nacsa, dass diese Programme „unsere Art des Denkens zerstören, die auf Werten beruht und die in Zentraleuropa immer noch besteht.“

Über diese Aktivität wurde in den letzten Wochen in verschiedenen Netzwerken berichtet und es gibt mittlerweile wegen des Eingriffs in die Wissenschaftsfreiheit eine Protestwelle, die sich durch viele Disziplinen zieht und auch viele Berufsverbände inkludiert - z.B.:

https://www.petitions24.com/statement_of_the_network_of_university_teachers_against_banning_the_gender_studies_program;

http://www.lse.ac.uk/gender/news;

https://www.europeansociology.org/statement-esa-gender-studies-hungarian-universities;

http://www2.gender.hu-berlin.de/ztg-blog/wp-content/uploads/2018/08/Letter-to-the-Hungarian-Minister-for-Education-1.pdf;

http://hungarianfreepress.com/2018/08/15/american-academics-protest-hungarys-gender-study-ban/;

https://academeblog.org/2018/08/13/letter-to-hungarian-minister-of-education/).

Wir verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge. Gender Studies ist ein international anerkanntes interdisziplinäres Gebiet und wird weltweit als gültige wissenschaftliche Disziplin anerkannt. Man/frau kann nun zu den Inhalten bzw. der Bedeutung des Studiums unterschiedlich stehen, das möchten wir hier gar nicht zur Diskussion stellen. Aus unserer Sicht viel problematischer sehen wir den Eingriff, den eine Regierung eines Nachbarstaates in die Freiheit von Forschung und Lehre vornimmt – und dies im Jahr, in dem der 150. Jahrestag dieser Verfassungsbestimmung gefeiert wird! Hier wird ein Recht beschnitten, das auch in Ungarn verfassungsrechtlich geschützt ist.

Die Universitätengewerkschaft hat dazu schon Anfang September eine entsprechende Protestnote beim zuständigen ungarischen Minister eingebracht, in der dieser aufgefordert wurde, das Prinzip der akademischen Freiheit für Forschende, Lehrende und Studierende unabhängig von der wissenschaftlichen Disziplin aufrechtzuerhalten und dieses Verbot zurückzunehmen.

Auch die Universitätenkonferenz (UNIKO) hat sich in einem Statement dazu geäußert.

Wir möchte auf diesem Wege aufrufen, den noch immer andauernden Protest der ungarischen KollegInnen durch die Unterzeichnung ihrer „University teachers´ petition“ zu unterstützen – der Link dazu findet sich unter:  https://www.petitions24.com/statement_of_the_network_of_university_teachers_against_banning_the_gender_studies_program

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