Seitlicher Blick auf das D2 Gebäude.

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Herbst-Event

Jüdische Spuren an der WU und in der Nachbarschaft

Das Mahnmal der WU weist auf jüdische Spuren an der WU hin und erinnert an den Umgang mit Studierenden, Lehrenden und Verwaltungsangestellten, die nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 ihre Tätigkeit an der damaligen Hochschule für Welthandel nicht mehr fortsetzen konnten.

Johannes Koll, der Leiter des Universitätsarchivs und der federführende Mitarbeiter im WU-Gedenkprojekt, hat uns in einer sehr eindrücklichen Art und Weise erläutert, in welch diffizilen Formen es damals zu Ausschlüssen gekommen ist: So haben Angestellte und DozentInnen aus nachweislich rassischen, politischen und weltanschaulichen Gründen von einem Tag auf den anderen ihren Job verloren und ein Betretungsverbot erhalten. Studierende wurden ebenfalls am Studium gehindert – es ging in manchen Fällen sogar soweit, dass erbrachte Leistungen aberkannt wurden. Nähere Informationen dazu bzw. auch Darstellungen von Einzelfällen finden sich im Gedenkbuch der WU (http://gedenkbuch.wu.ac.at/).

Der Blick auf die die Handhabe der Universitätsleitung zu der damaligen Zeit löst Betroffenheit aus. Gleichzeitig macht die aktive Auseinandersetzung in Form des Gedenkprojekts auch wieder Mut und deutet darauf hin, dass es den Willen gibt, sich mit dieser „dunkleren“ Seite in der Geschichte der WU auseinanderzusetzen.

Gedenkprojekte haben uns dann auch auf dem Weg in die unmittelbare Nachbarschaft der WU begleitet. Unter der fachkundigen Leitung von Frau Barbara Timmermann (www.viennawalks.com) haben wir die Leopoldstadt – einst und jetzt eines der Zentren jüdischen Lebens in Wiens – erkundet.

Auf unserem Weg sind wir an einer Vielfalt jüdischer, sozialer und gesellschaftlicher Einrichtungen vorbeigekommen. Wir haben bei den prächtigen Tempel der Stadt innegehalten und ebenfalls bescheidene Bethäuser diverser jüdischer Gemeinden kennengelernt.

Geblieben ist das Gefühl eines Wechselspiels von wiederholtem Aufbau und Zerstörung, aber auch von Vielfalt und Lebensfreude.

Alle FührungsteilnehmerInnen waren nach dem 2,5-stündigen Sparziergang zwar etwas durchfroren, aber sichtlich bewegt von den vielfältigen Eindrücken. Beim Ausklang in der „Schönen Perle“ wurden Verbindungen zum historischen Datum 9/11 gezogen. Es fanden sich Anknüpfungspunkte zu den Novemberprogromen 1938. Es wurden aber auch Analogien zum Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016 gezogen. Somit war für viel Gesprächsstoff gesorgt!

Den Vorschlag der KollegInnen, möglichst bald wieder eine Art von gemeinsamer Erkundungstour zu machen, nehmen wir gerne als Anregung für das kommende Jahr 2017 und hoffen auch dann wieder auf ein reges Interesse.

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