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Frauen übernehmen mehr „Office Housework“ in Unternehmen

03. März 2026

Neue Studie zeigt: Freiwillige Zusatzaufgaben im Unternehmen sind ungleich verteilt

In vielen Unternehmen gilt das Prinzip: Wer mehr die Extrameile geht, wird belohnt. Eine neue Studie unter Beteiligung von WU‑Professorin Isabella Grabner zeigt jedoch, dass dieser Grundsatz nicht für alle gleichermaßen gilt. Frauen übernehmen deutlich häufiger freiwillig „Office Housework“ – und genau das kann ihrer Karriere schaden. Die Studienergebnisse liefern neue Erklärungen für das bekannte Phänomen der „Leaky Pipeline“, bei dem der Frauenanteil mit jeder Karrierestufe sinkt und das letztlich in Einkommensunterschieden, dem sogenannten Gender Pay Gap, zwischen Frauen und Männern mündet.

„Office Housework“ vs. karrierefördernde Zusatzaufgaben

Das internationale Team rund um Isabella Grabner, Professorin am Institut für Unternehmensführung der WU Wien, analysierte die Aufgabenverteilung von rund 500 Beschäftigten in einem Finanzdienstleistungsunternehmen. Untersucht wurden Zusatztätigkeiten, die über das formale Jobprofil hinausgehen, im Fachjargon „Organizational Citizenship Behavior“ genannt. Die Studie unterscheidet dabei zwei Typen von Tätigkeiten:

  • „Office Housework“ sind freiwillige Aufgaben, die die Gemeinschaft fördern – zum Beispiel das Organisieren von Teamevents oder die Verbesserung des Arbeitsklimas. Die Tätigkeiten sind für das Funktionieren von Organisationen essenziell, tragen aber kaum zum Karrierefortschritt bei.

  • Die zweite Kategorie von freiwilligen Aufgaben, „Office Glamour Work“, sind strategische, sichtbare Projekte, die oft auch förderlich für die Karriere sind.

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Frauen übernehmen fast doppelt so häufig Office Housework wie Männer, sind aber um rund ein Drittel seltener an karrierefördernder Office Glamour Work beteiligt. „Wir wissen aus zahlreichen wissenschaftlichen Studien: Geschlechterrollen, die uns zugeschrieben werden, beeinflussen oft unbewusst, welche Aufgaben wir von selbst übernehmen“, so Grabner.

Zusatzaufgaben für Frauen als Karrierefalle

Neben der Aufgabenverteilung untersuchte das Forschungsteam auch, wie diese Zusatzleistungen bewertet werden. Dabei zeigt sich ein weiteres Ungleichgewicht: Männer erhielten für Office Housework deutlich mehr Anerkennung als Frauen. Für strategische, karrierefördernde Office Glamour Work erhielten Frauen hingegen nur geringfügig mehr Anerkennung als Männer.

„Frauen übernehmen häufiger Office Housework. Das geht zulasten jener Aufgaben, die karrierefördernd sind“, so Grabner. Das passiert selbst in Organisationen, die sich aktiv um Geschlechtergerechtigkeit bemühen.

Was Unternehmen dagegen tun können

„Gleichstellung entsteht nicht allein durch gute Absichten“, betont Grabner. „Organisationen müssen bewusst steuern, wer welche Aufgaben übernimmt – und wie diese Leistungen bewertet werden.“

Die Studienautorinnen sehen mehrere Ansatzpunkte, um eine faire Aufgabenverteilung zu fördern: Dazu zählen unter anderem eine systematische Rotation statt Freiwilligkeit bei Zusatzaufgaben sowie eine Zuteilung der Office Housework und karrierefördernder Projekte durch Führungskräfte. Es liege aber auch an den Führungskräften, Frauen zu ermutigen, sich strategische, karrierefördernde Zusatzaufgaben zuzutrauen. „Es liegt es auch an uns Frauen, selbstbewusst zu sein und die uns gebotenen Chancen zu ergreifen“, so Grabner.

Detaillierte Studienergebnisse und weitere Informationen

Video zu den Studienergebnissen und Interview mit Isabella Grabner

Bol, J. C., Fogel-Yaari, H., Grabner, I., Sedatole, K. (2026): Promoting Organizational Citizenship Behavior (OCB): Unintended Gender Disparities in the Participation and Evaluation of Different Types of OCB. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=5529958 or DOI: 10.2308/TAR-2024-0149

Pressekontakt

Julia Kreimel, MSc.
Wissenschaftskommunikation
Tel: + 43-1-31336-5478
E-Mail: julia.kreimel@wu.ac.at

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