Sozioökonomie

Entwaldung durch Bergbau in Afrika: Neue Studie liefert Zahlen

10. Juni 2026

Eine neue Studie mit WU-Beteiligung zeigt: Für jeden Hektar Minenfläche gehen zusätzlich 34 Hektar Wald für Infrastruktur verloren.

Der industrielle Bergbau in Afrika führt zu weitreichender Entwaldung, die weit über die eigentlichen Minengebiete hinausgeht. Zwischen 2001 und 2020 gingen rund 187.000 Hektar Wald direkt durch Bergbau verloren. Eine von der Universität Sheffield geleitete Studie mit Beteiligung der WU Wien und internationaler Partner zeigt nun, dass der Großteil der Entwaldung von Infrastruktur rund um die Minen verursacht wird. WU-Forscher Victor Maus erklärt: „Wenn eine Mine eröffnet wird, entstehen neue Siedlungen, Landwirtschaft und Transportwege, die zusätzlichen Druck auf die umliegenden Wälder ausüben. Um die Umweltauswirkungen des Bergbaus vollständig zu verstehen, müssen wir über die eigentlichen Minen hinausblicken und den deutlich größeren Fußabdruck der umliegenden Infrastruktur berücksichtigen.“ Analysiert wurden über 16.000 Minen, von großen Industriebetrieben bis hin zu kleineren, lokal betriebenen Abbaustätten.

Steigende Nachfrage nach Rohstoffen

Die Ausweitung des Bergbaus in Afrika steht in engem Zusammenhang mit der wachsenden globalen Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen. Seit 1970 hat sich die Förderung von Metallerzen auf dem Kontinent vervierfacht. Mit dem Ausbau von Technologien für die Energiewende – etwa Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien – steigt insbesondere der Bedarf an kritischen Rohstoffen wie Kupfer und Kobalt. Bis 2040 könnte sich die Nachfrage nach diesen beiden Metallen sogar bis um das 40-Fache erhöhen. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass diese Entwicklung erheblich zur Entwaldung beiträgt. Maus betont: „Diese Analyse bezieht sich auf Afrika, aber auf Grundlage unserer Daten ist es wahrscheinlich, dass ähnliche Auswirkungen auch anderswo auftreten.“

Mehr Transparenz und bessere Daten erforderlich

Portraitfoto von Victor Maus

Die Studie unterstreicht die Bedeutung detaillierter Daten und größerer Transparenz, um die tatsächlichen Umweltauswirkungen des Bergbaus zu erfassen. Maus leitet zudem das vom Europäischen Forschungsrat (ERC) geförderte Projekt MINE-THE-GAP, das Satellitendaten und künstliche Intelligenz nutzt, um globale Wissenslücken zu Bergbauaktivitäten und deren Umweltauswirkungen zu schließen. Maus erklärt: „Für realistische Lebenszyklusanalysen des Bergbaus reichen Daten auf Länder- oder Rohstoffebene nicht aus. Wir müssen die geografische Lage jeder einzelnen Mine verstehen – und dafür liefern Satellitendaten nur einen Teil des Bildes. Außerdem brauchen wir mehr Transparenz von Unternehmen, sowohl bei Umwelt- als auch bei Eigentums- und Finanzdaten. Nur so können wir die tatsächlichen Umweltauswirkungen dieser wichtigen Rohstoffe vollständig verstehen – und sie, wo nötig, eindämmen.“ Die Forschenden fordern daher die Einrichtung zentraler, öffentlicher Datenplattformen, die es Unternehmen erleichtern, Informationen bereitzustellen, und der Öffentlichkeit einen einfachen Zugang zu diesen Daten ermöglichen.

Detaillierte Studienergebnisse und weitere Informationen

Morton, Oscar, Bousfield, Christopher G., Valé, Prince Dégny, Lamb, Ieuan, Maus, Victor, Bryant, Robert G., Edwards, David P. (2026): Mining triggers extensive additional deforestation in sub-Saharan Africa. In: Nature (2026). Verfügbar unter: https://www.nature.com/articles/s41586-026-10551-2

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