Forschung

Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2026

13. Oktober 2026

Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis geht an Robert E. Hall und Michael Woodford.

Mit ihren Arbeiten haben die beiden Ökonomen das Verständnis von Konjunkturschwankungen sowie der Wirkungsweise von Geld- und Fiskalpolitik maßgeblich geprägt. Im Zentrum ihrer Forschung steht die Frage, wie Erwartungen von Haushalten, Unternehmen und Finanzmärkten wirtschaftliche Entwicklungen beeinflussen.

WU Rektor Sausgruber

WU-Rektor Rupert Sausgruber gratuliert den Preisträgern und betont die Bedeutung ihrer Forschung: „Der Wirtschaftsnobelpreis macht Jahr für Jahr sichtbar, wie sehr fundierte ökonomische Forschung zum Verständnis zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen kann. Die Auszeichnung von Robert E. Hall und Michael Woodford würdigt ein Forschungsfeld, das auch an der WU stark vertreten ist und dessen Erkenntnisse weit über die Wissenschaft hinauswirken.“

Erwartungen als Schlüssel zum Verständnis der Wirtschaft

WU Professor Crespo Cuaresma

Für WU Professor Jesus Crespo Cuaresma vom Department of Economics sind die Arbeiten der beiden Nobelpreisträger grundlegend für die moderne Makroökonomie:

„Unser heutiges Verständnis moderner makroökonomischer Politik ist ohne die Arbeiten von Robert Hall und Michael Woodford kaum denkbar. Ihre Forschung hat uns die Wirkungsmechanismen fiskal- und geldpolitischer Impulse nähergebracht und damit die Grundlage für eine wirksamere makroökonomische Stabilisierungspolitik geschaffen. Beide rückten dabei die Rolle der Erwartungen in den Mittelpunkt. Hall hat beispielsweise gezeigt, wie Erwartungen über das künftige Einkommen den Konsum der Haushalte prägen, und damit unser Verständnis der Wirkung von Steuersenkungen und staatlichen Transfers vertieft. Woodford hat herausgearbeitet, wie sehr die Wirkung der Geldpolitik von den Erwartungen über den künftigen Kurs der Zentralbank abhängt und weshalb glaubwürdige Kommunikation selbst ein wichtiges geldpolitisches Instrument ist.“

Hall untersuchte unter anderem, wie Konsument*innen ihre Ausgaben anhand erwarteter zukünftiger Einkommen planen. Woodford wiederum zeigte, welche zentrale Rolle die Erwartungsbildung für die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen spielt und warum die Kommunikation von Zentralbanken ein entscheidender Bestandteil moderner Geldpolitik ist.

Prägend für die wirtschaftspolitische Forschung bis heute

Katrin Rabitsch

Auch WU Forscherin Katrin Rabitsch vom Department of Economics hebt den nachhaltigen Einfluss der ausgezeichneten Forschung hervor:

„Der Wirtschaftsnobelpreis würdigt mit Robert Hall und Michael Woodford zwei Ökonomen, die unser Verständnis von Konjunkturschwankungen – also Phasen wirtschaftlicher Expansion und Rezession – und der Rolle staatlicher Stabilisierungspolitik maßgeblich geprägt haben.

Ihre Arbeiten haben entscheidend dazu beigetragen, ein theoretisches Fundament für moderne makroökonomische Modelle zu schaffen, das auf den individuellen Entscheidungen und Erwartungen von Haushalten und Unternehmen aufbaut – also konsequent mikroökonomisch fundiert ist. Insbesondere Woodford hat mit seinen neukeynesianischen Modellen wesentlich dazu beigetragen, die theoretischen Grundlagen einer auf Preisstabilität und konjunkturelle Stabilisierung ausgerichteten Geldpolitik zu schaffen. Seine Arbeiten zeigen, welche zentrale Rolle dabei die Erwartungen von Haushalten und Unternehmen sowie die Glaubwürdigkeit und Kommunikation der Zentralbanken spielen.

Die Finanzkrise und die jüngsten Inflationsschübe haben zugleich neue Fragen aufgeworfen und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung dieser Modelle gegeben. Ihr methodischer Kern – die mikroökonomische Fundierung makroökonomischer Zusammenhänge und die zentrale Rolle von Erwartungen – prägt die Forschung jedoch bis heute.“

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