Vorlesen

Start-up-Szene 2016: Mehr Gründungen im digitalen Bereich, weniger Gründerinnen

Im Rahmen der europaweiten Initiative „European Startup Monitor“ veröffentlicht das WU Gründungszentrum wieder die aktuellen Zahlen der GründerInnenszene in Österreich. Im Vergleich zum Vorjahr zeichnet sich in vielen Bereichen Kontinuität ab, gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass GründerInnen vorsichtiger an ihre Wachstumspläne herangehen. Auffällig sind der starke Anstieg der Start-ups in der digitalen Industrie sowie eine sinkende Zahl von Start-up-Gründerinnen.

Bereits zum zweiten Mal nahm das WU Gründungszentrum im Zuge der internationalen Vergleichsstudie „European Startup Monitor“, einer Initiative des Bundesverbands Deutsche Start-ups e.V., die österreichische Start-up-Landschaft unter die Lupe. In einer detaillierten Befragung gaben 134 Start-ups Auskunft über ihre Demografie, Branche, Finanzierungsquellen, Entwicklungspläne, Erwartungen und Wünsche. „Mit der nunmehr zweiten großen Datenerhebung innerhalb eines Jahres konnten wir ein konsistentes Bild von der österreichischen Start-up-Szene gewinnen“, so Rudolf Dömötör, Direktor des WU Gründungszentrums. Und weiter: „Unterschiede zum Vorjahr sehen wir insbesondere beim Anstieg der durchschnittlichen MitarbeiterInnenzahl und einem größeren Anteil von Start-ups in der digitalen Industrie. Wir verzeichnen in der aktuellen Studie aber auch einen Rückgang bei der Anzahl von Gründungen durch Frauen.“

WiederholungstäterInnen

Das Profil der GründerInnen in Österreich ähnelt jenem vom letzten Jahr: Zum Zeitpunkt der Gründung sind die JungunternehmerInnen im Durchschnitt 31,1 Jahre alt, in 92,9 Prozent der Fälle männlich und immerhin 32,2 Prozent der Founder in Österreich haben keinen österreichischen Reisepass. Für 41 Prozent der Befragten ist es nicht die erste Unternehmensgründung, sie sind WiederholungstäterInnen und haben bereits mindestens ein weiteres Start-up auf die Beine gestellt – 18 Prozent haben vor dem aktuellen Venture sogar bereits zwei oder mehr Unternehmen gegründet. Demnach ist fast jede/r fünfte GründerIn der österreichischen Start-up-Szene ein sogenannter „Serial Entrepreneur“. Stark angestiegen ist die Zahl der Start-ups im digitalen Bereich, von 44 Prozent auf über 60 Prozent. Rund die Hälfte der Befragten stuft ihr Produkt als weltweite Innovation ein, rund drei Viertel exportieren ihr Produkt bzw. ihren Service auch bereits in andere Länder. Immerhin ein Viertel der österreichischen Start-ups erwirtschaftet bereits Umsätze von mehr als 250.000 Euro.

Teamplayer

Nur wenige GründerInnen wagen alleine den Schritt zum eigenen Unternehmen, 80 Prozent der Gründungen erfolgen von Teams mit durchschnittlich 2,3 Personen. 20 Prozent der befragten Start-ups befinden sich noch in der sogenannten Seed-Phase, der ersten Finanzierungsphase für Entwicklung und erste Umsetzung des Geschäftskonzepts. Die Hälfte der Befragten steht in der „Start-up Phase“, das heißt ihr erstes „Produkt“ ist fertig und sie generieren bereits erste Umsätze. Ein Viertel ist bereits einen Schritt weiter, in der sogenannten „Wachstumsphase“. Sie beschäftigen durchschnittlich 8,7 MitarbeiterInnen, um 1,2 Personen mehr als im letzten Jahr. Im Unterschied zum Vorjahr wollen sich zudem viele GründerInnen für ihr Wachstum nun doch etwas mehr Zeit lassen: Während im vergangenen Jahr nahezu alle Befragten angaben, binnen 12 Monaten die Zahl der MitarbeiterInnen um durchschnittlich 5,5 Personen steigern zu wollen, planen nun nur 72 Prozent im nächsten Jahr durchschnittlich 4,1 neue MitarbeiterInnen anzustellen.

Bereit für die nächste Finanzierungsrunde

86 Prozent der GründerInnen wenden ihr Eigenkapital für die Unternehmen auf, mehr als ein Viertel sogar ausschließlich. Eine weitere wichtige Finanzquelle sind öffentliche Fördertöpfe, auf die bislang von 55 Prozent zugegriffen wurde. Business Angels halfen in 21 Prozent der Gründungen aus. 30 Prozent waren in einem Inkubator- oder Accelerator-Programm. 24 Prozent weisen eine Venture-Capital-Finanzierung aus. Crowdfunding wurde von fünf Prozent der Start-ups genutzt. Um das Wachstum und die Entwicklung weiter voranzutreiben, planen mehr als drei Viertel der Start-ups innerhalb der nächsten 12 Monate eine Finanzierungsrunde durchzuführen, etwa ein Drittel der Start-ups sucht Investments von über 500.000 Euro.

Optimistisch, aber nicht wunschlos glücklich

77 Prozent der Start-ups blicken ihrer künftigen wirtschaftlichen Entwicklung positiv entgegen. Als größte Herausforderungen empfinden die GründerInnen Vertrieb und Kundenakquise (von 63% der Start-ups genannt), gefolgt vom Management des Wachstums (50 Prozent), der Produktentwicklung (44 Prozent) und der Sicherstellung der Finanzierung (34 Prozent). Von der Politik wünscht man sich insbesondere mehr finanzielle Unterstützung, 45 Prozent erhoffen sich Steuererleichterungen für Neugründungen und Investments, Unterstützung bei der Suche nach InvestorInnen, insbesondere bei der Wachstumsfinanzierung. Auch Bürokratieabbau, u.a. die erleichterte Anstellung von Nicht-EU-BürgerInnen, nennen 20 Prozent bei der Frage nach Wünschen und Erwartungen an die Politik. 11 Prozent wünschen sich ein positiveres gesellschaftliches Klima zu Unternehmertum (z.B. durch verstärkte Entrepreneurship Education)

Zur vollständigen Studie

Pressekontakt:
Mag. Anna Maria Schwendinger
Presse-Referentin
Tel: + 43-1-31336-5478
E-Mail: anna.schwendinger@wu.ac.at
wu.ac.at
   

Presseinformation als PDF
Presseinformation als PDF


zurück zur Übersicht