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Frauenförderung: Zeit für die Wissenschaft dank Stipendium

Das „Dr. Maria Schau­mayer Habi­li­ta­ti­ons­sti­pen­dium“ der Oester­rei­chi­schen Natio­nal­bank ermög­l­icht es jungen Wissen­schaft­le­rinnen, sich auf ihre wissen­schaft­liche Karriere zu konzen­trieren. Die Förde­rung beträgt maximal 55.000 Euro für ein Jahr. Dieser Betrag kann auf ein bis zwei Wissen­schaft­le­rinnen aufge­teilt werden. So ist das auch heuer der Fall: Birgit Löhn­dorf vom Depart­ment für Marke­ting und Erica Kovacs vom Depart­ment für Unter­neh­mens­recht, Arbeits- und Sozi­al­recht freuen sich über das Stipen­dium.

Das Ziel des Stipen­diums ist die Förde­rung einer konti­nu­ier­li­chen Arbeit am Habi­li­ta­ti­ons­pro­jekt durch Entlas­tung von den allge­meinen Lehr- und Verwal­tungs­tä­tig­keiten. In diesem Jahr wurden die Bewer­bungs­un­ter­lagen zweier Kandi­da­tinnen durch unab­hän­gige Guta­che­rInnen, die die OeNB in Auftrag gibt, als gleich gut einge­stuft, daher hat die Jury beiden Kandi­da­tinnen das Stipen­dium zuer­kannt.

Birgit Löhn­dorf: „Null Bock“ im Kunden­kon­takt – Wie fehlendes Enga­ge­ment von Service­mit­ar­bei­te­rInnen einer Marke schadet und was Marke­ting dagegen tun kann

Aktu­ellen Umfragen zufolge sind die meisten Menschen an ihrem Arbeits­platz nicht enga­giert und das welt­weit. Sie fühlen sich kaum an ihr Unter­nehmen gebunden, machen Dienst nach Vorschrift oder haben bereits inner­lich gekün­digt. Beson­ders in Bran­chen, die vom Kunden­kon­takt leben, herrscht in der Beleg­schaft vieler­orts Frust. Das ist ein Problem, denn gerade für Dienst­leis­tungs- und Handels­un­ter­nehmen spielen die Service­mit­ar­bei­te­rInnen eine zentrale Rolle, da sie oft die erste – wenn nicht sogar die einzige – persön­liche Schnitt­stelle zwischen KundInnen und Unter­nehmen sind. Sie sind das Gesicht des Unter­neh­mens und haben somit zentralen Einfluss auf Image und Erfolg der Unter­neh­mens­marke. Viele Unter­nehmen sehen Hand­lungs­be­darf und geben inzwi­schen Unsummen für Maßnahmen zur Stei­ge­rung des Enga­ge­ments ihrer Beleg­schaft aus – mit kaum mess­barem Erfolg. „Das ist nicht verwun­der­lich, da Erfolgs­fak­toren bisher kaum syste­ma­tisch erforscht wurden“, so Birgit Löhn­dorf. „Wir wissen auch noch zu wenig über die konkreten Folgen, wenn sich die Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­beiter im Kunden­kon­takt ihrem Unter­nehmen nicht verbunden fühlen. Das wäre jedoch erfor­der­lich, um über­haupt gezielte Maßnahmen zu entwi­ckeln.“ Die Wissen­schaft­lerin verfolgt mit ihrer Habi­li­ta­tion das Ziel, die Folgen einer mangelnden Bindung von Service­mit­ar­bei­te­rInnen an ihr Unter­nehmen zu iden­ti­fi­zieren und in weiterer Folge Antworten und Lösungen für das Manage­ment zu finden, um die Mitar­bei­te­rIn­nen­bin­dung mit Hilfe von internem Marke­ting und Bran­ding nach­haltig zu stärken. „Service­mit­ar­bei­te­rinnen und -mit­ar­beiter, die sich nicht mit ihrem Unter­nehmen iden­ti­fi­zieren, sind keine authen­ti­schen Marken­bot­schaf­te­rInnen“, so Birgit Löhn­dorf weiter. Erste Ergeb­nisse ihres Habi­li­ta­ti­ons­pro­jektes zeigen nicht nur fatale Auswir­kungen auf die Unter­neh­mens­marke, sondern auch den wich­tigen Beitrag, den insbe­son­dere die (interne) Marken­füh­rung leisten kann, um die Iden­ti­fi­ka­tion der Beleg­schaft mit dem Unter­nehmen zu erhöhen. Für ihre Analysen hat Birgit Löhn­dorf neben kontrol­lierten Labor­ex­pe­ri­menten Daten aus mehreren Unter­nehmen gesam­melt und eine einzig­ar­tige Daten­basis geschaffen, die Mitar­bei­te­rIn­nen­daten mit KundIn­nen­daten verknüpft. Die bishe­rigen Ergeb­nisse deuten darauf hin, dass Unter­nehmen die Wich­tig­keit eines authen­ti­schen Umgangs mit Mitar­bei­te­rInnen und KundInnen völlig unter­schätzen.

Erika Kovács: Ein euro­päi­sches Grund­recht auf Kündi­gungs­schutz – Art. 30 der Grund­rech­te­charta der EU

Der Kündi­gungs­schutz ist ein zentraler Bestand­teil des öster­rei­chi­schen Arbeits­rechts. Durch die euro­päi­sche Grund­rech­te­charta (GRC) hat dieser Rechts­be­reich eine neue Dimen­sion erhalten. Art 30 der Grund­rech­te­charta verlangt den Schutz der Arbeit­nehmer und Arbeit­neh­me­rinnen vor unge­recht­fer­tigter Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nisses. Die Veran­ke­rung des Kündi­gungs­schutzes in der Grund­rech­te­charta erfolgte, obwohl kein echtes Vorbild für eine Kündi­gungs­schutz­regel im übrigen Unions­recht exis­tiert. „Im Vertrag über die Arbeits­weise der EU ist zwar eine Kompe­tenz der Union auf dem Gebiet des Schutzes der Arbeit­neh­me­rinnen und Arbeit­nehmer bei Been­di­gung des Arbeits­ver­trags enthalten, die EU hat von dieser Kompe­tenz vor dem Inkraft­treten der GRC jedoch nicht Gebrauch gemacht“, erklärt Erika Kovács. Das Recht auf Schutz bei Arbeit­ge­be­rIn­nen-­kün­di­gung wird in einigen inter­na­tio­nalen Doku­menten fest­ge­schrieben, aller­dings nicht in den bedeu­tendsten Menschen­rechts­ab­kommen. Diese mangelnde völker­recht­liche Akzep­tanz trägt zur Unklar­heit der Rechts­natur des Art. 30 GRC bei. Weiters weisen die natio­nalen Kündi­gungs­schutz­sys­teme der Mitglied­staaten wesent­liche Unter­schiede auf, wodurch die Bestim­mung des Schutz­be­rei­ches eines euro­pa­weiten Grund­rechts auf Kündi­gungs­schutz erheb­lich erschwert wird. Art. 30 GRC wurde bisher höchs­tens punk­tuell unter­sucht. Dieser Mangel an kriti­schen Darstel­lungen steht in starkem Wider­spruch zu der enormen recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Rele­vanz des Kündi­gungs­schutzes. Kovács möchte durch eine einge­hende Unter­su­chung von Art. 30 GRC dazu beitragen, die beste­hende Lücke in der rechts­wis­sen­schaft­li­chen Lite­ratur zu schließen. In ihrer Habi­li­ta­tion verwendet Kovács eine inno­va­tive Heran­ge­hens­weise, welche die umfas­sende Unter­su­chung des Grund­rechts auf Kündi­gungs­schutz aus verschie­denen Blick­win­keln und mit diversen Ausle­gungs­me­thoden verfolgt. „Es sind Fragen mehrerer Rechts­ge­biete zu unter­su­chen, wobei neben dem domi­nanten Europa- und Arbeits­recht auch verfas­sungs- und völker­recht­liche Aspekte eine wich­tige Rolle spielen. Auch ein rechts­ver­glei­chender Blick in andere Rechts­sys­teme ist uner­läss­lich“, so Kovács abschlie­ßend. Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein euro­päi­sches Grund­recht auf Kündi­gungs­schutz sowie den mate­ri­ellen Schutz­be­reich dieses Grund­rechts zu entwi­ckeln.

Pres­se­kon­takt:
Mag. Cornelia Moll
Pres­se­spre­cherin
Tel: + 43-1-31336-4977
E-Mail: cornelia.moll@wu.ac.at 

Schaumayer-Habilitationsstipendien unterstützen Wissenschaftlerinnen bei Forschung als PDF
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Birgit Löhndorf
Birgit Löhndorf


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