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Claudio Di Ciccio

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Claudio Di Ciccio

Researcher of the Month

In der Frach­ten­lo­gistik können gerade Flug­ver­spä­tungen und -umlei­tungen zu massiven Kosten und umständ­li­chen orga­ni­sa­to­ri­schen Aufwen­dungen für Trans­port­un­ter­nehmen führen. Auch die Umwelt bezahlt dafür einen hohen Preis. Nicht selten warten Last­kraft­wägen zur Entge­gen­nahme von Contai­nern am falschen Flug­hafen und müssen dann umge­leitet werden. Am WU-In­stitut für Infor­ma­tion Busi­ness entwi­ckelten Claudio Di Ciccio und sein Team im Rahmen eines EU-Pro­jekts nun ein Früher­ken­nungs­system, um Logis­tik­un­ter­nehmen schneller über Abän­d­e­rungen von Flug­routen zu infor­mieren. So sollen künftig unnö­tige Wegstre­cken von LKWs vermieden und die CO2-Emis­sion in Europa um 6,5 Millionen Tonnen jähr­lich gesenkt werden.

Gerade in Europa stellen die Auswir­kungen des Trans­port­we­sens auf die Umwelt ein massives Problem dar. Die zuneh­mende Globa­li­sie­rung fordert immer stär­kere Trans­port­ka­pa­zi­täten, gleich­zeitig bildet gerade die Logistik einen großen Posten, wenn es um Kohlen­di­oxid­emis­sionen geht. Zwischen 80 und 115 Tonnen Fracht können große Fracht­flug­zeuge trans­por­tieren. Bis zu 30 LKWs kann es im nächsten Schritt erfor­dern, um die Fracht anschlie­ßend zum Handels­partner zu übers­tellen. Beson­ders proble­ma­tisch wird es für Logis­tik­un­ter­nehmen, wenn Frach­ten­flug­zeuge beispiels­weise aufgrund von extremen Wetter­be­din­gungen kurz­fristig umge­leitet werden müssen und ihre LKWs umsonst am ursprünglich geplanten Flug­hafen stehen. Denn bislang planen Logis­tik­un­ter­nehmen ihre Prozesse entspre­chend fest­ge­legter Abflugs- und Ankunfts­zeiten - die Infor­ma­tion über die Abwei­chungen erhalten sie erst, wenn das Flug­zeug bereits an einem anderen Flug­hafen gelandet ist. Abge­sehen von mone­tären Schäden für die Logis­tik­un­ter­nehmen entstehen dadurch auch für die Umwelt massive Zusatz­be­las­tungen, weil durch die zusätz­li­chen Wegstre­cken der LKWs auch die Abgas­be­las­tung steigt. Studien zeigen, dass rund 20 Prozent der LKW-­Weg­stre­cken in Europa „leere Meilen“ sind. Im Rahmen des EU-ge­för­derten „GET service project“ entwi­ckelte Claudio Di Ciccio vom Insti­tute for Infor­ma­tion Busi­ness der WU gemeinsam mit inter­na­tio­nalen Kolle­gInnen einen Algo­rithmus, der die Früher­ken­nung von Flug­ab­wei­chungen möglich macht und Logis­tik­pro­zesse umfas­send opti­miert. So sollten genau die „leeren Meilen“ mögl­ichst vermieden und Prozesse effi­zi­enter gestaltet werden können.

Daten in Echt­zeit

Für ihre Arbeit nutzten Di Ciccio und sein Forsche­rIn­nen­team alle jene Daten, die Logis­tik­un­ter­nehmen auch tatsäch­lich öffent­lich zur Verfü­gung stehen wie die aktu­elle Flug­zeug­po­si­tion, Geschwin­dig­keit, Flug­höhe, Zeits­tempel und vieles mehr. Anhand dieser entwi­ckelten sie einen selbst­ler­nenden Algo­rithmus und „trai­nierten“ diesen anhand welt­weiter Flug­daten – sowohl anhand regu­lärer Flug­stre­cken, als auch anhand abwei­chender Routen. „Mithilfe unseres Algo­rithmus und durch die Verar­bei­tung von Echt­zeit-Daten, ist es heute möglich, dass Logis­tik­un­ter­nehmen bei Abwei­chung von der regu­lären Flug­route und Unre­gel­mä­ßig­keiten mittels Soft­ware sofort alar­miert werden“, erklärt Di Ciccio, „Je früher Logis­tik­un­ter­nehmen über Abwei­chungen infor­miert werden, desto schneller können sie reagieren und den Logis­tik­pro­zess adap­tieren.

Umwelt schonen, Kosten senken

Die neue Soft­ware bringt sowohl für die Logis­tik­un­ter­nehmen als auch für die Umwelt eine Viel­zahl an Vorteilen mit sich. „Erstens können CO2-E­mis­sionen effi­zient redu­ziert werden, weil unnö­tige Wegstre­cken und leere Meilen mini­miert werde. Zum Zweiten sinkt dadurch der Kraft­stoff­ver­brauch der LKWs und auch die Trans­port­zeiten werden verkürzt  – beides Faktoren, die wiederum Kosten für Unter­nehmen sparen“, so Di Ciccio. Das GET Service Projekt soll lang­fristig den gesamten Ener­gie­be­darf in der Logistik um 2,3 Milli­arden Liter Diesel und die CO2-E­mis­sionen um 6,5 Millionen Tonnen senken.