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Zwei hochdotierte ERC Grants für WU-Forscher

Zwei WU-Forscher waren bei der Vergabe von hochdotierten Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) erfolgreich: Stefan Giljum vom Department für Sozioökonomie erhielt die Zusage für einen Consolidator Grant, WU-Professor Wolfgang Lutz wurde ein Advanced Grant zugesprochen.

Das Forschungsprojekt von Stefan Giljum „FINEPRINT – Spatially explicit material footprints: finescale assessment of Europe’s global environmental and social impacts“ entwickelt eine neue Methode, um die ökologischen und sozialen Auswirkungen unseres Konsums von Rohstoffen zu analysieren.

Im Zeitalter der Globalisierung werden „supply chains“ zunehmend auf internationaler Ebene organisiert. Der Endverbrauch von Produkten erfolgt weit entfernt von den Orten des Materialabbaus und den daraus resultierenden sozialen und ökologischen Folgen. Das Projekt entwickelt eine neue Methode zur Berechnung detaillierter „Materialfußabdrücke“ des Konsums, welche ein räumlich-explizites, multiregionales Modell der weltweiten Rohstoffflüsse mit Daten zu den Folgen der Rohstoffgewinnung wie Wasserknappheit, Abholzung und Bergbaukonflikten verbindet. Das Projekt will nicht nur die Genauigkeit von Fußabdruckmodellen auf ein neues Niveau heben, sondern auch neue Möglichkeiten zur Bewertung der Nachhaltigkeit von spezifischen Rohstoffflüssen und „supply chains“ bieten.  


Ganzheitlicher Indikator für nachhaltige Entwicklung
 

Das Forschungsprojekt von Wolfgang Lutz, WU-Professor, Leiter der Abteilung für Demographie sowie des Forschungsinstituts für Human Capital and Development und Gründungsdirektor des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital - einer Forschungskooperation zwischen WU, dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) sowie dem Vienna Institute of Demography (VID) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - zielt darauf ab, einen Indikator für menschliches Wohlbefinden zu entwickeln, der Umwelt- und andere Veränderungen miteinbezieht: Der neue, ganzheitliche Indikator, genannt „Empowered Life Years“ (ELY), wird empirisch für fast alle Länder der Welt geschätzt und als mögliches Kriterium für eine nachhaltige Entwicklung erforscht. Der ELY-Indikator basiert auf der oft vergessenen Tatsache, dass „am Leben sein“ die fundamentale Voraussetzung ist, um überhaupt Lebensqualität zu erleben. Da das reine Überleben nicht viel über Lebensqualität aussagt, schlägt dieses Projekt vor, die Lebenserwartung mit Indikatoren wie Gesundheit, der Fähigkeit zu Lesen, Freiheit von Armut und Lebenszufriedenheit zu verknüpfen. Als Kriterium für eine nachhaltige Entwicklung sollte der neue Indikator im Laufe der Zeit nicht abnehmen, auch wenn Rückwirkungen aus sozioökonomischen und ökologischen Veränderungen, einschließlich des Klimawandels, in das Modell einfließen. Die Idee des Projekts ist es, einen umfassenden Indikator zu suchen, der alle zentralen Dimensionen widerspiegelt und eine direkte substantielle Bedeutung aufweist: Die Anzahl der Jahre, die eine Person am Leben ist und dazu in der Lage ist, ein gutes Leben zu genießen. Ein solcher Gesamtindikator könnte auch für die Prognose zukünftiger Trends genutzt werden. Um die komplexen sozioökonomischen und ökologischen Rückwirkungen besser zu verstehen, umfasst das Projekt auch Fallstudien zur Zukunft Nepals, Namibias, Südafrikas und Costa Ricas sowie eine historische Rekonstruktion der Entwicklung Finnlands, um die Interaktionen unter unterschiedlichen Bedingungen besser verstehen zu lernen.



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