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WU matters. WU talks. „Bildungsaufstieg ist in Österreich nur schwer möglich“

Gestern Abend diskutierten im Rahmen der Veranstaltungsreihe „WU matters. WU talks.“ WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger, Bildungsministerin Sonja Hammerschmid und Erfolgsautor Niki Glattauer unter Moderation von Biber-Chefredakteur Simon Kravagna an der WU über das österreichische Bildungssystem. Einig war man sich am Podium vor allem über eines: Ein Bildungsaufstieg ist in Österreich nach wie vor schwierig. Bei den Maßnahmen, bessere soziale Durchmischung zu fördern, sah man jedoch verschiedene Ansatzpunkte.

In Öster­reich prägt die soziale Herkunft nach wie vor die Bildungs­lauf­bahn. Bildungs­auf­stiege sind eine Selten­heit, laut einer IHS-­Studie erreicht nur jede/r Fünfte der 25- bis 34-Jäh­r­igen, die nicht mehr in Ausbil­dung sind, einen höheren Bildungs­ab­schluss als die Eltern. Um zukünftig Schü­lerInnen indi­vi­dua­li­sierter zu fördern und das gene­relle Bildungs­ni­veau erhöhen zu können, setzte Bildungs­mi­nis­terin Sonja Hammer­schmid mit Ganz­tags­schule und mehr Schul­au­to­nomie wesent­liche Schritte. Sie wolle Dinge umsetzen, die direkt in den Schulen ankommen. Das neue Auto­no­mie­paket soll Raum für ganz neue Mögl­ich­keiten der Pädagogik bringen und einen neuen Rahmen setzen. Aber auch müssen laut Hammer­schmid der orga­ni­sa­to­ri­sche und perso­nelle Rahmen muss geöffnet werden.

WU-Rek­torin Edel­traud Hanap­pi-Egger berich­tete von den Initia­tiven an der WU wie WU@School, WU4You und den Mento­rin­g-­Pro­grammen, die auf eine bessere soziale Durch­mi­schung abzielen. „Wir wollen keines­falls auf moti­vierte und talen­tierte Studie­rende mit hohem Poten­tial verzichten. Ich sehe es als gesell­schaft­liche Aufgabe von Univer­si­täten junge Menschen, die für ein Studium geeignet sind, sich das aber viel­leicht noch gar nicht überlegt haben, oder aber nicht leisten könnten, zu fördern. Auch der Übergang von der Schule zur Univer­sität muss für so genannten ‚First Gene­ra­tion Students‘ – also Personen, deren Eltern nicht studiert haben - erleich­tert werden“, so Hanap­pi-Egger.

Auch Niki Glattauer, Erfolgs­autor, Jour­na­list und Lehrer, bemän­gelte vor allem die fehlende soziale Durch­mi­schung an manchen Schul­stand­orten: „Im städ­ti­schen Raum gibt es Schulen, wo zwischen 90 und 100 Prozent der Schü­lerinnen und Schüler Migra­ti­ons­hin­ter­grund haben. Das ergibt zwangs­weise Probleme, denn diese bleiben immer im glei­chen sozialen Milieu, ihnen fehlt der Kontakt zu anderen Gruppen.“ Er pläd­ierte wie auch die Bildungs­mi­nis­terin für inte­gra­tive Campus-­Mo­delle, die Kinder­garten, Pflicht­schule mit verschie­denen Schwer­punkten und Gymna­sium an einem Standort vereinen und damit dazu beitragen, dass Kinder unter­schied­li­cher Herkunft mit- und vonein­ander lernen. In weiterer Folge erhöhe sich auch die Zahl jener Kinder, die bis zur Matura an diesem Schul­standort bleiben.



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