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Austrian University Female Founders Report – Gründen Frauen anders?

Gestern Abend präsentierte das WU Gründungszentrum mit Direktor Rudolf Dömötör gemeinsam mit dem Verein Female Founders unter der Leitung von Lisa Fassl, dem Wissenstransferzentrum Ost, der Universität Wien sowie der Universität für angewandte Kunst den ersten Austrian University Female Founders Report. Im Bericht werden erstmals die Hürden und Herausforderungen identifiziert, die bis heute viele Frauen am Schritt in das Unternehmertum hindern. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Gründerinnen sich eine stärkere Vernetzung innerhalb der weiblichen Gründerszene wünschen. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Gründung stellt für viele ein zentrales Thema dar und beeinflusst die Attraktivität der Karriereoption Gründung.

Wo sehen Frauen, die bereits erfolg­reich gegründet haben, die größten Hürden ihrer unter­neh­me­ri­schen Karriere? Welche Unter­stüt­zung wüns­chen sich jene, deren Unter­nehmen noch in der Planungs­phase stehen? Rund 200 Frauen, die entweder bereits ein Unter­nehmen gegründet haben oder planen, in naher Zukunft zu gründen, haben diese und weitere Fragen im Rahmen des Austrian Univer­sity Female Foun­ders Report beant­wortet. Gestern Abend präs­en­tierte Rudolf Dömötör, Direktor des WU Grün­dungs­zen­trums, gemeinsam mit dem Verein Female Foun­ders im WU Grün­dungs­zen­trum die Ergeb­nisse der Befra­gung. Nach einer inten­siven Diskus­si­ons­runde mit Regine Bendl, WU-Pro­fes­sorin und Leiterin des Insti­tuts für Gender und Diver­sität in Orga­ni­sa­tionen, Selma Proda­novic, Grün­derin von Brains­work und Inves­torin, Gabriele Tatz­berger, Wirt­schafts­agentur, Theresa Stei­ninger, Co-Founder und Geschäftsfüh­r­erin Wohn­wagon und Lisa Fassl, Co-Founder Female Foun­ders,  stellte Letz­tere das Visi­ons­pa­pier „Call to Action“ mit zahl­rei­chen Maßnahmen vor, die auf die Bedürf­nisse der Grün­de­rinnen reagieren sollen.  

Mehr Vernet­zung, mehr Verein­bar­keit von Familie und Beruf

Die Ergeb­nisse machen deut­lich, dass die Befragten vor allem in drei Berei­chen Unter­stüt­zung suchen. Sie wüns­chen sich die Vermitt­lung von Know-how hinsicht­lich betriebs­wirt­schaft­li­cher und recht­li­cher Grund­lagen, die Stär­kung von Soft Skills wie z.B. Verhand­lungs- und Präs­en­ta­ti­ons­technik sowie mehr Vernet­zung und gegen­sei­tige Unter­stüt­zung von Grün­de­rinnen. Darüber hinaus zeigen die im Rahmen der Studie iden­ti­fi­zierten wahr­ge­nom­menen Unter­schiede zwischen männ­li­chen und weib­li­chen Grün­de­rInnen, dass es weiterer Anstren­gungen von öffent­li­cher und privater Seite benö­tigt, um die Attrak­ti­vität der Karrie­re­option „eigene Grün­dung“ für Frauen zu erhöhen. Neben dem Wunsch nach stär­kerer Vernet­zung inner­halb der (weib­li­chen) Grün­dungszene stellt auch die Verein­bar­keit von Familie und Grün­dung ein wich­tiges Thema dar.  

Was Frauen unter­scheidet  

Der Report zeigt auch, dass die Mehr­heit der Grün­de­rinnen nicht als Star­t-up und damit nicht als tech­no­lo­gie- und wachs­tums­ori­en­tiertes Unter­nehmen mit skalier­barem Geschäftsm­o­dell gründen. Da gleich­zeitig seit Jahren ein Anstieg des Grün­de­rin­nen­an­teils zu beob­achten ist, scheint die unter­neh­me­ri­sche Selbst­stän­dig­keit für Frauen kein grund­sätz­lich unat­trak­tiver Karrie­reweg zu sein. Weshalb Grün­de­rinnen dennoch gerade in wachs­tums- und tech­no­lo­gie­ori­en­tierten Unter­nehmen unter­re­prä­s­en­tiert sind, liegt an unter­schied­li­chen Faktoren die zum Teil bereits in frühen Lebens­phasen zu finden und oftmals gesell­schaft­lich bedingt sind. Dass Female Entre­pre­neurship in diesem Sektor ein Schlüssel zum Erfolg ist, zeigt beispiels­weise die Port­fo­li­o­ana­lyse des US-ame­ri­ka­ni­schen Venture Capital Fonds First Round: Unter­nehmen mit mindes­tens einem weib­li­chen Grün­dungs­mit­glied waren signi­fi­kant (um 63 Prozent) erfolg­rei­cher als all-­male Grün­dungs­teams. Das Schlag­wort in diesem Zusam­men­hang und im Visi­ons­pa­pier der Female Foun­ders ist daher Diver­sität - die Kombi­na­tion weib­li­cher und männ­li­cher Grün­dungs­mit­glieder zur Bildung ausge­wo­gener, komple­men­tärer Teams.  

Call to Action  

Der Austrian Univer­sity Female Foun­ders Report leistet einen Beitrag zur Iden­ti­fi­ka­tion von Schlüs­sel­fak­toren für die Unter­stüt­zung von Frauen. Mit dem Visi­ons­pa­pier „Call to Action“ will der Verein Female Foun­ders, der aus einem univer­si­tätsüberg­rei­fenden Projekt entstanden ist, jetzt in die aktive Commu­nity und dabei vor allem in jene Ziel­gruppe wirken, die später von diesen Maßnahmen profi­tieren soll. In fünf Hand­lungs­fel­dern wurden Maßnahmen präs­en­tiert, die Grund­lage für die Erhöhung des Grün­de­rin­nen­an­teils sein sollen. Poten­tial zur Verbes­se­rung sehen Female Foun­ders vor allem in der Vernet­zung von beste­henden Ange­boten, erfolg­rei­chen Vorbil­dern aus der Grün­de­rin­nen­szene und dem mögl­ichst frühen Beginn von Unter­stüt­zungs­an­ge­boten. Das gesamte Star­t-up Ökosystem und die Politik sollen durch das Visi­ons­pa­pier moti­viert werden, ihre Akti­vität zu bündeln um mehr „Female Entre­pre­neurship“ zu ermög­l­i­chen.  

Den voll­stän­digen Bericht sowie das Visi­ons­pa­pier finden Sie hier.  

Fotos (c) Anna Konrath



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