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Work-Family-Balance? Wie Mutter und Tochter zusammenspielen

Kinder lernen von ihren Eltern, nicht nur in Bezug auf physi­sche und kogni­tive Fähig­keiten wie Bewe­gung und Sprache, auch fami­liäre Rollen­bilder prägen ihre Entwick­lung. Eine aktu­elle Studie der WU-For­scherin Maria Rita Testa hat erst­mals die Auswir­kungen des sozialen Status der Mutter auf den spät­eren Kinder­wunsch der Tochter und deren Bedürfnis nach Verein­bar­keit von Beruf und Familie unter­sucht. Dabei zeigte sich, dass sich Töchter von Müttern mit höherem Bildungs­ni­veau tenden­ziell mehr Kinder wüns­chen. Auch die Anzahl der Geschwister spielt eine Rolle.

Basis der Unter­su­chung waren die Daten aus dem inter­na­tio­nalen Programm „Gene­ra­tion and Gender Surveys“, in dem Frauen zwischen 18 und 45 Jahren aus unter­schied­li­chen Ländern die glei­chen Fragen zu Herkunft, Familie, Beruf und Zukunfts­pläne gestellt wurden. Für die Studie von WU-For­scherin Maria Rita Testa, die den Zusam­men­hang zwischen dem sozio­ö­ko­n­o­mi­schen Status der Mutter und der spät­eren Fami­li­en­pla­nung der Tochter unter­suchte, wurden im nächsten Schritt die Daten der Frauen aus Öster­reich, Italien, Bulga­rien und Norwegen zur Analyse ausge­wählt, um Stich­proben von Unter­su­chungs­teil­neh­me­rinnen aus unter­schied­li­chen sozialen, poli­ti­schen und kultu­rellen euro­päi­schen Kontexten ziehen zu können. Diese wurden in zwei Gruppen ausge­wertet: Gruppe 1 bildeten die (noch) kinder­losen Töchter, in Gruppe 2 waren jene Töchter, die bereits Kinder hatten. Die Ergeb­nisse überr­aschten.

Mehr Bildung, mehr Kinder

Die Daten zeigen deut­lich, dass bei den kinder­losen Töch­tern insbe­son­dere die Anzahl ihrer Geschwister den eigenen Kinder­wunsch positiv beein­flusst. Gleich­zeitig ist bei jenen befragten Töch­tern, die bereits selbst zur Eltern­schaft überg­e­treten sind, deut­lich zu erkennen, dass ein posi­tiver Zusam­men­hang zwischen der Zahl an Kindern, die sie sich noch wüns­chen, und dem Bildungs­ni­veau der eigenen Mutter besteht. „Die Erklä­rungen für die Korre­la­tion können viel­seitig sein“, so Maria Rita Testa, „beispiels­weise, dass Mütter von höherem sozio­ö­ko­n­o­mi­schem Status ihre Töchter stärker in ihrem Kinder­wunsch und in der Kinder­be­treuung bestärken und unter­stützen. Auch der finan­zi­elle Aspekt könnte dabei eine Rolle spielen, wenn Töchter von höher gebil­deten Müttern auch selbst mehr finan­zi­elle Ressourcen zur Verfü­gung haben. Die Ergeb­nisse veran­schau­li­chen aber deut­lich, dass besser gebil­dete Mütter ihren Töch­tern nicht auto­ma­tisch die Rolle einer ausschließ­lich berufs­ori­en­tierten Frau vermit­teln, die sich gegen Familie entscheidet. Im Gegen­teil: Sozial besser gestellte Mütter bestärken – obgleich direkt oder indi­rekt - ihre Töchter eher in ihrer Doppel­rolle als berufs­tä­tige Mutter.“

Zur Person

Maria Rita Testa ist seit 2015 Privat­do­zentin mit venia docendi in Demo­gra­phie und Sozial Statistik am Institut für Sozi­al­po­litik der WU sowie Wissen­schaft­lerin am Witt­gen­stein Centre for Demo­graphy and Global Human Capital (WU, IIASA, VID/ÖAW). In ihrer Forschung widmet sich die gebür­tige Italie­nerin den Berei­chen Fami­li­en­de­mo­gra­phie, Ferti­lität und repro­duk­tive Entschei­dungs­pro­zesse, Migra­tion und Ferti­lität, Reli­gion und Ferti­lität, Multi­le­vel-­Mo­delle, Panel­da­ten-Ana­lysen sowie Klima­wandel.

Pres­se­kon­takt:
Mag. Anna Maria Schwen­dinger
PR-Re­fe­rentin
Tel: + 43-1-31336-5478
E-Mail: anna.schwen­din­ger@wu.ac.at

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