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Universitäten um 1938: Sammelband untersucht „Säuberungen“

2018 jährt sich der „Anschluss Öster­reichs“ an das Deut­sche Reich zum 80. Mal. Für die dama­lige Hoch­schule für Welt­handel brachte die Macht­über­n­ahme der Natio­nal­so­zia­listen tief­grei­fende Verän­d­e­rungen mit sich. Reichs­deut­sche Gesetze und Bestim­mungen traten in Kraft und trafen Höre­rinnen und Hörer jüdi­schen Glau­bens mit voller Härte. Mit dem Gedenk­jahr 1938/2018 erin­nert die WU in verschie­denen Veran­stal­tungen an die Gescheh­nisse der dama­ligen Zeit. Den Auftakt zur Veran­stal­tungs­reihe bildet die Buch­prä­s­en­ta­tion über die „‘Säube­rungen‘ an öster­rei­chi­schen Hoch­schulen 1934–1945. Voraus­set­zungen, Prozesse, Folgen“, die am 02. Oktober statt­findet.

Die WU wird 2018 mit einer Reihe an unter­schied­li­chen Veran­stal­tungen von Diskus­sionen über Ausstel­lungen bis hin zu Konzerten an die Auswir­kungen durch den „Anschluss Öster­reichs“ im Jahr 1938 auf die Hoch­schule für Welt­handel gedenken. „Die WU setzt sich schon seit geraumer Zeit kritisch mit der Aufar­bei­tung ihrer Geschichte ausein­ander. Es ist für uns daher selbst­ver­ständ­lich, unsere bishe­rigen Erkennt­nisse und Ergeb­nisse der inter­es­sierten Öffent­lich­keit zu präs­en­tieren und damit darüber zu infor­mieren, welche Auswir­kungen die Zeit des Natio­nal­so­zia­lismus auch auf die Univer­sität hatte“, erklärt WU-Rek­torin Edel­traud Hanap­pi-Egger. Die Präs­en­ta­tion des Werks „‘Säube­rungen‘ an öster­rei­chi­schen Hoch­schulen 1934–1945. Voraus­set­zungen, Prozesse, Folgen“ durch den Heraus­geber Johannes Koll, Mitar­beiter am WU-In­stitut für Wirt­schafts­ge­schichte und Leiter des Univer­si­täts­ar­chivs der WU, läutet den Beginn der Veran­stal­tungs­reihe ein. Das Werk ist aus dem Gedenk­pro­jekt der WU hervor­ge­gangen. Dieses star­tete 2012 und beschäf­tigte sich mit der Vertrei­bung jüdi­scher Studie­render zur Zeit des „Anschlusses Öster­reichs“. Die mehr­fa­chen Regime­wechsel - von Austro­fa­schismus über Natio­nal­so­zia­lismus bis Entna­zi­fi­zie­rung ab 1945 - der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts hatten auch auf die Hoch­schulen in Öster­reich gravie­rende Auswir­kungen. „Säube­rungen“ beim Personal und unter den Studie­renden sollten jeweils zu einer regime­kon­formen Neuaus­rich­tung des Hoch­schul­we­sens beitragen. Unter welchen Voraus­set­zungen und Rahmen­be­din­gungen, auf welche Weise und mit welchen Folgen der poli­tisch gewollte Eingriff in die Zusam­men­set­zung von Lehr­körper und Hörer­schaft vor sich ging, wird im Sammel­band einge­hend unter­sucht. Die Entwick­lungen an der dama­ligen Hoch­schule für Welt­handel werden ebenso darge­stellt wie an etli­chen weiteren Hoch­schulen von Wien bis Inns­bruck. Das Buch enthält außerdem ein Inter­view mit einem hoch­be­tagten ehema­ligen jüdi­schen Studie­renden der „Welt­handel“.

Aufar­bei­tung der WU-Ge­schichte

Das 2012 gestar­tete Gedenk­pro­jekt führte unter anderem auch dazu, dass an zentraler Stelle am Campus der WU ein Mahnmal zum Gedenken an die ab März 1938 ausge­grenzten, vertrie­benen oder ermor­deten Ange­hö­rigen der Hoch­schule für Welt­handel errichtet wurde. Bei diesem bilden die Namen der Vertrie­benen, die mittels Forschungs­pro­jekt iden­ti­fi­ziert wurden, die Form einer Kugel. Das Objekt ist so konzi­piert, dass weitere Namen ergänzt werden können. Bereits 2010 begann das NS-Pro­ve­ni­en­z­for­schungs­pro­jekt der Biblio­thek, das 1.121 poten­tiell bedenk­li­chen Erwer­bungen iden­ti­fi­zierte und bereits zu drei umfas­senden Rück­gaben an Erben führte. Eine weitere Rück­gabe findet am 04. Oktober anläss­lich der Ausstel­lungs­er­öff­nung „Die Biblio­thek Leopold Singer“ im Tech­ni­schen Museum Wien statt.

„Säube­rungen“ an öster­rei­chi­schen Hoch­schulen
Wann: 02. Oktober, 18 Uhr
Wo: Foyer Gebäude EA, Welt­han­dels­platz 1, 1020 Wien

Pres­se­kon­takt:
Mag. Cornelia Moll
Pres­se­spre­cherin
01/31336-4977
cornelia.moll@wu.ac.at

Buchpräsentation Sammelband Säuberungen an Hochschulen als PDF
Buchpräsentation Sammelband Säuberungen an Hochschulen als PDF


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