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Klimawandel & Klimapolitik: Besonders Pensionsfonds betroffen

Von Versi­che­rungen bis Banken – viele Anle­ge­rInnen verzeichnen in ihren Port­fo­lios auch Wert­pa­piere im Bereich des fossilen Brenn­stoff- und Versor­gungs­sek­tors. Klima­wandel und die damit einher­ge­henden klima­po­li­ti­schen Szena­rien können den Inves­to­rInnen aller­dings einen Strich durch die Rech­nung machen und das Risiko für Anle­ge­rInnen erhöhen. WU-Wis­sen­schaft­lerin Irene Monas­te­rolo vom Insti­tute for Ecolo­gical Econo­mics entwi­ckelte daher gemeinsam mit inter­na­tio­nalen Kolle­gInnen einen „Klima­st­ress­test“, mit dessen Hilfe die Klima­ri­siken auf Anla­ge­port­fo­lios bewertet werden können. Dabei zeigt sich: Insbe­son­dere Pensi­ons­fonds können von klima­po­li­ti­schen Maßnahmen maßg­eblich beein­träch­tigt werden, Banken hingegen haben weniger zu befürchten.

Der Klima­wandel könnte die Risiken für zahl­reiche Inves­to­rInnen am Finanz­markt durch die damit einher­ge­hende Klima­po­litik negativ beein­flussen. Betroffen sind davon – unab­hängig ob positiv oder negativ – beispiels­weise Anle­ge­rInnen, die ihre Port­fo­lios auf fossile Brenn­stoffe konzen­trieren. WU-Wis­sen­schaft­lerin Irene Monas­te­rolo widmete sich in ihrer aktu­ellen Studie, veröf­fent­licht im Journal Nature Climate Change,  gemeinsam mit inter­na­tio­nalen Forsche­rInnen der Frage, für wen und wie stark die Inves­ti­ti­ons­ri­siken durch klima­po­li­ti­sche Maßnahmen schwanken und entwi­ckelten einen neuar­tigen Stress­test. Dieser ermög­l­icht, neuen Indi­ka­toren bei der Risi­ko­be­ur­tei­lung von Anla­ge­port­fo­lios mitein­zu­be­ziehen und die Risiken von Klima­wandel und Klima­po­litik sowohl für die direkte als auch für die indi­rekte Expo­si­tion bestimmter Anle­ge­rInnen im Finanz­system zu berück­sich­tigen. In ihren Unter­su­chungen, die Daten von 14.878 euro­päi­schen und US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­nehmen und 65.059 Share­hol­dern analy­sierte, zeigte sich, dass zwar nur geringe Anteile der Port­fo­lios direkt in den fossilen Brenn­stoff­sektor reichen, aller­dings zwischen 36 und 48 Prozent der Gesamt­in­ves­ti­tionen indi­rekt mit diesem Sektor in Verbin­dung stehen und demnach von klima­po­li­ti­schen Maßnahmen massiv beein­träch­tigt sind.

Kleine direkte, aber mögl­i­cher­weise große kombi­nierte Effekte

Auch Euro­päi­schen Finanz­in­sti­tu­tionen inves­tieren direkt in den fossilen Brenn­stoff­sektor, bei Banken betragen diese 1,3 Prozent ihres Anla­ge­port­fo­lios, bei Pensi­ons­fonds 5 Prozent, bei Versi­che­rungen rund 4,4 Prozent des Anla­ge­ver­mö­gens. Insge­samt zeigte sich in den Unter­su­chungen von Monas­te­rolo und ihren Kolle­gInnen, dass die Risiken der Finanz­markt­ak­teu­rInnen direkt im fossilen Sektor begrenzt sind, sie liegen zwischen 4 bis 13 Prozent. Aller­dings gibt es auch viele Inves­ti­ti­ons­sek­toren, die indi­rekt von klima­po­li­ti­schen Maßnahmen betroffen sind, beispiels­weise die öffent­liche Versor­gungs­in­fra­struktur, der Trans­port­sektor, Immo­bi­lien oder auch ener­gie­in­ten­sive Wirt­schafts­be­reiche. Inves­tieren Anle­ge­rInnen in diesen Bereich, kann sich auch für sie durch klima­po­li­ti­sche Maßnahmen das Inves­ti­ti­ons­ri­siko verän­dern. Um diese indi­rekt betrof­fenen Sektoren in der Risi­ko­be­wer­tung für Inves­to­rInnen berück­sich­tigen zu können, schafften die Wissen­schaft­le­rInnen in ihrem Klima­st­ress­test eine neue Klas­si­fi­ka­tion, die diese kombi­nierten Port­fo­lios, beste­hend aus den indi­rek­t-­be­trof­fenen Sektoren, zusam­men­fasst. Dabei wurde deut­lich, wie stark die Risiken zahl­reiche Finanz­in­sti­tu­tion durch ihre Inves­ti­tionen in diesen Sektoren von der Klima­po­litik beein­flusst sind. Rund 45 Prozent der Port­fo­lios von Versi­che­rungen und Pensi­ons­kassen, aber auch 47,7 Prozent der staat­li­chen Anla­ge­port­fo­lios sind davon betroffen. Dies hat auch zum Kollaps zahl­rei­cher Finanz­in­sti­tu­tionen während der Wirt­schafts­krise 2007-2009 beige­tragen.

Beson­ders Pensi­ons­fonds betroffen

„Vor allem die Top-Banken der EU müssen sich bei ihren Port­fo­lios im fossilen Brenn­stoff- und Versor­gungs­sektor eher wenig Sorgen machen, von klima­po­li­ti­schen Maßnahmen beein­träch­tigt zu sein. Ihre poten­zi­elle Verlust­höhe liegt zwischen 1 und maximal 7 Prozent des Kapi­tals für alle Banken“, erklärt WU-Wis­sen­schaft­lerin Irene Monas­te­rolo, „Beson­ders achtsam sollten Banken hingegen bei jenen klima­po­li­ti­schen Maßnahmen sein, die den Wert von Immo­bi­lien und somit auch die Kredit­ver­gabe für Haus­halte beein­flussen.“ Deut­lich größer zeichnen sich jedoch die Auswir­kungen auf Inves­ti­tionen abseits der fossilen Brenn­stoff­ver­sor­gung ab, die indi­rekt von klima­po­li­ti­schen Maßnahmen betroffen sind. Die Risiken der kombi­nierten Akti­en­port­fo­lios dieser Finanz­markt­ak­teu­rinnen und -akteure erweisen sich als groß, sie liegen zwischen 45 bis 47 Prozent. Entschei­dend sind auch die Verflech­tungen mit anderen Finanz­markt­teil­neh­me­rInnen, die das Risiko verstärken können. Speziell Pensi­ons­kassen und Versi­che­rungen sind durch ihre Betei­li­gungen an Invest­ment­fonds indi­rekten Effekten ausge­setzt. Genauere Risi­ko­be­wer­tung durch detail­lier­tere Offen­le­gung Gerade für die aktu­ellen klima­po­li­ti­schen Diskus­sionen über Richt­li­nien des Finan­cial Stabi­lity Board Task Force der G20-­Staaten lässt sich aus dem Klima­st­ress­test insbe­son­dere die hohe Notwen­dig­keit der Offen­le­gung klima­re­le­vanter Finanz­in­for­ma­tionen ableiten. „Die früh­zei­tige Offen­le­gung der rele­vanten Infor­ma­tionen ermög­l­icht es, Risi­ko­be­wer­tungen zu verbes­sern und Anreize für Inves­to­rInnen gezielter zu setzen“, so WU-Wis­sen­schaft­lerin Irene Monas­te­rolo, „eine recht­zei­tige und stabile Klima­po­litik würde zudem eine sanf­tere Anpas­sung der Vermö­gens­w­erte ermög­l­i­chen. Außerdem können damit auch die Gewin­ne­rInnen und Verlie­re­rInnen des Überg­angs zu einer kohlen­stoff­armen Wirt­schaft iden­ti­fi­ziert werden.“

Über die Studie

Die Analyse basiert auf Mikro­le­vel-Daten von den Betei­li­gungen der Finanz­markt­ak­teuren an sämt­li­chen in der EU und in den USA börsen­no­tierten Unter­nehmen, auf den Daten der Balance Sheets der 50 best­do­tierten euro­päi­schen Banken sowie auf Finanz­ri­siken des gesamten Sektors. Somit konnten die Daten von insge­samt 14.878 euro­päi­schen und US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­nehmen und 65.059 Share­hol­dern heran­ge­zogen werden.

Zur voll­stän­digen Studie  

Kontakt

Irene Monas­te­rolo
PhD Insti­tute of Ecolo­gical Econo­mics
Wirt­schafts­uni­ver­sität Wien
Tel: +43 -(0)660-2341821
Email: irene.monas­te­ro­lo@wu.ac.at

Pres­se­kon­takt
Mag. Anna Maria Schwen­dinger
PR-Re­fe­rentin
Tel: + 43-1-31336-5478
E-Mail: anna.schwen­din­ger@wu.ac.at

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