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Internationaler Frauentag: die erste Promovendin der WU

Der Inter­na­tio­nale Frau­entag war in den vergan­genen Jahren immer wieder Anlass, Nach­for­schungen zu Pionie­rinnen im Wirt­schafts­stu­dium zu betreiben. Damit sollen die Leis­tungen und Biogra­fien jener Frauen sichtbar gemacht werden, die lange Zeit unbe­achtet blieben. Heuer wird Hermine Goll vorge­stellt. Sie war 1932 die erste Frau, die an der Hoch­schule für Welt­handel promo­vierte.

Hermine Goll ist 1932 eine von sechs Personen, die erst­malig ein Doktorat an der Hoch­schule für Welt­handel, die seit 1930 das Promo­ti­ons­recht inne hatte, abschließen[1] [2]. Infor­ma­tionen über Hermine Goll ausfindig zu machen, erwies sich als schwierig. In einer Publi­ka­tion über Frauen an der Hoch­schule für Welt­handel wird sie als erste promo­vierte Frau an der Vorläufer­or­ga­ni­sa­tion der WU genannt, aller­dings mit dem falschen Namen Hermine Groll. Nach­for­schungen unter diesem Namen blieben deswegen vorerst ergeb­nislos. Erst eine Fest­schrift aus dem Jahr 1932 führte zum korrekten Namen und zur bis dahin vergeb­lich gesuchten Kartei­karte. Ausgangs­punkt für Recher­chen über die Geschichte der WU und zu ihren dama­ligen Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­bei­tern sowie Studie­renden ist das Univer­si­täts­ar­chiv der WU, in dem u.a. auch alte Kartei­karten, Origi­nal­fest­schriften und Promo­ti­ons­un­ter­lagen gesam­melt sind. Neben der Siche­rung, Verzeich­nung und Bereit­stel­lung von Archiv­ma­te­rial betreibt das Archiv Forschungen zur Univer­si­täts­ge­schichte. Dazu zählen beispiels­weise das Prove­ni­en­z­for­schungs­pro­jekt und das Gedenk­pro­jekt.


[1] Die Namen dieser Pioniere und einer Pionierin sind dank einer Fest­schrift erhalten: Hofrat Prorektor Dr. Josef Gruntzel:  Bericht des Prorek­tors über das Studi­en­jahr 1931/32. In: Hoch­schule für Welt­handel (1933): Die feier­liche Inau­gu­ra­tion des Rektors der Hoch­schule für Welt­handel für das Studi­en­jahr 1932/1933, S. 9.

[2] „Manche Ordi­na­rien wie (…) der Doyen der Volks­wirt­schafts­lehre an der Hoch­schule für Welt­handel, Josef Gruntzel, traten mutig gegen die anti­se­mi­ti­schen Krawall­ma­cher von der Deut­schen Studen­ten­schaft auf und versuchten gele­gent­lich sogar, bedrohte jüdi­sche Hörer zu schützen.“ Berger, Peter: Die Wiener Hoch­schule für Welt­handel und ihre Profes­soren 1938 – 1945. In: Koll, Johannes (2017): Säube­rungen an Öster­rei­chi­schen Hoch­schulen 1934 – 1945: Voraus­set­zungen, Prozesse, Folgen, S. 166 – 167.

Über Hermine Goll

Hermine Goll wurde am 18.12.1905 in Brod, Jugo­sla­wien, geboren, ihre Eltern­sprache war Deutsch. Nach dem Besuch eines huma­nis­ti­schen Gymna­siums in Maribor, war sie ab 1927/28 an der dama­ligen Hoch­schule für Welt­handel inskri­biert. Ihre Disser­ta­tion verfasste sie über „Das jugo­sla­wi­sche Küsten­land als Wirt­schafts­raum“, am 15.7.1932 promo­vierte sie. Nach ihrer Promo­tion grün­dete Hermine Goll 1932 oder 1933 gemeinsam mit ihrem Bruder Gustav Goll in Maribor die Ölraf­fi­nerie Moto­roil, die sie als Mitin­ha­berin leitete. 1933 heira­tete sie den Arzt Milko Bedjanič. Danach war sie weiterhin, bis zur deut­schen Beset­zung Jugo­sla­wiens im April 1941 für die Leitung der Raffi­nerie mitver­ant­wort­lich. Dann zog sie sich aus poli­ti­schen Gründen ins Privat­leben zurück und war auch nach dem Krieg nicht mehr beruf­lich tätig. Trotzdem wurde sie zur Beschlag­nahme sämt­li­chen Besitzes verur­teilt. Hermine Bedjanič, geb. Goll, starb 1996 in Maribor.

Blog­ar­tikel über Hermine Goll 

Pres­se­kon­takt:
Mag. Cornelia Moll
Pres­se­spre­cherin
Tel: + 43-1-31336-4977
E-Mail: cornelia.moll@wu.ac.at 

Hermine Goll (c)Peter Bedjanic
Hermine Goll (c)Peter Bedjanic


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