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Renate Meyer

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Renate Meyer

Forscherin des Monats Oktober

Share­holder Value, CSR, Diver­sity – Was kommt, was geht, was bleibt

Begriffe wie Share­holder Value, CSR oder Sustaina­bi­lity sind Labels für Ideen dazu, wie Orga­ni­sa­tionen gestaltet, geführt und gesteuert werden sollen. Derar­tige Konzepte des Manage­ments exis­tieren oft neben­ein­ander und folgen bestimmten Zyklen. Nicht jede Manage­men­t­idee kann zu jedem Zeit­punkt und an jedem belie­bigen Ort ‚funk­tio­nieren‘. WU-Pro­fes­sorin Renate Meyer widmet sich in ihren Studien der Frage, welche Manage­ment­kon­zepte häufig mitein­ander auftreten, sich gegen­seitig verstärken und welche unter­schied­li­chen Vorstel­lungen sich oftmals hinter der glei­chen Bezeich­nung verbergen. Dabei zeigt sich, dass es sich nicht lohnt, jedem Manage­ment­trend zu folgen - in vielen Fällen sind alte Konzepte nur neu verpackt.

Am Institut für Orga­niza­tion Studies am Depart­ment für Manage­ment der WU widmet sich Renate Meyer in ihren Studien intensiv der Frage, wie neue Manage­men­t­ideen entstehen, was man darunter in den verschie­denen Kontexten versteht, für welche Orga­ni­sa­tionen und orga­ni­sa­tio­nalen Formen sie attraktiv sind und wie sie sich verän­dern oder auch verschwinden. In einer aktu­ellen Studie, die sich öffent­li­chen Orga­ni­sa­tionen widmet und für Prak­ti­ke­rInnen rele­vante Zeit­schriften unter­sucht, findet die WU-Pro­fes­sorin mittels seman­ti­scher Netz­werkana­lyse vier Cluster bzw. „Bündel“ an Konzepten, die häufig mitein­ander auftreten: Je eines zu Perfor­mance Manage­ment, Quali­täts­ma­nage­ment, e-go­vern­ment und Diver­si­täts­ma­nage­ment. „Ob sich bestimmte Ideen des Manage­ments durch­setzen, hängt nicht nur davon ab, wie gut sie Manage­ment­pro­bleme lösen, sondern auch davon, wie gut sie zum beste­henden ‚Port­folio‘ an Konzepten passen und ob sie gesell­schaft­lich akzep­tabel sind.“

Umset­zung oder doch nur Lippen­be­kenntnis?

Nicht nur das gemein­same Auftreten, sondern auch die Frage, wie diese Konzepte verschie­denen Stake­hol­dern vermit­telt werden, inter­es­siert die Forscherin. Dieser Blick ins Detail verrät mehr: Alle Manage­ment­kon­zepte werden als neu, inno­vativ, notwendig, umfas­send, „ChefIn­nen­sache“ etc. ange­priesen. Span­nend wird es dann, wenn die Cluster einge­hend mitein­ander vergli­chen werden. Hier wird deut­lich, welche Manage­men­t­ideen umfas­send beschrieben und vertieft werden – im Gegen­satz zu jenen, die eher eindi­men­sional darge­stellt werden. Die Attrak­ti­vität des Bündels beste­hend aus e-go­vern­ment, open govern­ment und open data beispiels­weise wird nicht nur sehr intensiv, sondern auch sehr facet­ten­reich erläu­tert – hier geht es neben dem zu erwar­tenden Fach­jargon auch um Werte wie Demo­kratie, Parti­zi­pa­tion, Trans­pa­renz usw., die durch diese Konzepte geför­dert würden. Demge­gen­über wird das Diver­si­täts­bündel deut­lich restrik­tiver darge­stellt und neben der offen­sicht­li­chen Chan­cen­gleich­heit häufig mit gesetz­li­cher Verpflich­tung und drohenden Sank­tionen verbunden. „Natür­lich kann man aus einer Netz­werkana­lyse nicht auf die tatsäch­l­iche Imple­men­tie­rung in Orga­ni­sa­tionen schließen, aber es zeigt wohl die Begeis­te­rung, mit der manche der Ideen und Konzepte aufge­nommen werden - oder auch nicht“, erklärt Meyer.

Besser Weit­blick als ‚Trendhop­ping‘

Auch Manage­men­t­ideen und -kon­zepte folgen Lebens­zy­klen – das Wissen über sie und ihre prak­ti­sche Rele­vanz haben unter­schied­liche Halb­werts­zeiten. „Wie bei anderen Moden lassen sich manche besser kombi­nieren als andere und was dazu passt, hängt davon ab, was man schon hat. Mit unseren Ergeb­nissen lassen sich Trends besser einordnen. Wir wissen, welche Manage­ment­kon­zepte gut mitein­ander kombi­nierbar sind, welche einander in ihren Impli­ka­tionen wider­spre­chen bzw. welche Konzepte von verschie­denen Stake­hol­der­gruppen erwartet werden“, erklärt die WU-Pro­fes­sorin. Gene­rell macht die Verfloch­ten­heit der Konzepte deut­lich, dass es für radikal neue Ideen des Wirt­schaf­tens und Orga­ni­sie­rens schwierig ist, sich in diesem komplexen Netz­werk erfolg­reich zu posi­tio­nieren. Man kann dies z.B. bei nich­t-hier­ar­chi­schen Orga­ni­sa­ti­ons­formen oder bei Geschäftsm­o­dellen, die auf nich­t-­mo­ne­tären Tausch­be­zie­hungen basieren, beob­achten. Die Ergeb­nisse zeigen außerdem, dass es im Manage­ment wichtig ist, nicht jedem neuen Trend zu folgen, sondern einzelne Ideen und Konzepte in einem länger­fris­tigen Gesamt­bild zu betrachten. Somit wird eine reflek­tierte Entschei­dung über die (Nicht-)Imple­men­tie­rung in das eigene System der Orga­ni­sa­ti­ons­füh­rung möglich.