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Arbeitswährung

Thomas Wagner (1904-1993)

Innerhalb der Freiwirtschaftsszene spielte auch die Idee der Arbeitswährung eine Rolle. Entscheidende Anregungen dazu hatte bereits im 19. Jahrhundert der Frühsozialist Robert Owen geliefert. Nachdem Owen die Arbeit als zentralen Produktionsfaktor einschätzte, lehnte er das goldgedeckte Geld ab und entwickelte den Vorschlag einer auf das vorhandene Produktionspotenzial bezogenen Arbeitswährung. Gesellschaftspolitisch ging es Owen um eine Stärkung der Kaufkraft. Dazu sei es erforderlich, dass die arbeitenden Menschen den vollen Ertrag ihrer geleisteten Arbeit erhalten (d. h. ohne Abzug von Zins oder Profit).
(Bildquelle: Thomas Wagner, Arbeitswährung. Ende der Lohn- und Preisspirale, Wien 1970)

Mit Thomas Wagner (1904-1993) trat ein sozialistischer Funktionär auf, der den Gedanken der Arbeitswährung aufgriff und ihn mittels Verknüpfung mit den Ansätzen Silvio Gesells und Heinrich Färbers weiterzuentwickeln versuchte. Wagner stammte aus dem Burgenland, nach seiner schulischen Ausbildung in den Landesdienst eingetreten, schloss er sich Anfang der 1930er Jahre der Sozialdemokratie an. Während der Kriegszeit zur deutschen Wehrmacht eingezogen, übernahm er nach seiner Rückkehr 1946 die Leitung des Baubezirksamtes in Oberwart, wo er in der Folge auch als Vizebürgermeister wirkte. Die SPÖ vertrat er zudem ab 1960 im burgenländischen Landtag und zwischen 1965 und 1970 im Bundesrat in Wien (wo er zeitweise den Vorsitz führte). Wagner war bereits im krisengeschüttelten Österreich 1933 mit seiner Schrift „Leistungswährung mit Schwundgeld“ hervorgetreten. 1937 ließ er unter dem Titel „Harmonie der Wirtschaft“ eine erweiterte und verbesserte Version folgen. Während der Wiederaufbauzeit, 1952, veröffentlichte er eine weitere Auflage von „Harmonie der Wirtschaft“, um 1963 nach einer weiteren Umarbeitung das Buch „Arbeitswährung. Ende der Lohn- und Preisspirale“ vorzulegen. Auch hier folgten mehrere Auflagen: 1969, 1970, 1974 erschien zusätzlich noch ein Anhang. Das von Wagner entwickelte Konzept lief nun darauf hinaus, den messbaren Energieaufwand im Produktionsprozess bzw. die kinetische Arbeit zur Deckungsgrundlage des umlaufenden Geldes zu machen. Konkret ging es darum, „die Einheit der Währung in Einheiten der menschlichen Arbeit festzulegen, wie mkg (= Meterkilogramm), Kalorie oder Watt“. Der Gerechtigkeitsgehalt der „Arbeitswährung“ sollte sich nach Wagner vor allem daraus ergeben, dass ein „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ erwirkt wird. Daneben plädierte er aber auch für einen Negativzins, um leistungslose Bezüge aus der Verfügung über Geldkapital zu verhindern. Allerdings musste Wagner zur Kenntnis nehmen, dass die Zeit für radikale Ideen noch nicht reif war. Dass der „Arbeitswährung“, wie er sie vorgeschlagen hatte, noch Mängel innewohnten, war ihm durchaus klar. Allerdings sah er sich durch aktuelle Diskussionen, wie sie der Club of Rome 1972 mit den „Grenzen des Wachstums“ ausgelöst hatte, eher bestätigt als widerlegt. Thomas Wagner warnend: „In der Natur ist das Wachstum … nur solange progressiv, bis sich der Raum optimal mit Leben füllt. Es ist dies die Voraussetzung dafür, dass sich das Leben nach den gegebenen Möglichkeiten schnell ausbreitet. Ist dieses Ziel in der Natur erreicht, dann verlangsamt sich das Wachstum und hört schließlich auf. Es stellt sich dann durch das Werden und Vergehen ein neuer dynamischer Gleichgewichtszustand ein. … Nur beim verzinsten Geld hört das Wachstum theoretisch nie auf …“

Literatur:
  • Thomas Wagner, Biografie, www.parlament.gv.at/WWER/PAD_01397/index.shtml [8. März 2018].

  • Thomas Wagner (1937): Die Harmonie der Wirtschaft als Fundament des menschlichen Glücks, Neusiedl a. S.

  • Thomas Wagner (1970): Arbeitswährung. Ende der Lohn- und Preisspirale, mit Anhang von 1974, Wien.