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Alois Dorfner

Alois Dorfner (1894-1982)

Als einer der unermüdlichen Propagandisten der Freiwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg trat Alois Dorfner auf. Der aktive Gewerkschafter und langdienende Funktionär der Sozialdemokratie war in der Zeit der Weltwirtschaftskrise mit der Lehre Silvio Gesells in Berührung gekommen. In „Der Weg zur Freiheit“ (Linz 1951) und anderen Schriften vertrat er während der Wiederaufbauzeit und auch in der Phase des sogenannten Wirtschaftswunders der 1960er Jahre die Überzeugung: Der Kapitalismus ist nicht krisenfrei geworden …
(Bildquelle: Titelblatt, Broschüre)

Alois Dorfner erblickte als zweitjüngster Nachkomme einer kinderreichen Familie nahe der Stadt Wels das Licht der Welt. Die Eltern bewirtschafteten einen landwirtschaftlichen Kleinstbetrieb, dessen Ertrag beständig mit Tagelöhnerarbeiten aufbessert werden musste, um so das Familieneinkommen für das Nötigste sicherzustellen. Kinderarbeit war in Österreich noch weit verbreitet, sodass der junge Dorfner seinen ersten Dienst in einer Bauernwirtschaft bereits als 13-jähriger antreten musste. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wurde er zur k. u. k. Armee einberufen. Als einfacher Soldat diente er im Bereich der Festungsartillerie an der Italien-Front. Noch bevor er 1917 mit schwerem Typhus ins Lazarett eingeliefert werden musste, hatte sich in ihm schon eine Abneigung gegen alles Militärische entwickelt. In der Zeit seiner Genesung frönte er ausgiebig der Lektüre sozialistischer Blätter und wurde so innerhalb kurzer Zeit politisiert, sodass er sich 1919 der Sozialdemokratie anschloss. Nach dem Krieg war Dorfner zunächst als Hilfsarbeiter beschäftigt, bis er 1920 die Gelegenheit erhielt, als Bediensteter bei den Bundesbahnen Österreich (BBÖ) einzutreten. Neben seiner Berufstätigkeit absolvierte er die Parteischule, wo er durch Josef Gruber (den späteren Bürgermeister von Linz) in die Grundbegrifflichkeiten der Volkswirtschaftslehre eingeführt wurde. Im Anschluss daran intensivierte Dorfner sein Engagement, indem er den örtlichen Sektionsvorsitz der Partei übernahm und zum Obmann des Ausschusses der Vertrauensleute am Bahnhof Linz aufstieg. Was der Pazifist an der Sozialdemokratie jedoch ablehnte, war ihre militärische Formation, der sogenannte Schutzbund. Überzeugt davon, dass jede Auseinandersetzung mit Waffengewalt nur mit dem Untergang der Arbeiterbewegung enden könne, warnte er vor jeder Eskalation. Nach dem gescheiterten Aufstand 1934 wurde Dorfner als sozialdemokratischer Funktionär verhaftet und landete für mehrere Wochen im Arrest. Mit Minimalbezügen zwangspensioniert, verlor er auch seine Anstellung bei der Bundesbahn. Um seine Familie und sich über Wasser zu halten, war er nun zu Gelegenheitsarbeiten gezwungen. Im Laufe der 1930er Jahre erfolgte eine weitere Festnahme wegen illegaler gewerkschaftlicher Tätigkeit. In diese Zeitspanne fällt auch seine Beschäftigung mit der Freiwirtschaftslehre, wobei er feststellte, dass sich seine anfängliche Skepsis mit zunehmender Auseinandersetzung legte. Das austrofaschistische Regime versuchte in den letzten Tagen seines Bestehens eine Annäherung an die sozialistische Arbeiterschaft, sodass Dorfner im Jänner 1938 überraschend wieder in seinem ursprünglichen Tätigkeitsbereich Aufnahme fand. Die Jahre der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges überdauerte er im Eisenbahndienst; für den Kriegseinsatz wurde er nicht mehr als tauglich befunden. Einen Beitritt zur NSDAP lehnte er jedoch ebenso ab wie zuvor schon eine Zugehörigkeit zu den Organisationen des Austrofaschismus. 1945 erfolgten die volle dienstrechtliche Rehabilitierung Dorfners und seine Aufnahme in das mittlere Beamtentum. Auch wurde er wieder innerhalb der Sozialdemokratie aktiv. Sein Bemühen, seine Herkunftspartei und die Freiwirtschaftsbewegung zusammenzuführen, war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit verlagerte sich stärker in den wirtschaftsoppositionellen Sektor, wobei er seine internationalen Kontakte pflegte, insbesondere zur Freiwirtschaftsszene in der Schweiz. Dorfner wirkte mehr als drei Jahrzehnte als Herausgeber freiwirtschaftlicher Blätter und Schriften, wobei sein Sohn, der Bauingenieur Ernst Dorfner (*1933), nach und nach in seine Fußstapfen trat.

Literatur:
  • Alois Dorfner, * 11. Jänner 1894 in Pichl/Wels † 30. Mai 1982 in Linz, unveröffentlichtes Manuskript, bereitgestellt vom Archiv für Geld- und Bodenreform, Universität Oldenburg, 4 Seiten.