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Fritz "Derek" Weber, Dr. phil., Univ.-Doz. (1947 - 2020)

Dr. phil., Univ.-Doz. Fritz "Derek" Weber

Universitätsdozent Dr. Fritz ‚Derek‘ Weber: Wirtschaftshistoriker, Musikjournalist und Dramaturg

Mit großer Bestürzung mussten wir erfahren, dass unser langjähriger Kollege Universitätsdozent Dr. Fritz Weber in der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 2020 nach einer Covid19-Infektion verstorben ist.

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Fritz Weber, 1947 in Knittelfeld geboren, studierte ab 1967 an der Universität Graz, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Salzburg Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft. Im Jahr 1977 erwarb er das Doktorat mit einer Dissertation über den Fall Scharf in der SPÖ.

Bereits seit 1973 wirkte Fritz Weber als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ökonomen Eduard März. Dieses Team erstellte damals im Auftrag der Creditanstalt-Bankverein international beachtete Pionierstudien zur österreichischen Geld- und Bankengeschichte. Fritz Weber erarbeitete sich einen Ruf als führender Experte für diese Bereiche und wurde 1992 an der Universität Salzburg mit einer Monographie über die Krise des österreichischen Bankwesens während der 1920er Jahre habilitiert. Dieses Standardwerk zur österreichischen Bankengeschichte erschien im Jahr 2016 unter dem Titel Vor dem großen Krach in aktualisierter Form im Böhlau-Verlag. Zu den vielfältigen wissenschaftlichen Aktivitäten gehörte des Weiteren ein Jahr als Jean Monnet-Fellow am Europäischen Hochschulinstitut in San Domenico di Fiesole (1989/90), ein Projekt für die Oesterreichische Nationalbank über die Wirtschaftspolitik in der Ära Kreisky, aus dem eine vielbeachtete Buchpublikation hervorging, die Mitarbeit an historischen Ausstellungen, die Leitung einer Forschungsgruppe im Rahmen der Österreichischen Historikerkommission zum Thema „Arisierungen“ in der Zeit des Nationalsozialismus, sowie eine Geschichte der Reichsbankhauptstelle Wien der Deutschen Reichsbank in der Zeit von 1938 bis 1945 und der Oesterreichischen Nationalbank bis 1975.

Fritz Weber übernahm ab 1983 Lehraufträge an österreichischen Universitäten und war ab den frühen 1990er Jahren als Dozent an der Wirtschaftsuniversität Wien, der Universität Wien sowie der Universität Salzburg angestellt, wobei er besonders eng dem Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der WU sowie dem Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien verbunden war.

Neben der erfolgreichen wissenschaftlichen Tätigkeit erwarb sich der Verstorbene unter dem Namen Derek Weber einen exzellenten Ruf im In- und Ausland als Musikjournalist, Operndramaturg und Übersetzer/Bearbeiter von Libretti. Er schrieb u. a. für die Salzburger Nachrichten, Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, Der Standard und mehrere Kulturzeitschriften (z.B. Bühne, Musik & Theater, Opernwelt), verfasste zahlreiche Beiträge für Programmhefte, Booklets von Musik CDs etc. und er war ein gefragter Gast bei Veranstaltungen wie etwa dem Forum Alpbach. Als Dramaturg und Bearbeiter von Libretti erzielte er u. a. in Österreich, Italien, Frankreich, Russland und Griechenland große Erfolge. Derek Weber arbeitete mit Musiktheatern wie La Scala, Opera Comique in Paris, Luzerner Theater, Griechische Nationaloper, Wiener Volksoper oder Wiener Kammeroper zusammen sowie mit dem Wiener Musikverein und zahlreichen Festivals, darunter Mozartwoche Salzburg, Salzburger Festspiele und Osterfestspiele, Macerata Opernfestival oder Musikfest Bremen. Im Jahr 2007 wirkte er an der Vorbereitung der Weltpremiere der Oper Franz Jägerstätter in Graz mit und 2009 war er an der Produktion der Oper Idomeneo, re di Creta im Mariinsky Theater (St. Petersburg) beteiligt.

Das Institut verliert mit Fritz Weber nicht nur einen profilierten Wirtschafts- und Zeithistoriker, sondern auch einen eng verbundenen Freund und bis zuletzt aktiven, universell gebildeten Diskussionspartner.

Herzlich Willkommen auf der Homepage des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte.  

Wirtschafts- und Sozialgeschichte ist ein genuin interdisziplinäres Forschungsgebiet, dessen Erforschung sowohl als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft verstanden werden kann als auch disziplinübergreifend als Historische Wirtschafts- und Sozialwissenschaft.

Als letztere zeichnet sie sich durch die kritische Verwendung und Reflektion der Methoden und Theorien der Volkswirtschaftslehre, der Demographie, der Soziologie und vieler Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre zur Erforschung der ökonomischen und sozialen Dimension der Vergangenheit aus und kann als Zentrum eines sozioökonomischen Lehr- und Forschungsprogramms verstanden werden. Am Institut widmen wir uns dabei in Forschung und Lehre besonders der langfristigen Entwicklungen der Weltwirtschaft und einzelner Volkswirtschaften sowie der Banken- und Finanzgeschichte.

Der Unternehmensgeschichte ist eine eigene Abteilung gewidmet, die eng mit dem übrigen Institut kooperiert. Unsere Philosophy Division geht über das interdisziplinäre Programm der Wirtschafts- und Sozialgeschichte hinaus, und beschäftigt sich, unter anderem, mit den Grundlagen und Grenzen der Erkenntnis an sich.  Und das Cluster zur Erforschung der Universitätsgeschichte setzt sich in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv und in Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen der universitätshistorischen Forschung mit der Vergangenheit der WU auseinander.

Unter den folgenden Links finden Sie Informationen zu einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unserer Lehre und Forschung, zu Veranstaltungen des Instituts sowie zur Abteilung für Unternehmensgeschichte, der Philosoph Division und der Universitätsgeschichte.

Die aktuellsten Meldungen aus dem Institut

Unser Forschungsseminar

WU Research Seminar in Economic and Social History kann derzeit nicht präsentiell am WU-Campus abgehalten werden. Die zweite Sitzung findet am 26. Mai ab 18h online via Microsoft Teams statt.

Thilo Albers (Humboldt Berlin/Lund)

Losing the Gains from Trade - Evidence from the Trade Multiplier of the Great Depression


Um teilzunehmen, senden Sie bitte ein Email an geschichte@wu.ac.at, wir senden dann einige Stunden vorher den Weblink zum Seminar. Teilnahme ist für alle interessierten Personen offen.

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