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Institut

Herzlich Willkommen auf der Homepage des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte.  

Wirtschafts- und Sozialgeschichte ist ein genuin interdisziplinäres Forschungsgebiet, dessen Erforschung sowohl als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft verstanden werden kann als auch disziplinübergreifend als Historische Wirtschafts- und Sozialwissenschaft.

Als letztere zeichnet sie sich durch die kritische Verwendung und Reflektion der Methoden und Theorien der Volkswirtschaftslehre, der Demographie, der Soziologie und vieler Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre zur Erforschung der ökonomischen und sozialen Dimension der Vergangenheit aus und kann als Zentrum eines sozioökonomischen Lehr- und Forschungsprogramms verstanden werden. Am Institut widmen wir uns dabei in Forschung und Lehre besonders der langfristigen Entwicklungen der Weltwirtschaft und einzelner Volkswirtschaften sowie der Banken- und Finanzgeschichte.

Der Unternehmensgeschichte ist eine eigene Abteilung gewidmet, die eng mit dem übrigen Institut kooperiert. Unsere Philosophy Division geht über das interdisziplinäre Programm der Wirtschafts- und Sozialgeschichte hinaus, und beschäftigt sich, unter anderem, mit den Grundlagen und Grenzen der Erkenntnis an sich.  Und das Cluster zur Erforschung der Universitätsgeschichte setzt sich in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv und in Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen der universitätshistorischen Forschung mit der Vergangenheit der WU auseinander.

Unter den folgenden Links finden Sie Informationen zu einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unserer Lehre und Forschung, zu Veranstaltungen des Instituts sowie zur Abteilung für Unternehmensgeschichte, der Philosoph Division und der Universitätsgeschichte.

Die aktuellsten Meldungen aus dem Institut

Nachruf

Bild: Wikipedia/J Alex M_ Prof. Dr. Alois Mosser

Bild: Wikipedia/J Alex M

Em. o. Univ.-Prof. Dr. Alois Mosser (1937 – 2022)

Mit großer Bestürzung mussten wir erfahren, dass unser früherer Institutsvorstand Professor Alois Mosser am 22. April 2022 verstorben ist.

O. Univ.-Prof. Dr. Alois Mosser wurde am 11. Mai 1937 in Laakirchen, Oberösterreich, geboren, legte 1957 die Reifeprüfung am Bischöflichen Lehrerseminar in Linz ab und studierte danach an der Universität Wien Germanistik und Geschichte. Von 1960 bis 1962 absolvierte er den Kurs des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. 1965 beendete Alois Mosser sein Doktoratsstudium bei o. Univ.-Prof. Dr. Alfred Hoffmann und o. Univ.-Prof. Dr. Alphons Lhotsky mit einer Dissertation über „Beiträge zur Geschichte der Grundherrschaft in Oberösterreich unter besonderer Berücksichtigung der Herrschaft Ort am Traunsee“.

Alois Mosser arbeitete ab 1962 als wissenschaftliche Hilfskraft und ab 1965 als Universitätsassistent am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Im Jahr 1976 habilitierte er sich mit einer Pionierarbeit zur historischen Bilanzanalyse mit dem Titel „Die Industrieaktiengesellschaft in Österreich 1880 – 1913. Versuch einer historischen Bilanzanalyse“ für die er mit dem Kardinal Innitzer-Förderungspreis ausgezeichnet wurde. Mit dieser Arbeit erschloss er inhaltliches und methodisches Neuland; es handelte sich um eine der ersten Studien dieser Art, für die eine Auswertung einer umfangreichen, selbst erstellten Bilanzdatenbank mithilfe eines Computers erfolgte.

Im Jahr 1977 übernahm Alois Mosser die wissenschaftliche Leitung des „Vereines der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiete der Unternehmerbiographie und Firmengeschichte“ (später „Österreichische Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ / ÖGU).

1982 wurde seine venia legendi auf Nationalökonomie ausgeweitet und 1983 avancierte Alois Mosser zum außerordentlichen Universitätsprofessor am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, mit dem spezifischen Wirkungsbereich „Lehre und Forschung im Bereich der Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Integrationsbereich zwischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte und den systematischen Sozialwissenschaften“.

1991 wurde Prof. Mosser als Ordinarius an das Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Wirtschaftsuniversität Wien berufen und 1992 zum Vorsitzenden der Österreichischen Gesellschaft für Unternehmensgeschichte gewählt. Es gelang ihm ein „Neustart“ der ÖGU, nachdem deren Aktivitäten nach der Emeritierung von o. Univ.-Prof. Dr. Alois Brusatti im Jahr 1989 weitgehend eingeschlafen waren. Zum Beispiel hielt die ÖGU 1999 eine große internationale Tagung zum Thema „Business History in Zentraleuropa“ ab, aus der der Band „Business History. Wissenschaftliche Entwicklungstrends und Studien aus Zentraleuropa“ (1999) hervorging.

1992 wurde Prof. Mosser auch zum Mitglied des Vorstandes der Stiftung PRO ORIENTE – Gesellschaft zur wissenschaftlichen Erforschung der ökumenischen Beziehungen gewählt, in dem er für den Bereich „wissenschaftliche Aktivitäten“ verantwortlich war. 1995 wurde er Vorsitzender dieser Gesellschaft. 1996 übernahm er auch den Vorsitz der neu gegründeten „Kommission für südslawische Geschichte“.

Alois Mosser fungierte als (Mit-)Herausgeber zahlreicher Publikationsreihen, etwa: „Veröffentlichungen der Österreichischen Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“, „Geld und Kapital. Jahrbuch der Gesellschaft für mitteleuropäische Banken- und Sparkassengeschichte“ (gemeinsam mit Alice Teichová und Charles Tilly) und „Schriftenreihe der Kommission für südosteuropäische Geschichte“.

O. Univ.-Prof. Dr. Alois Mosser bearbeitete eine große Bandbreite an wissenschaftlichen Themen, mit Schwerpunkten in den Bereichen Unternehmensgeschichte, Geschichte Südosteuropas sowie methodischer und geschichtstheoretischer Fragestellungen. Besonders hervorzuheben sind eine Monographie zur „Wiener Allianz“ (1991, gemeinsam mit Marita Roloff) oder zum „Autoland Österreich“ (2007, gemeinsam mit Gerhard Brunner) bzw. die Sammelbände „Gottes auserwählte Völker. Erwählungsvorstellungen und kollektive Selbstfindung in der Geschichte“ (2001), „Den anderen im Blick. Stereotypen im ehemaligen Jugoslawien“ (2002, gemeinsam mit Gerhard Moritsch) oder „Politische Kulturen in Südosteuropa“ (2006).

Aus Anlass des hundertjährigen Bestandsjubiläums der Wirtschaftsuniversität Wien leitete Prof. Mosser ein großes Forschungsprojekt, aus dem zwei umfangreiche Sammelbände hervorgingen (Alois Mosser gemeinsam mit Herwig Palme, Horst Pfeiffle und Hanns Pichler, Hrsg., Die Wirtschaftsuniversität Wien. Bildung – Perspektiven – Herausforderungen, 1998; Alois Mosser, Evelyn Dawid, Spondeo. Die Absolventen der k.k. Exportakademie, der Hochschule für Welthandel und der Wirtschaftsuniversität Wien, 2000). Prof. Mosser blieb bis zuletzt wissenschaftlich aktiv. Im Jahr 2021 publizierte er noch die Monographie „Pittel+Brausewetter. 150 Jahre Industriebau als Industriekultur (1870 – 2020)“.

Während seiner Professur am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Wirtschaftsuniversität Wien fungierte Alois Mosser alternierend mit o. Univ.-Prof. Dr. Herbert Matis und a.o. Univ.-Prof. Dr. Karl Bachinger als Institutsvorstand. Es gelang ihm erfolgreich, durch seinen kollegialen Führungsstil die große inhaltliche Bandbreite und die vielfältigen internationalen Kontakte des Instituts zu fördern und zu pflegen. Er betreute zahlreiche Dissertationen und bot immer wieder auch jungen Kolleginnen und Kollegen Chancen, im Rahmen von Projekten erste eigene wissenschaftliche Leistungen zu erbringen.

Im Jahr 1997 wurden die Leistungen von o. Univ.-Prof. Dr. Alois Mosser aus Anlass seines 60. Geburtstages mit dem Band „Historische Betriebsanalyse und Unternehmer. Festschrift für Alois Mosser“ (hrsg. von Herbert Matis) gewürdigt. Wir werden unserem Institutsvorstand, Kollegen und Freund Alois Mosser stets ein ehrendes Angedenken bewahren.

Neuerscheinung

Buchcover

Gabriele M. Mras & Michael Schmitz

Force, Content, and the Unity of the Proposition

(Routledge Studies in Contemporary Philosophy)

Verlag: ‎Routledge
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-0367561130

This volume advances discussions between critics and defenders of the force-content distinction and opens new ways of thinking about force and speech acts in relation to the unity problem.

Neuerscheinung

Bild Buchcover

Alois Mosser

Pittel+Brausewetter
150 Jahre Industriebau als Industriekultur (1870-2020)

ISBN: 978-3-643-51020-4
Lit-Verlag

Ein Unternehmen der Baubranche, das auf ein Alter von 150 Jahren zurückblicken kann, ist nicht nur ein exzellenter Zeuge der diesen Zeitraum umfassenden Industrialisierung, sondern auch ein seltenes Fallbeispiel für eine betriebswirtschaftliche Analyse im gesamt ökonomischen Kontext. Der Band versucht, auf Grundlage umfangreicher Quellen wie der seit 1898 lückenlos vorhandenen Bilanzen die strukturellen und erfolgswirtschaftlichen Abläufe zu klären und zu bewerten. Auch der Frage, welche Faktoren insgesamt die Performance des Unternehmens in entscheidender Weise beeinflussten, wird im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen.

Alois Mosser, geb. 1937 in Laakirchen (Oberösterreich), Dr. phil., Ao. Univ. Prof. für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, O. Univ. Prof. für Wirtschaftsgeschichte der Wirtschaftsuniversität Wien, Emeritus.

Vortrag - Research Seminar

Im Rahmen des Seminar for Economic and Social History/Socioeconomics Research Seminar finden verschiedene Vorträge statt.

Stefan Nikolic (Bocconi University):
“Industrialisation in the Habsburg Empire. A Spatial Analysis”
Moderation: Marina Chuchko

31. Mai 2022,
18.00-19.30 Uhr
 

Seminars will be held online via Zoom, please send an email to geschichte@wu.ac.at to get the link for participation.
For questions on the seminars please contact organizers Marina Chuchko and Markus Lampe 

Restitution

Restitution eines Buches aus den Beständen der WU Universitätsbibliothek

Am 22. Juli 2021 war die WU zu Gast im Jüdischen Museum Wien. Im Mittelpunkt einer öffentlichen Veranstaltung stand ein Buch aus dem Jahr 1881, das in der NS-Zeit im Zuge der „Arisierung“, also des staatlich gelenkten Raubes von jüdischem Eigentum, in die Bibliothek ihrer Vorgängerinstitution, der Hochschule für Welthandel, gekommen ist. Bei dem Buch handelt es sich um den Bericht des damaligen Vizebürgermeisters von Wien Julius Ritter von Newald über die Wiener Gemeindeverwaltung in den Jahren 1877 bis 1879. Das Exemplar hatte dem angesehenen Wiener Textilunternehmer Sigmund Mayer (1831–1920) gehört, der ab 1880 ein Mandat im Wiener Gemeinderat hatte.

Dass die Hochschule für Welthandel das Buch mit Datum vom November 1942 in ihren Bestand aufnahm, dürfte mit der Verfolgung der Nachfahren von Sigmund Mayer durch die Nationalsozialisten zusammenhängen. Konkret ging es um die beiden Erben von dessen Bibliothek, nämlich um den Sohn Felix und die Tochter Helene: Felix sah sich gezwungen, nach dem „Anschluss“ Österreichs (März 1938) in die USA zu flüchten, um sich vor der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Sicherheit zu bringen. Und Helene wurde im Ghetto von Łódź ermordet.

Mit Unterstützung des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus gelang es dem Team Provenienzforschung der WU, die Rechtsnachfolge zu ermitteln: Dr. Karina Urbach. An sie konnte Bibliotheksdirektor Nikolaus Berger nun das Buch, das einst ihrem Urgroßvater Sigmund Mayer gehört hatte, übergeben.

WU-News

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