npoInterview - Werner Kerschbaum spricht mit Christian Horak
In den Newslettern von npoAustria habe ich in den vergangenen Jahren unter der Rubrik 'Alt, aber gut' Klassiker aus der Managementliteratur vorgestellt.
Nun geht es aber um aktuellere Themen, denn für die vielen Leser:innen des Newsletters von npoAustria ist es natürlich auch interessant, Einblicke in die Arbeits- und Gedankenwelt von Spitzenvertreter:innen des gemeinnützigen Sektors zu bekommen.
Diesmal bei uns zu Gast (aus Zeitmangel diesmal im Telegrammstil):
Dr. Christian Horak ist Partner in der Strategieberatung bei EY-Parthenon. Er arbeitet vor allem mit öffentlichen Einrichtungen, Gesundheits- sowie Nonprofit-Organisationen zu strategischen und organisatorischen Themen zusammen. Im Rahmen der Initiative EY Sustainability widmet er sich Fragen rund um Implikationen von Nachhaltigkeit, Klimawandel, Dekarbonisierung bzw. Klimaneutralität im öffentlichen Sektor.
Vor seiner Tätigkeit bei EY war Christian über 20 Jahre Partner bei Contrast Management-Consulting. Er hat einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre an der WU Wien und hat 1993 am Institut für Unternehmensführung zum Thema „Controlling in Nonprofit-Organisationen“ promoviert.
Seit 1990 ist Christian auch Lektor an der WU Wien (insbesondere Executive Academy) und am Controller Institut. Er ist zudem fachlicher Leiter des seit 1994 jährlich stattfindenden NPO-Kongresses (seit 2024 NPO-Forum) in Wien.
Christian hat zu diversen Themen rund um Public- und Nonprofit-Management publiziert und hält dazu auch regelmäßig Vorträge.
1. Fragen zum gemeinnützigen Sektor
Was war für Sie die wichtigste/wirkungsstärkste Entwicklung der letzten Jahre im gemeinnützigen Sektor?
Enormer Ressourcendruck
Massive und komplexe Umfeldentwicklungen
Laufende Veränderung des gemeinnützigen Sektors
Stark steigender Bedarf an Leistungen des gemeinnützigen Sektors
Welche Risiken/Chancen sehen Sie für den NPO-Sektor in der Zukunft?
Konzentration auf das Wesentliche
Erhöhung der Resilienz
Bedeutung der Wirkungsorientierung und -Messung steigt
Erhöhte Notwendigkeit zur Kooperation/Zusammenarbeit
Nutzung neuer Technologien unter Beachtung der damit verbundenen Herausforderungen
Wenn Sie für einen Tag alle Möglichkeiten hätten - zum Beispiel als verantwortliche Ministerin oder Bundeskanzlerin - welche Maßnahmen würden Sie jedenfalls umsetzen?
Setzung der richtigen Anreize, um diverse soziale Problemstellungen nachhaltig zu lösen - Mehr Wirkung mit begrenzten Ressourcen
Schaffung gesellschaftspolitischer Fairness
Weiterentwicklung des Gesundheits- und Sozialwesens: klare/einfache Finanzierung bei Sicherung der entsrpechenden Qualität; Schaffung eines stark vernetzten Gesundheits-Ökosystems unter Nutzung aller technologischen Möglichkeiten
2. Fragen zur eigenen Organisation
Welche Themen/Schwerpunkte werden in nächster Zukunft in Ihrer Organisation eine besonders hohe Priorität genießen?
Sinnvolle Gestaltung der digitalen Transformation für alle Klienten und für uns selbst.
Weiterentwicklung der "New Workforce"
Intelligente Nutzung und Sicherung von Wissen/Daten
Wie würden Sie die Schlüsselkompetenzen/Alleinstellungsmerkmale Ihrer Organisation definieren?
Wir agieren als "multiprofessionelle Serviceorganisation" mit stark ausgeprägten Branchenschwerpunkten, u.a. auch im öffentlichen Sektor und Gesundheitsbereich. Wir können als "One EY" für unsere Kunden ganzheitliche Lösungen aus einer Hand anbieten.
Was sind die zentralen Werte in Ihrer Organisation?
Integrität, Respekt, Inklusivität, Teambuilding
Energie, Enthusiasmus und Mut zu Führen
Objektivität und Unabhängigkeit
Schutz von Daten, Informationen und intellektuellem Kapital
3. Fragen zur Person/Steckbrief
Von wem haben Sie am meisten gelernt?
Von meinen "geistigen Ziehvätern":
Peter. F. Drucker
Rolf Eschenbach
Welches Buch oder welchen Film empfehlen Sie den Leser:innen des npoAustria Newsletter?
Alle NPO-spezfischen Bücher von Peter F. Drucker und alle zentralen Werke von Viktor Frankl.
Was regt Sie besonders auf?
Ungerechtigkeit
Unfairness
Negative/egoistische Ausnutzung von Machtpositionen
Womit können andere Menschen Ihnen eine Freude bereiten?
Mit allen noch so einfachen aber von Herzen kommenden positiven Gesten, Worten, Verhaltensweisen!
Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die ihr Berufsleben gerade starten?
Probiert nach Möglichkeit vieles aus und achtet immer darauf, dass der Beruf immer ein wichtiger und positiver Teil des Lebens ist - der Beruf darf auch Spaß machen!
Was ist Ihr persönliches Lebensmotto bzw. Ihr Leitspruch?
"Das Glas ist immer halbvoll."
4. Allgemeines
Was ich jedenfalls noch sagen wollte...
Vielen Dank für die Möglichkeit, meine Gedanken mit der NPO-Community zu teilen!
Gemeinnützige Organisationen werden auch zukünftig sehr wertvoll und wichtig sein!
Das Management von gemeinnützigen Organisationen ist vergleichsweise herausfordernder und komplexer als in erwerbswirtschaftlichen Organisationen. Man kann entsprechend stolz sein, wenn man eine NPO erfolgreich führen kann!
Ich bedanke mich sehr herzlich bei Herrn Dr. Christian Horak, dass er sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen zu beantworten.
Werner Kerschbaum