NPO-Institut (Verein)

Die Budgetkonsolidierung: Blut, Schweiß und Tränen bei NPOs

NPO Sparschwein

Es muss gespart werden im Staate Österreich, und zwar überall. Die öffentlichen Hilfen während der Pandemie und die Antiteuerungsmaßnahmen, vor allem aber die schwache Konjunktur und die Abschaffung der kalten Progression haben die Defizite wachsen lassen. Um den öffentlichen Schuldenstand und damit die Zinsbelastung nicht exponentiell ansteigen lassen und damit jegliche Gestaltungsmöglichkeit in allen Politikbereichen zu verlieren, muss gespart werden.

Das betrifft selbstverständlich auch viele NPOs. Über den gesamten Sektor hinweg tragen Leistungsverträge mit der öffentlichen Hand 50% zur Gesamtfinanzierung des Sektors bei, öffentliche Förderungen weitere 16%. Besonders hoch ist die Abhängigkeit von öffentlichem Geld im Sozial- (80%) und Gesundheitsbereich (59%), in Kunst und Kultur sowie im Bildungsbereich.

Während der Budgetvollzug beim Bund besser als erwartet läuft und der Konjunktur-Silberstreifen am Horizont Anlass zum Optimismus gibt, befinden sich Länder und Gemeinden im Tal der Tränen. Besonders schlimm für NPOs, sind doch die meisten viel mehr von diesen Gebietskörperschaften als vom Bund abhängig.

Im Jänner hat Finanzminister Marterbauer bei einer gut besuchten Veranstaltung des Bündnisses für Gemeinnützigkeit klar gemacht, dass es die politischen Prioritäten der Landes- und Gemeindepolitiker sind, die entscheiden werden, wer von den Kürzungen besonders betroffen sein wird. Wenig überraschend machen sich die Vertreterinnen und Vertreter aller Felder große Sorgen; zu Recht, wie die Entwicklungen in der Steiermark und in Wien zeigen. Wo gespart wird, folgt politischen Prioritätensetzungen. Diese resultieren in einer Demokratie aus Wahlergebnissen folgen. Wenn in der Steiermark eine Mehrheit der Bevölkerung die FPÖ wählt, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Einsparungen den Integrations- und Kulturbereich treffen – die Volkskultur natürlich ausgenommen.

Es wird auch NPOs treffen, die vom durchaus verschwenderischen Umgang von Lokalpolitikern mit Steuergeldern profitiert haben. Wer kennt nicht ein Beispiel von Bürgermeistern, die gönnerhaft mit Steuergeldern Vereine gefördert haben, ohne dafür klare Kriterien entwickelt zu haben? Gerade in den mittelgroßen Kommunen muss jetzt besonders gespart werden.

Unvermeidbar werden die Sparmaßnahmen die Bereiche Gesundheit, Soziales und Bildung treffen. In Wien gehen 55% des Landesbudget in Gesundheit und Soziales, 23% in den Bildungsbereich. In NÖ sind das 50% und 15%, im Burgenland 52% und 14%, in Vorarlberg 48% und 16%. Wo sollten die Länder also sonst sparen? Das wird viele NPOs treffen, die in diesen Bereichen tätig sind. In diesem Spardruck liegen aber auch Chancen für NPOs. Sie produzieren günstiger als öffentliche Organisationen, es besteht die Chance auf die Erschließung neuer Tätigkeitsfelder.

Auf Bundesebene wird es übrigens auch die Wissenschaft und die Universitäten treffen, so generös wie bei den letzten Leistungsvereinbarungen werden die Unis nicht mehr bedient werden. Sparen tut weh, das kann niemand schönreden. Im vertraulichen Gespräch und hinter vorgehaltener Hand erfährt man dann aber schon, dass in vielen Organisationen auch noch Luft im System ist. Wem fallen bei Reflexion über die eigene Organisation nicht auch Kosten ein, die man einsparen könnte, ohne die Wirkung zu gefährden?

Darum wird es auch bei unserem diesjährigen NPO-Forum an der WU gehen: „Mehr als Mangelverwaltung? – Radikale Veränderung und Wirkung in Zeiten von Druck und Knappheit“ ist das Leitthema am 28. Mai 2026. Wir freuen uns auf Praxisberichte, ehrliche Diskussionen und strategische Antworten auf eine neue Realität.

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Über den Autor

Univ.Prof. Dr. Michael Meyer leitet seit 2005 das Institut für Nonprofit-Management an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist einer der akademischen Leiter des Professional Master in Social Innovation and Management der WU und akademischer Leiter des Kompetenzzentrums für NPOs und Social Entrepreneurship der WU.

Michael Meyer ist außerdem Mitglied des Redaktionsbeirats von NVSQ und NML, den beiden einflussreichsten wissenschaftlichen Zeitschriften auf diesem Gebiet.

Michael Meyers Forschungs- und Lehrschwerpunkte sind Non-Profit-Management und -Governance, der Dritte Sektor und die Zivilgesellschaft, die Verbreitung von Managementdenken in NPOs sowie unternehmerische Ansätze zur Lösung gesellschaftlicher Probleme, z. B. Social Entrepreneurship und soziale Innovation. An der WU Wien unterrichtet er Studierende, Absolventen, Doktoranden und Führungskräfte.

Neben dem Non-Profit-Management bietet er auch Kurse zu Führung, Teambildung, Organisationsverhalten und Organisationstheorie an.