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Institutsgeschichte

Die Entwicklung des Instituts für Österreichisches und Internationales Steuerrecht an der WU

1968: Der frühere Finanzbeamte Anton Lager übernimmt – bis zu seiner Emeritierung 1979 – die erste Professur für Finanzrecht an der WU. Gleichzeitig wird das Institut für Finanzrecht – in späteren Jahren in Institut für Österreichisches und Internationales Steuerrecht umbenannt – unter seiner Leitung errichtet.

1981: Wolfgang Gassner tritt die Nachfolge von Anton Lager als Professor für Finanzrecht und Vorstand des Instituts an. Bis zu seinem Tod im Jahre 2004 bleibt er am Institut als Professor höchst aktiv. Er beginnt damit, in der Lehre und in der Forschung Schwerpunkte zu setzen: Unternehmenssteuerrecht und Internationales Steuerrecht

1990: Dem Institut wird eine zweite Professorenstelle (Finanzrecht mit Schwerpunkt Internationales Steuerrecht) zugewiesen, auf die Eduard Lechner berufen wird, der diese Professur bis zur Annahme eines Rufes an die Universität Wien im Jahre 1993 ausübt.

1991: Das Institut initiiert erstmals die Durchführung des Wirtschaftstreuhänder-Kongresses, dem in späteren Jahren die Wiener Bilanzrechtstage als jährliche wissenschaftliche Fachveranstaltung folgen, die vom Institut gemeinsam mit verwandten betriebswirtschaftlichen Instituten getragen werden. 2011 kommt als weitere jährlich abgehaltene Fachveranstaltung das Wiener Symposion zum Unternehmenssteuerrecht dazu, das den Schwerpunkt auf diesem Gebiet weiter stärkt.

1994: Michael Lang wird als Nachfolger von Eduard Lechner Professor für Finanzrecht mit Schwerpunkt Internationales Steuerrecht und übernimmt 1998 dann über Wunsch Wolfgang Gassners auch die Funktion des Institutsvorstands.

1994: Erstmals veranstaltet das Institut ein Wiener Symposion zum Internationalen Steuerrecht, das seitdem jährlich durchgeführt wird. In späteren Jahren wird das Programm an Fachveranstaltungen durch englischsprachige internationale Konferenzen ergänzt, die meist auch in jährlichen Abständen abgehalten werden, wie zB die Konferenzen zu den beim EuGH anhängigen Steuerverfahren oder den jeweils im Juli in Rust stattfindenden wissenschaftlichen Konferenzen oder der 2011 erstmals abgehalten Konferenz zu Tax Treaty Case Law Around the Globe.

1994: Mit der Wahl Wolfgang Gassners zum Präsidenten der österreichischen Landesgruppe der International Fiscal Association (IFA) beginnt eine intensive Zusammenarbeit zwischen der IFA und dem Institut. Unter Wolfgang Gassners Leitung richtet die IFA im Jahre 2004 ihren Weltkongress in der Wiener Hofburg aus. Nach ihm übernimmt der bis dahin als Vizepräsident wirkende Michael Lang die Leitung der österreichischen IFA, Josef Schuch und Claus Staringer wirken dann auch im Vorstand mit. Zehn Jahre lang wirkt Michael Lang auch als Mitglied des Permanent Scientific Committee der weltweiten IFA. In dieser Funktion folgt ihm später Claus Staringer nach.

1997: Das Institut führt in Kooperation mit dem späteren Institut für Österreichisches und Europäisches Öffentliches Recht der WU (Michael Holoubek) erstmals ein Symposion zu Fragen des verfassungsgerichtlichen Verfahrens in Steuersachen durch. Seitdem gibt es jährlich eine derartige Veranstaltung, die sich Themen an der Grenze zwischen Steuerrecht und Verfassungsrecht oder anderen Gebieten des öffentlichen Rechts widmen und die die Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftler/innen des Instituts mit Verfassungs- und Verwaltungsrechtlern fördert.

1998: Erstmals führt das Institut mit wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen und den besten Studierenden eine Exkursion nach Luxemburg durch. Über viele Jahre werden jährlich am Ende des Sommersemestersemesters mit Unterstützung von Sponsoren Fachexkursionen in europäische Städte durchgeführt, in deren Mittelpunkt jeweils ein intensives steuerliches Fachprogramm steht und an denen bis zu 50 Personen teilnehmen.

1998: Das Institut wird Mitglied der EUCOTAX (European Universities Cooperating on Taxes)-Gruppe, eines Zusammenschlusses von Steuerrechtsinstituten aus mittlerweile zwölf Ländern und den USA. Neben Forschungskooperationen wird Studierenden der WU damit die Möglichkeit geschaffen, jährlich an internationalen Workshops teilzunehmen.

1999: Die ersten Full-Time und Part-Time-Studierenden des vom Institut initiierten und in Kooperation mit der Akademie der Wirtschaftstreuhänder organisierten LL.M.-Studiums International Tax Law beginnen ihre Ausbildung an der WU. Bereits nach kurzer Zeit werden die Lehrveranstaltungen nur noch in englischer Sprache angeboten, was den Zugang zu Studierenden aus aller Welt eröffnet. Sechzehn Jahre später hat das Studium bereits fast 600 Absolvent/inn/en, die ihre Karriere rund um den Globus fortsetzen. Die Faculty dieses Studiums besteht aus Wissenschaftler/innen, die aus allen Kontinenten regelmäßig an die WU kommen, was dem Institut den Aufbau von internationalen Forschungskooperationen erleichtert.

2002: Das Institut wird für einige Jahre zu einem Marie-Curie-Zentrum, was es ermöglicht, mit EU-Finanzierung ausländische Nachwuchswissenschaftler/innen für Zeiträume bis zu einem Jahr an die WU zu holen. In der Folge werden in Zusammenarbeit mit Unternehmen (zB OMV, Raiffeisen International, Mondi, Siemens, TPA) Research Fellowships ausgeschrieben, die insbesondere Wissenschaftler/innen aus den CEE-Staaten Forschungsaufenthalte ermöglicht. Später wird für Forschungsaufenthalte von Gastwissenschaftler/innen ein eigenes Visiting Scholar Program am Institut geschaffen, in deren Rahmen mittlerweile laufend gleichzeitig fünf bis zehn ausländische Wissenschaftler/innen – unter anderem auch aus China oder Südamerika – für mehrere Monate an das Institut kommen.

2003: Claus Staringer und Josef Schuch werden zu Professoren des Instituts bestellt und bauen das Lehr- und Forschungsprogramm auf dem Gebiet des Internationalen Steuerrechts und des Unternehmenssteuerrechts weiter aus.

2003: Über Empfehlung internationaler Gutachter wird der vom Institut initiierte Spezialforschungsbereich (SFB) International Tax Coordination an der WU errichtet. Erstmals in Österreich kommt bei dieser Spitzenforschungsinitiative des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) ein von Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlern getragenes Programm zum Zug. Im Rahmen des SFB arbeiten die Wissenschaftler/innen des Instituts mit Forscher/innen aus anderen Fächern interdisziplinär zusammen. In weiteren Evaluierungen in den Jahren 2007 und 2010 wird die hohe Qualität der interdisziplinären steuerwissenschaftlichen Forschung an der WU von internationalen Gutachtern bestätigt.

2005: Pasquale Pistone verstärkt das Institut als weiterer Professor: Als Ergebnis einer gemeinsamen Bewerbung mit dem Institut wird er zunächst als Träger des European Young Investigator (EURYI)-Awards an der WU tätig, später im Rahmen eines Jean Monnet ad personam-Lehrstuhls.

2005: Die WU stellt ihr Lehrprogramm auf die „Bologna-Struktur“ um. Erstmals werden damit an der WU auch wirtschaftsrechtliche Bachelor- und Masterprogramme angeboten, die den Zugang zu den juristischen Kernberufen eröffnen. In diesen Studien spielt die vom Institut verantwortete steuerrechtliche Ausbildung eine wichtige Rolle. Im wirtschaftswissenschaftlichen Bachelorstudium wird Steuerrecht weiterhin teilweise verpflichtend, teilweise als Wahlfach angeboten. In der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung wird später im Rahmen des 2011 erstmals angebotenen und vom Institut mit initiierten Masterstudiums Steuern und Rechnungslegung ein weiterer steuerrechtlicher Schwerpunkt gesetzt. Das 2005 eingeführte Doktoratsstudium Wirtschaftsrecht bietet nun auch wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen des Instituts und anderen Doktorand/inn/en des Instituts mit rechtswissenschaftlichen Grundstudium die Möglichkeit, ihre steuerrechtliche Dissertation an der WU zu verfassen.

2005: Das Institut führt mit PwC erstmals eine Seminarreihe zum Internationalen und Europäischen Steuerrecht durch, in deren Rahmen seitdem laufend Fachvorträge mit pro Studienjahr jeweils 12 bis 16 – meist ausländischen Vortragenden – angeboten werden. Die Kooperationen mit Beratungsunternehmen ermöglicht später auch die Durchführung von KPMG-WU-Workshops zum Unternehmenssteuerrechts, für etliche jahre die Einrichtung eines PwC Visiting Chairs, für den prominente ausländische Wissenschaftler/innen an das Institut geholt werden können, regelmäßiger Semesteropenings und Semesterclosings zur Intensivierung des Kontakts mit Studierenden, zweier Podiumsdiskussionen pro Jahr über Karriereperspektiven von WU-Studierenden mit steuerrechtlichem Schwerpunkt in der Steuerberatung und in Anwaltssozietäten, die Ausschreibung eines BDO Best Presentation Awards und eines PwC-Best-Bachelor Thesis in Tax Law Award, spezieller Programme für die Betreuung von Bachelorarbeiten (Ernst & Young Tax Challenge) oder auch die Bestellung von Deloitte-, KPMG und PwC-Forschungsprojektassistent/inn/en am Institut.

2006: Das Institut stellt erstmals ein Team, das sich am European Tax Moot Court in Leuven (Belgien) beteiligt. Wiederholt gewinnen in den Folgejahren die Studierenden des Instituts diesen Wettbewerb oder belegen zumindest vordere Plätze und werden mit Awards ausgezeichnet. In späteren Jahren beteiligt sich das Institut auch am Moot Court des deutschen Bundesfinanzhofs (BFH)

2008: Maria Wimmer übernimmt die neugeschaffene Position des Administrative Directors des Instituts. Unter ihrer Koordination organisiert die wachsende Zahl der administrativen Mitarbeiter/innen des Instituts die Konferenzen und andere Aktivitäten des Instituts.

2009: Alfred Storck bringt seine Erfahrungen als jahrzehntelanger Leiter der Steuerabteilung und stellvertretender Finanzchef eines Weltkonzerns in das Institut ein und wird zum Professor am Institut bestellt.

2009: Das Institut widmet sich im Rahmen einer internationalen Konferenz dem Verhältnis von direkten und indirekten Steuern und setzt damit einen zusätzlichen Schwerpunkt auf dem Gebiet globaler Entwicklungen in der Umsatzsteuer. Dem folgen weitere internationale Konferenzen auf diesem Gebiet und ab 2012 jährlich die Abhaltung einer Konferenz zu den jeweils aktuellen Entscheidungen des EuGH auf dem Gebiet der indirekten Steuern.

2011: Der FWF richtet an der WU ein vom Institut gemeinsam mit Wissenschaftler/innen verwandter Disziplinen getragenes Doktorandenkollegs „Doctoral Program in International Business Taxation“ (DIBT) ein, dessen finanzielle Förderung durch den FWF 2014 aufgrund einer einstimmigen Empfehlung internationaler Expert/inn/en um weitere vier Jahre verlängert wird. Die interdisziplinären Forschungen des bisherigen SFB werden in DIBT weitergeführt. Im Rahmen von DIBT werden Kollegiat/inn/en unter anderem aus Brasilien, China, Mexiko, Israel, Italien, Deutschland und Russland und den USA an der WU ausgebildet. Kollegiat/inn/en mit rechtswissenschaftlichem Hintergrund werden als wissenschaftliche Mitarbeiter/innen am Institut tätig. Da immer mehr Mitarbeiter7innen gar nicht der deutschen Sprache mächtig sind, ist seit 2011 Englisch die interne Institutssprache.

2012: Jeffrey Owens übernimmt die Leitung des neugegründeten und am Institut errichtete WU Global Tax Policy Centers und ermöglicht dem Institut, die Aktivitäten auf dem Gebiet der internationalen Steuerpolitik auszubauen.

2013: Die WU – und damit auch das Institut für Österreichisches und Internationales Steuerrecht- übersiedelt auf einen komplett neuen Campus im Wiener Prater, für den berühmte Architekt/inn/en aus aller Welt verantwortlich zeichnen. Alle Mitarbeiter/inn/en, die zuletzt an verschiedenen Standorten ihre Büros hatten, sind nun wieder in einem Gebäude vereint. Zu den ersten Veranstaltungen am neuen Campus gehört die Eröffnung des von der Christian Doppler Gesellschaft und mit finanzieller Unterstützung von Deloitte am Institut eingerichteten „Doppler Laboratory: Savings Taxation in a Globalized World“.

2014: Am Institut wird eine zusätzliche Professur für International Taxation ausgeschrieben. Zum neuen Professor wird Alexander Rust berufen, der zuvor Full Professor an der Université du Luxembourg war. Er verstärkt die Kompetenz auf dem Gebiet des internationalen Steuerrechts und der Steuerpolitik.