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Der Nonprofit-Sektor und die Zivilgesellschaft

Nonprofit Organisationen– kurz NPOs – sind private Organisationen, die nicht primär auf die Erzielung von Gewinn ausgerichtet sind, sondern andere Zwecke erfüllen. Sie tun dies in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen, sei es im Sozial- und Gesundheitsbereich, in Kunst, Kultur und Freizeit, Sport, in der Katastrophenhilfe, in der Politik, Interessenvertretung, Umweltschutz etc. In Österreich (und vielen anderen Ländern) gibt es für NPOs keine eigene Rechtsform, es kann sich dabei um Vereine, Stiftungen, GmbHs, Genossenschaften und sogar (faktisch im Ausnahmefall) um Aktiengesellschaften handeln, sofern sie bestimmte Kriterien erfüllen: NPOs sind nicht-staatliche, d.h. private Organisationen, welche Gewinne bzw. Überschüsse nicht an EigentümerInnen oder Mitglieder ausschütten dürfen. Grundsätzlich dürfen sie also durchaus Gewinne erwirtschaften, diese jedoch nicht ausschütten. Die Verwendung der Gewinne ist an einen bestimmten Unternehmenszweck gebunden.

NPOs zeichnen sich durch ein bestimmtes Maß an „Freiwilligkeit“ aus, etwa in Form von ehrenamtlicher Arbeit (Freiwilligenarbeit), Mitgliedschaften oder Spenden. Damit stehen NPOs besondere Formen von Ressourcen zur Verfügung, die einerseits aus finanzieller Sicht wichtig sind – dies ist insofern bedeutsam, als NPOs zu bestimmten anderen Finanzierungsformen häufig nicht so leicht Zugang finden.

Andererseits erreichen NPOs mit Freiwilligen, Mitgliedern und Spenden verschiedene Formen der Partizipation, die für die Vermittlung ihrer Anliegen in der Gesellschaft wichtig sind. Nonprofit-Organisationen erfüllen ein Mindestmaß an formaler Organisation und Selbstverwaltung bzw. Entscheidungsautonomie – dieses Kriterium zielt vor allem auf die Abgrenzung von Organisationen ab, die zwar eine privatrechtliche Organisationsform aufweisen, jedoch staatlichen Institutionen unterstehen.

Häufig sind NPOs gemeinnützige Organisationen. In Österreich ist der Begriff der Gemeinnützigkeit jedoch nur im Steuerrecht verankert.

Vgl. Meyer, Michael; Simsa, Ruth: NPOs: Abgrenzungen, Definitionen, Forschungszugänge in: Meyer, Michael; Simsa, Ruth, Badelt, Christoph (Hg.): Handbuch der Nonprofit-Organisation, Stuttgart 20135, S. 3-14

Zivilgesellschaft als Forschungsthema

Die Zivilgesellschaft und ihre Organisationen spielen in demokratischen Ländern eine wichtige soziale, politische und wirtschaftliche Rolle. Sie erbringen (Sozial-​)Dienstleistungen, vertreten die Interessen von Minderheiten oder von gefährdeten Gruppen, üben eine Überwachungsfunktion gegenüber Politik und öffentlicher Verwaltung aus und tragen zum Aufbau von Gemeinschaften bei, indem sie verschiedene Menschen einbeziehen, z.B. durch Freiwilligenarbeit und Mitgliedschaft. Die Existenz einer lebendigen Zivilgesellschaft ist ein Indikator für gut funktionierende Demokratien, die der ganzen Vielfalt unterschiedlicher Meinungen, Anliegen und Lösungen Raum geben. Organisationen der Zivilgesellschaft werden oft dort gegründet, wo ein bestimmtes soziales oder politisches Anliegen auftaucht. Durch die Kombination verschiedener öffentlicher und privater Ressourcen - wie öffentliche Mittel, private Spenden, ehrenamtliche Arbeit und Mitgliedsbeiträge - sind sie oft eine Quelle sozialer Innovation.

Das politische und soziale Umfeld prägt die Rahmenbedingungen für die Arbeit von Organisationen der Zivilgesellschaft. Die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen können so gestaltet werden, dass sie eine blühende, engagierte und pluralistische Zivilgesellschaft entweder unterstützen oder behindern. Die wichtigste Voraussetzung für eine lebendige Zivilgesellschaft ist Raum für die öffentliche Diskussion unterschiedlicher Perspektiven. Darüber hinaus müssen die Stimmen der zivilgesellschaftlichen Organisationen im politischen Prozess ernst genommen werden: Da die Organisationen der Zivilgesellschaft in vielen Bereichen der Gesellschaft über ein profundes Fachwissen verfügen, spielen sie eine Schlüsselrolle bei der Lösung vielfältiger sozialer und ökologischer Probleme.

Am NPO & SE Kompetenzzentrum ist auch die Zivilgesellschaft ein Forschungsthema, mit dem wir uns beschäftigen. Zuletzt wurde 2019 eine Studie der ERSTE Stiftung an uns in Auftrag gegeben, die sich mit der Dynamik der Zivilgesellschaft in Zentral- und Osteuropa beschäftigte. Sie ist auf der Website der ERSTE Stiftung zu finden. Die im Jahr 2014 abgeschlossene Studie im Rahmen von CIVICUS Civil Society Index hat den Zustand der Zivilgesellschaft in Österreich schwerpunktmäßig untersucht. Der Studienbericht ist auf der Website der IGO Interessensvertretung Gemeinnütziger Organisationen erhältlich. 

Mag.rer.soc.oec. Eva More-Hollerweger
Eva More-Hollerweger
Senior-Researcherin, Obfrau des NPO-Instituts (Verein)
Aufgaben: NPOs, Zivilgesellschaft, Freiwilligenarbeit, Evaluationen und strategisches Management.