Hintere Außenansicht des D2 Gebäudes

Menschen mit Behinderung

Die Gestaltung von Dienstleistungen und Unterstützungssystemen für Menschen mit Behinderungen steht im Zentrum zentraler sozialpolitischer Reformprozesse in Österreich und im deutschsprachigen Raum. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat sich Österreich zu einer inklusiven, bedarfsorientierten und menschenrechtsbasierten Ausgestaltung von Leistungen verpflichtet. Gleichzeitig sind die bestehenden Systeme der Leistungsbereitstellung durch föderale Zuständigkeiten, historisch gewachsene Angebotsstrukturen und fragmentierte Datenlagen geprägt.

Das Zentrum für NPO & Social Impact forscht seit vielen Jahren zu diesen Spannungsfeldern an der Schnittstelle von Sozialpolitik, Nonprofit-Organisationen und öffentlicher Leistungserbringung.

Zentrale Forschungsschwerpunkte

Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Analyse von Systemen der Behindertenhilfe und ihrer Weiterentwicklung im Sinne der UN-BRK. Dazu zählen insbesondere:

  • die Erhebung und Analyse von Anzahl, Struktur und Unterstützungsbedarfen von Menschen mit Behinderungen als Grundlage sozialpolitischer Planung,

  • die Untersuchung von Leistungsangeboten und Versorgungsstrukturen (z. B. Wohnen, Tages- und Beschäftigungsstrukturen, Persönliche Assistenz),

  • Fragen der Steuerung, Finanzierung und Governance von Leistungen, die überwiegend von Nonprofit-Organisationen im Auftrag der öffentlichen Hand erbracht werden,

  • die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderungen, einschließlich Übergängen zwischen Werkstätten, zweiten und ersten Arbeitsmarkt

  • sowie die ökonomischen und gesellschaftlichen Wirkungen unterschiedlicher Leistungs- und Reformmodelle.

Methodischer Zugang und partizipative Forschung

Die Arbeiten des Zentrums zeichnen sich durch einen interdisziplinären, empirisch fundierten und partizipativen Forschungsansatz aus. Zum Einsatz kommen quantitative Erhebungen, Sekundärdatenanalysen, qualitative Interviews und Fallstudien. Zentrale Akteurinnen – darunter Menschen mit Behinderung, Selbstvertreterinnen, Leistungserbringer, Verwaltung und Politik – werden systematisch in Forschungsprozesse eingebunden.

Dieser partizipative Zugang ermöglicht es, wissenschaftliche Analysen eng mit den Erfahrungen und Perspektiven der Expert*innen in eigener Sache zu verknüpfen und so zu einer praxisnahen und menschenrechtsorientierten Wissensproduktion beizutragen.

Ein Beispiel hierfür ist ein gemeinsames Projekt mit der Statistik Austria, das sich mit der inklusiven Gestaltung von Lebensqualitätserhebungen befasste. Ziel war es, Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen aktiv in die Entwicklung, Erprobung und Reflexion von Erhebungsinstrumenten einzubeziehen, um ihre Lebensqualität angemessen und valide erfassen zu können. Die intensive Zusammenarbeit mit Selbstvertreter:innen und Interessensvertreter:innen leistete einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung inklusiver Erhebungsmethoden in der amtlichen Statistik.

Referenzprojekte:

Daten zur Bildungssituation und Arbeitsmarktlage von Menschen mit Behinderung

Lohn statt Taschengeld

Arbeitsmarktintegration von MmB in OÖ

Eine Stimme für Alle

Evaluierung des Behindertengleichstellungsgesetzes