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Kennzahlen zu Lebensbedingungen 2024: Benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Österreich

Lebensbedingungen Österreich 2024

Karin Heitzmann und Julia Radlherr (2026)

Eine Studie im Auftrag des Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK)

ZUR STUDIE
 

Die Studie verfolgt zwei wesentliche Zielsetzungen: Zum einen wird eine umfassende Analyse der Lebensbedingungen benachteiligter Bevölkerungsgruppen in Österreich im Jahr 2024 durchgeführt, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung liegt. Zum anderen wird die Situation von Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten detailliert untersucht, um die Lebensrealitäten dieser besonders vulnerablen Gruppe differenziert abzubilden und daraus sozialpolitische Handlungsbedarfe abzuleiten.

Im ersten Teil der Studie zeigt sich, dass die Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich trotz leichter Verbesserungen weiterhin auf einem hohen Niveau verharrt. Mit einer Betroffenheitsquote von 16,9 Prozent liegt das Land deutlich über dem angestrebten Ziel von 13,4 Prozent bis 2030. Vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage und begrenzter staatlicher Ressourcen wird die Herausforderung deutlich, die Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahren signifikant zu reduzieren. Die Armutsgefährdungsquote stagniert seit Jahren (2024: 14,3 Prozent), während die materielle und soziale Deprivation mit 3,7 Prozent auf einem weiterhin hohen Niveau verbleibt. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme der manifesten Armut, welche Mehrfachbenachteiligungen in verschiedenen Subindikatoren der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung umfasst und im Jahr 2024 mit 4,4 Prozent den höchsten Wert seit 2018 erreicht hat. Weitere Indikatoren zu den Lebensbedingungen weisen auf zusätzlichen Handlungsbedarf hin: So ist im Bereich Wohnen ein Rekordanteil von 3,6 Prozent der Bevölkerung von sehr schlechtem Wohnstandard betroffen, was auf eine generelle Verschlechterung der Lebensqualität schließen lässt. Auch die Erwerbschancen junger Menschen entwickeln sich kritisch: Der Anteil der 16- bis 29-Jährigen, die weder in Ausbildung noch Erwerbstätigkeit sind (NEET), erreichte mit 13,8 Prozent einen neuen Höchststand. Diese Befunde verdeutlichen, dass die sozialpolitischen Herausforderungen in Österreich weiterhin erheblich sind, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller wirtschaftlicher Unsicherheiten und Sparmaßnahmen auf Seiten des öffentlichen Sektors. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit gezielter sozialpolitischer Interventionen, um insbesondere Mehrfachbenachteiligungen wirksam zu bekämpfen und die Lebensbedingungen besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen nachhaltig zu verbessern.

Der zweite Teil der Studie fokussiert auf Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, die als besonders armuts- und ausgrenzungsgefährdet identifiziert werden. Erfasst werden Personen, die seit mindestens sechs Monaten aus gesundheitlichen Gründen in ihren Alltagsaktivitäten eingeschränkt sind, unterteilt in zwei Gruppen: jene mit leichten und jene mit starken Einschränkungen. Diese werden jeweils der Gruppe ohne Einschränkungen gegenübergestellt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen eine heterogene Gruppe bilden. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Erfahrung struktureller Benachteiligungen in verschiedenen Lebensbereichen sowie ein überproportional hohes Risiko für Armut und soziale Ausgrenzung. Multivariate Analysen bestätigen, dass gesundheitliche Einschränkungen ein signifikanter Risikofaktor für Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung sowie materielle und soziale Deprivation sind – selbst unter Kontrolle weiterer Einflussfaktoren wie Alter, Bildung und Haushaltszusammensetzung. Innerhalb dieser Gruppe sind insbesondere Frauen, Erwerbstätige im erwerbsfähigen Alter und Personen mit stärkeren Einschränkungen besonders von Armuts- und Deprivationsrisiken betroffen. Zentrale Ursachen für das hohe Ausmaß an Prekarität innerhalb der Gruppe der Menschen mit gesundheitsbedingten Beeinträchtigungen liegen vor allem in einem vergleichsweise niedrigeren Bildungsniveau, geringerer Erwerbsbeteiligung und strukturellen Barrieren beim Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt. Trotz bestehender sozialpolitischer Geldleistungen wie Pflegegeld, Pensionen bei geminderter Arbeitsfähigkeit und Sozialhilfe reicht die finanzielle Unterstützung häufig nicht aus, um das fehlende Erwerbseinkommen adäquat zu kompensieren. Vor dem Hintergrund dieser Befunde besteht ein deutlicher Bedarf an sozialpolitischen Strategien, die die Teilhabechancen von Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen nachhaltig verbessern – insbesondere in den Bereichen Bildung, Erwerbsintegration und Wohnen.

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