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EXCELC

Lebensqualität durch Betreuung und Pflege: ein Vergleich dreier Länder

Damit Versorgungs- und Unterstützungssysteme für pflegebedürftige Menschen und informell betreuende und pflegende Menschen effektiv und effizient gestaltet werden können, ist es erforderlich, zu wissen, wie die angebotene Unterstützung wirklich wirkt und welche Ergebnisse damit erzielt werden.

Anspruch des Projektes EXCELC war es daher, erstmals länderübergreifend zu ermitteln, wie Pflege- und Betreuungsdienstleistungen die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und ihrer betreuenden Angehörigen beeinflussen.

Wir haben dazu ASCOT (Adult Social Care Outcomes Toolkit) verwendet, ein Instrument zur Erfassung pflegebezogener Lebensqualität. Mit Hilfe von ASCOT konnte die Effektivität häuslicher Pflege und Betreuung im Vergleich dreier Länder, England, Finnland und Österreich, abgebildet werden.
 

Ziele und ausgewählte Ergebnisse des EXCELC-Projekts:

1: Erstellung valider Erhebungsinstrumente für den internationalen Vergleich von lebensqualitätsbezogenen Effekten der häuslichen Pflege.

Insgesamt wurden 4 ASCOT Erhebungsinstrumente ins Deutsche und Finnische übersetzt und validiert.
ASCOT -  für dienstleistungsbeziehende Menschen und ASCOT-Carer für pflegende Angehörige sind jeweils sowohl in einer Version für persönliche standardisierte Interviews als auch als Fragebogen zum Selbstausfüllen verfügbar.

Für Informationen zur deutschen Version von ASCOT und wie eine Lizenz für die Nutzung der deutschen Version von ASCOT erhalten werden kann, siehe hier.
Weitere Informationen finden sich auch auf der ASCOT-Website der PSSRU der University of Kent.
 

2: Erhebung länderspezifischer Präferenzen für Versorgungsergebnisse und Untersuchung der Unterschiede in den Präferenzen.

ASCOT und ASCOT-Carer erfassten Domänen der Lebensqualität pflegedienstleistungsbeziehender Menschen und informell pflegender Personen. Damit ein ASCOT Score errechnet werden kann, sind Präferenzgewichte erforderlich, die in diesem Arbeitspaket für Österreich, Finnland und England ermittelt wurden. Diese Werte geben auch darüber Auskunft, welchen Bedeutung unterschiedliche Ergebnisse der Betreuung und Pflege in der Bevölkerung des jeweiligen Landes hat.

Präferenzgewichte für Österreich:

ASCOT
Hajji, Assma; Trukeschitz, Birgit; Malley, Juliette; Batchelder, Laurie; Saloniki, Eirini; Linnosmaa, Ismo; Lu, Hui. 2020. Population-​based preference weights for the Adult Social Care Outcomes Toolkit (ASCOT) for service users for Austria: Findings from a best-​worst experiment. Social Science and Medicine. 250 (112792), 1-10. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277953620300113?via%3Dihub
 

Präferenzgewichte für England (ASCOT-Carer):
Batchelder, Laurie, Malley, Juliette, Burge, Peter, Lu, Hui, Saloniki, Eirini-Christina, Linnosmaa, Ismo, Trukeschitz, Birgit, Forder, Julien. 2019. Carer Social Care-Related Quality of Life Outcomes: Estimating English Preference Weights for the Adult Social Care Outcomes Toolkit for Carers. Value in Health. 22 (12), 1427-1440.  - https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S109830151932337X
 

Methodenvergleich für die Ermittlung von Präferenzgewichten
Saloniki, Eirini-Christina, Malley, Juliette, Burge, Peter, Lu, Hui, Batchelder, Laurie, Linnosmaa, Ismo, Trukeschitz, Birgit, Forder, Julien.2019. Comparing internet and face-to-face surveys as methods for eliciting preferences for social care-related quality of life: evidence from England using the ASCOT service user measure. Quality of Life Research. 28 2207-2220.  https://link.springer.com/article/10.1007/s11136-019-02172-2
 

3: Datenerhebung und Analyse der Wirkung von Langzeitpflege im häuslichen Bereich national und im Ländervergleich.

Die Datenerhebung erfolgte mit Hilfe persönlicher standardisierter Interviews in Finnland und Österreich. Für England wurden bereits erhobene Daten in die Analyse miteinbezogen.
Insgesamt wurden in Österreich mehr als 600 älterer Menschen interviewt, die daheim Pflege- und Betreuungsdienstleistungen beziehen. Zusätzlich wurden Interviews mit mehr als 300 Angehörigen geführt.
 

Übersicht über die Ergebnisse in Österreich – dienstleistungsbeziehende Personen und pflegende Angehörige:
Trukeschitz, Birgit, Hajji, Assma, Litschauer, Judith, Kieninger, Judith, Linnosmaa, Ismo. 2018. Wie wirken sich Pflegedienste auf die Lebensqualität aus? Trendreport 1/2018, 20.06.18 https://www.wu.ac.at/fileadmin/wu/d/ri/altersoekonomie/Trendreport_1_2018_ASCOT.pdf
 

Darüber hinaus wurden die Effekte bzw. Wirkungen der mobilen Pflege untersucht. Im Mittelpunkt standen die durch die mobile Pflege bewirkten Veränderung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und ihrer betreuenden Angehörigen. Von Interesse waren dabei Eigenschaften der dienstleistungsbeziehenden Personen, ihres Umfeldes und der mobilen Pflege. Ermittelt wurde, welche dieser Eigenschaften für alle Länder relevant und welche nur in ein oder zwei Ländern dazu beitrug, die Lebensqualität durch mobile Pflege zu verbessern.
 

4: Untersuchung der Kosten von Langzeitpflegearrangements in Verbindung mit den erzielten Ergebnissen im häuslichen Setting.

Im Zentrum dieses Arbeitspakets steht die Ermittlung der Kosteneffektivität und Effizienz von Pflegearrangements innerhalb eines Landes und im Vergleich der drei Länder.
 

Zusammengefasst:

Die Ergebnisse des Projektes EXCELC sollen dazu beitragen, politischen EntscheidungsträgerInnen wie auch DienstleistungsanbieterInnen ergebnisbezogene, ökonomisch fundierte Entscheidungen im Bereich der Langzeitpflege zu ermöglichen. Die ASCOT-Erhebungsinstrumente, um Lebensqualität in der häuslichen Betreuung messbar zu machen, stehen nun für den deutschsprachigen Raum zur Verfügung.
 

Projektlaufzeit: 1.4.2015-31.8.2018

Verlängerung der Projektlaufzeit für Publikationen bis 31.12.2020
 

Finanzierung: Finanziert wurde das Projekt aus dem europäischen Programm NORFACE (New Opportunities for Research Funding Agency Cooperation in Europe), FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) und dem FSW (Fonds Soziales Wien).
 

Team :

Dr. Birgit Trukeschitz – Projektleitung „EXCELC-Austria“ Kontakt
 

Assma Hajji

Judith Kieninger

Judith Litschauer

Univ.Prof. Dr. Ulrike Schneider

Adiam Schoch, BA
 

EXCELC - ProjektpartnerInnen:

University of Kent (UK) - Koordination

LSE - London School of Economics and Political Science (UK)

WU - Wirtschaftsuniversität Wien (Forschungsinstitut für Altersökonomie) (A)

THL - Finnish Institute for Health and Welfare (Finland)
 

Für weitere Informationen siehe: http://www.excelc.eu/