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Verantwortung und Kompetenz für besondere Kinder und Jugendliche - eine SROI-Analyse

Foto (v.l.n.r.): Christian Schober, Studienautor und wissenschaftlicher Leiter des NPO&SE Kompetenzzentrums, Mag. Gregor Berger, ehem. Patient des VKKJ-Ambulatoriums Strebersdorf, Primaria FÄ Evita Diel, Ärztliche Leiterin VKKJ-Ambulatorium Amstetten, Ena Pervan MSc Studienautorin und Mag. Andreas Steuer, Geschäftsführer VKKJ

Das NPO & SE Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) erhielt von der VKKJ – Verantwortung und Kompetenz für besondere Kinder und Jugendliche, den Auftrag die gesellschaftlichen und ökonomischen Wirkungen der VKKJ in Niederösterreich und Wien zu analysieren. Der Beobachtungszeitraum bezieht sich auf das Jahr 2013.

Die Evaluation erfolgte mittels einer Social Return on Investment (SROI)-Analyse, deren Ziel es ist, den durch die VKKJ geschaffenen gesellschaftlichen Mehrwert möglichst umfassend zu erfassen und zu bewerten. Die Methode will neben den finanziellen, explizit auch die sozialen Wirkungen der Organisation messen. Die vorliegende Analyse orientiert sich am von Schober/Then (2015) herausgegebenen „Praxishandbuch Social Return on Investment“. Ein wesentlicher Punkt ist die Identifikation der wichtigsten Stakeholder zu Beginn. Für jede Stakeholdergruppe wird der investierte Input dem erzielten Output sowie dem Outcome (Wirkungen) in einer Wirkungskette gegenübergestellt. Die solcherart identifizierten Wirkungen werden verifiziert, ergänzt, quantifiziert und zum Schluss soweit möglich und sinnvoll in Geldeinheiten bewertet. Somit kann letztlich der monetäre Wert der aggregierten Wirkungen dem gesamten in Geldeinheiten vorliegenden Input gegenübergestellt werden. Die sich ergebende Spitzenkennzahl ist der SROI-Wert, der als Verhältniskennzahl angibt, wie die monetarisierten Wirkungen proportional zu den investierten Geldern sind. Ein Wert von 1:2 signalisiert doppelt so wertvolle gesellschaftliche Wirkungen wie Investitionen.

Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden folgende Forschungsfragen gestellt und beantwortet:

  • Die Forschungsfrage 1lautet: „Welche Wirkungen bzw. welchen Nutzen entfaltet die VKKJ bei den relevanten Stakeholdergruppen?“

  • Die Forschungsfrage 2lautet: „Lassen sich die im Rahmen der VKKJ erzielten Wirkungen sinnvoll und valide messen und monetarisieren?“

  • Die Forschungsfrage 3lautet: „Welcher monetarisierte Gesamtnutzen ergibt sich aus einem in die VKKJ investierten Euro?“

Als Alternativszenario wird angenommen, dass es keine VKKJ gibt. Die PatientInnen der Ambulatorien und KlientInnen des Tagesheims müssten entsprechend, soweit Kapazitäten vorhanden sind, in anderen Betreuungssettings untergebracht werden. Dies wären andere Ambulatorien oder niedergelassene ÄrztInnen und TherapeutInnen für die PatientInnen der Ambulatorien. KlientInnen des Tagesheims könnten, soweit Kapazitäten vorhanden, in Werkstätten für Menschen mit Behinderung beziehungsweise in anderen Tagesheimen unterkommen. Nachdem nicht alle PatientInnen und KlientInnen anderswo untergebracht werden könnten, würden Angehörige ebenfalls einen erhöhten Pflege- und Betreuungsaufwand übernehmen müssen.

Die Studie zeigt welche vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten die VKKJ erfüllt. Sie identifiziert darüber hinaus vor allem Wirkungen für unterschiedliche Gruppen, die mit der VKKJ in Kontakt stehen, sogenannten Stakeholdern. Als Stakeholder wurden folgende Gruppen identifiziert: PatientInnen der Ambulatorien, KlientInnen des Tagesheimes, Angehörige, MitarbeiterInnen, Krankenhäuser, Bund, die Bundesländer Niederösterreich und Wien, Sozialversicherungsträger, Arbeitsmarkservice, LieferantInnen, niedergelassene ÄrztInnen, die VKKJ, SpenderInnen und KooperationspartnerInnen. Im Verlauf der Studie zeigte sich relativ rasch, dass aufgrund der Datenlage bei den VKKJ sowie einer zufriedenstellenden Datenlage im Sekundärmaterialbereich vielfach eine sinnvolle Quantifizierung und Monetisierung der Wirkungen möglich ist.

Insgesamt ergeben sich auf Basis der hier durchgeführten Erhebungen und Berechnungen für das Jahr 2013 monetarisierte Wirkungen in der Höhe von rund 151 Mio. Euro. Demgegenüber stehen Investitionen von rund 14 Mio. Euro. Durch die Gegenüberstellung der gesamten Investitionen aus dem Jahr 2013 zur Summe der monetarisierten Wirkungen, ergibt sich ein SROI-Wert von 10,67. Dies bedeutet, dass jeder investierte Euro Wirkungen im monetarisierten Gegenwert von 10,67 Euro schafft. Die Investitionen kommen somit als positive gesamtgesellschaftliche Wirkungen mehr als zehnfach wieder zurück. Dies ist ein vergleichsweise extrem hoher Wert. Hauptgrund hierfür ist der stark präventive Charakter der Leistungen von VKKJ. Hierbei sind langfristige Wirkungen noch nicht einbezogen. Die bedeutendsten positiven Wirkungen entstehen für die PatientInnen, gefolgt von den Angehörigen. Beide Stakeholder vereinen gemeinsam um die 98% der Gesamtwirkungen auf sich. Zusammenfassend wird deutlich, dass die Arbeit von VKKJ extrem wirkungsvoll ist.

Die monetarisierten Wirkungen der Organisationen, bezogen auf das Jahr 2013, waren rund 10,7 Mal so hoch wie die getätigten finanziellen Investitionen. Werden einzelne langfristige Wirkungen in die Analyse miteinbezogen, liegt der SROI-Wert je nach Szenario zwischen 11,17 und 21,21.

Kontakt

Mag.Dr.rer.soc.oec. Christian Schober
Christian Schober
Wissenschaftlicher Leiter, Senior Researcher
Aufgaben: Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Evaluation, SROI-Analysen, Finanzierung, Spendenverhalten, Arbeitszufriedenheit und Motivation, Altenpflege und –betreuung, Menschen mit Behinderung bzw. Barrierefreiheit