Hintere Außenansicht des D2 Gebäudes

Wirkungen der offenen und verbandlichen Jugendarbeit

Das Messen und Analysieren der Wirkungen, die aus den Maßnahmen und Aktivitäten der Jugendarbeit resultieren stellt für viele Organisationen und Projekte eine Herausforderung dar. Vor allem was die Messung mittel- und langfristiger Wirkungen betrifft, reichen die Ressourcen oft nicht aus. Auf Grund dessen und auf Basis der Erkenntnisse aus einem Vorgängerprojekt mit dem bundesweiten Netzwerk Offenen Jugendarbeit (bOJA) entstand die Idee zu dem nun abgeschlossenen Projekt, das vom Bundesministerium für Familien und Jugend gefördert wurde.

Ziel des Projekts war die Identifikation von (gesamtgesellschaftlichen) Wirkungen der offenen und verbandlichen Jugendarbeit auf Basis von Evidenzen. Dies bedeutet, dass anhand von wissenschaftlicher sowie grauer Literatur die wesentlichen Wirkungen diverser Maßnahmen der Jugendarbeit sowie maßnahmenübergreifender Jugendarbeit recherchiert und verortet wurden. Im Anschluss wurde die Literaturrecherche durch ein aktives Nachfassen nicht veröffentlichter Ergebnisse bei den untersuchten Organisationen bzw. Projekten ergänzt. Um die Wirkungen anhand von ver-schiedenen Dimension kategorisieren und darstellen zu können, kam das Konzept der Wirkungsbox zur Anwendung.

Die Wirkungsbox-Ebenen der Wirkungsbetrachtung:

Die konkreten Wirkungen wurden anhand der Dimensionen Zeit (kurz-, mittel-, langfristig), Struktur (Mikro, Meso, Makro) und Inhalt (ökonomisch, sozial, politisch etc.) verortet. Darüber hinaus wurden für die jeweiligen Wirkungen, wo verfügbar, die Methode der Wirkungsmessung sowie die eingesetzten Erhebungsinstrumente, erfasst. Die identifizierten Wirkungen wurden zudem nach Zielgruppen und regionaler Verteilung der untersuchten Maßnahmen differenziert.
Die relevante Literatur wurde erstens in wissenschaftlichen Datenbanken sowie in einschlägigen wissenschaftlichen Journalen recherchiert. Zweitens wurden relevante Sammelbandbeiträge, Monographien und Fachhefte herangezogen. Darüber hinaus wurden drittens Wirkungen direkt aus den Tätigkeitsberichten einzelner Organisationen bzw. Projekte eruiert.

So konnten insgesamt 1.380 Wirkungen aus 201 Literaturbeiträgen, welche im Zeitraum 1999-2017 veröffentlicht wurden, identifiziert und in die Wirkungsbox aufgenommen werden. Der Großteil dieser Wirkungen stammte sowohl aus englisch- als auch aus deutschsprachigen Forschungsberichten und Journal-Artikeln. Diese Detailwirkungen wurden in 19 Hauptwirkungen gegliedert. Inhaltlich handelt es sich insbesondere um Wirkungen zur Förderung der persönlichen Entwicklung sowie des Erwerbs von sozialen und personalen Kompetenzen, aber auch um Know-How-Gewinn durch den Erwerb diverser (Fach-)Kompetenzen, durch informelle Lernprozesse sowie durch diversitätsorientiertes und interge-nerationales Lernen. Neben Persönlichkeitsbildung und Lernen nehmen auch Wirkungen zur Förde-rung der Partizipation, sei es in Form von gesellschaftlicher oder politischer Partizipation, sowie von verbesserter Mitsprache und Mitgestaltung oder von sozialer Teilhabe und Inklusion einen besonderen Stellenwert ein. Die identifizierten Wirkungen lassen sich nach der Logik der Wirkungsbox folgendermaßen klassifi-zieren:

  • Es handelt sich in erheblichem Ausmaß um positive Wirkungen, die eher Einzelpersonen als Stakeholdergruppen ansprechen und sich demzufolge auf der Mikroebene verorten lassen.

  • Hinsichtlich der zeitlichen Einordnung, sind die Wirkungen großteils kurz- bis mittelfristig ausgerichtet.

  • Inhaltlich lassen sich die meisten Wirkungen in den Dimensionen "sozial" und "kulturell" sowie "psychisch/physiologisch" verorten.

Vereinzelt wurden Wirkungen auch monetär, d.h. in Geldeinheiten, bewertet. Hinsichtlich der eingesetzten Methoden konnte festgestellt werden, dass sowohl von quantitativen als auch qualitativen Ansätzen in ähnlichem Ausmaß Gebrauch gemacht wurde. Knapp ein Drittel der Literaturbeiträge ha-ben sich einem mixed methods Ansatz bedient.

Am Ende der Studie steht ein Bericht sowie eine befüllte Wirkungsbox in Form einer Datenbank, in welcher die Ergebnisse der Literaturrecherche gesammelt dargestellt sind. Diese sollen vor allem den Organisationen bzw. den TrägerInnen der offenen und verbandlichen Jugendarbeit als Arbeitsinstrument dienen. Die Ergebnisse der Studie wurden in November 2017 im Bundesministerium für Familien und Jugend präsentiert und sind zur Zeit nicht veröffentlicht.

Kontakt
Mag.rer.soc.oec. Olivia Rauscher

Olivia Rauscher

Senior Researcherin
Aufgaben: Social Impact Measurements mit Fokus auf SROI-Analysen, Durchführung von Evaluationen, Soziale Ungleichheit, Armutsbekämpfung, Gesundheitsförderung und Prävention
Flavia-Elvira Bogorin, BA, MSc (WU)

Flavia-Elvira Bogorin

Researcherin
Aufgaben: Kinder, Jugend und Familie, Altenpflege- und Betreuung, Freiwilligenarbeit, Zivilgesellschaft, Erwerbsarbeit und Inklusion, Gesundheitsförderung und Prävention