Seitlicher Blick auf das D4 Gebäude.

Univ.-Prof. Dr. Gabriel Obermann verstorben (1947–2026)

28/01/2026

Senatsvorsitzender, Vizerektor für Budget, 1997 bis 1998 interimistischer Rektor der WU

Gabriel Obermann – ein Nachruf

Kostal, Thomas

Wir trauern um Univ. Prof. Dr. Gabriel Obermann.

Gabriel Obermann wurde am 23. September 1947 in Budapest geboren. Seine Schulzeit absolvierte er in Wien und maturierte 1967 am Technologischen Gewerbemuseum. Danach studierte er als Werkstudent Betriebswirtschaft an der Hochschule für Welthandel. Das Diplomstudium schloss er 1971 ab. 1973 folgte das Doktorat mit dem Schwerpunkt Volkswirtschaft. Mit nur kurzen Unterbrechungen durch mehrere Forschungsaufenthalte im Ausland und einer Lehrstuhlvertretung an der Universität Linz verbrachte Gabriel Obermann sein gesamtes berufliches Leben an der WU am Institut für Finanzwissenschaft. Am Beginn seiner akademischen Laufbahn war er Universitätsassistent bei Professor Schöpf, dem Institutsgründer. Nach seiner Habilitation für Finanzwissenschaft und Neue Politische Ökonomie 1986 wurde er 1990 als Extraordinarius für Finanzwissenschaft und öffentliche Wirtschaft am Institut für Finanzwissenschaft berufen. Nach der Emeritierung von Professor Schöpf 1993 leitete er das Institut für Finanzwissenschaft und öffentliche Wirtschaft bis zur Einführung der neuen Departmentstruktur an der WU.

In Forschung und Lehre waren Gabriel Obermann die „klassische“ Finanzwissenschaft und insbesondere die öffentliche Wirtschaft ein besonderes Anliegen. Seine Publikationen und sein Engagement in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Kommissionen und Beiräten im Bereich der öffentlichen Wirtschaft belegen dies eindrucksvoll. Beispielsweise verfasste er gemeinsam mit Karl Soukup das zentrale Werk zu den institutionellen Anpassungserfordernissen und wirtschaftlichen Auswirkungen der europäischen Integration auf den öffentlichen Unternehmenssektor in Österreich. Viele Jahre war er Mitglied und später Vorsitzender der internationalen wissenschaftlichen Kommission „Öffentliche Dienstleistungen/Öffentliche Unternehmen“ des „International Centre of Research and Information on the Public, Social and Cooperative Economy“ (CIRIEC) in Liege/Belgien und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Verbandes der Öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft in Österreich (VÖWG).

Durch seine zahlreichen Beratungstätigkeiten und Praxiskontakte versuchte er stets eine Verbindung zwischen Forschung und Praxis herzustellen. Das reichte von seiner Tätigkeit als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Budgetpolitik des Beirates für Wirtschafts- und Sozialfragen bis hin zum Aufbau und der wissenschaftlichen Leitung des postgradualen Professional MBA „Public Auditing“ an der WU in Kooperation mit dem Rechnungshof Österreich.

Nicht weniger wichtig war Gabriel Obermann die universitäre Verwaltung, in der er zahlreiche Funktionen bis an die Spitze der WU einnahm. Er war von 1997 bis 1998 interimistischer Rektor, Vizerektor für Budgetangelegenheiten, stellvertretender Vorsitzender des Universitätskollegiums bzw. des Senats, Vorsitzender der Budgetkommission sowie jahrelanger Vorsitzender des Fachbereiches Volkswirtschaft und später Vorstand des Departments Volkswirtschaft um nur seine leitenden Funktionen an der WU zu nennen. In all diesen Funktionen zeichnete er sich durch seine akribische Vorbereitung und seine konsensuale und integrierende Art aus.

Nach seiner Pensionierung im Jahr 2012 war Gabriel Obermann noch ein paar Jahre regelmäßig an der WU und betreute weiterhin sein Wahlfach „Infrastrukturökonomik und Öffentliche Wirtschaft“. Ein großes Anliegen war ihm auch die Übersiedlung „seines“ Instituts auf den neuen Campus der WU. Leider konnte er den neuen Campus nur mehr kurze Zeit genießen, da ein unerwarteter gesundheitlicher Schicksalsschlag seinem „mobilen Leben“ ein jähes Ende setzte. Weitere gesundheitliche Probleme und der Tod seiner Frau dürften schließlich seinen Lebenswillen gebrochen haben. Gabriel Obermann starb am 17. Jänner 2026 im 79. Lebensjahr. Die akademische Welt, die wissenschaftliche Gemeinschaft der öffentlichen Wirtschaft und vor allem die WU haben eine allseits geschätzte Persönlichkeit verloren.

Gabriel Obermann

© WU
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