Im Rahmen dieser Dissertation sollen die Ausbildungspläne von Hauptschüler/innen unmittelbar vor deren Übergang an der ersten Schwelle erhoben und folgende Fragestellungen beantwortet werden:
Die theoretische Grundlage für die vorliegende Dissertation bilden die Berufswahltheorien, insbesondere die Allokationstheorie der Berufswahl. Die Erhebung der empirischen Daten zur Beantwortung obiger Fragestellungen erfolgte in Wien und Niederösterreich.
Dr. Johanna Rechberger
AbsolventInnen von Handelsakademien (HAK) und Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe (HLW) erwerben im Rahmen ihrer Schulzeit sowohl eine Berufsausbildung als auch die Studienberechtigung an Universitäten und Fachhochschulen. Dementsprechend kommt den kaufmännischen Schulfächern nicht nur die Funktion der beruflichen Bildung, sondern auch jene der Erleichterung des Einstiegs in ein wirtschaftswissenschaftliches Studium zu. Konkret sollten somit Studierende mit wirtschaftlichem Vorwissen bessere universitäre Leistungen in Buchhaltung an der WU Wien erzielen, als Studierenden ohne wirtschaftliche Vorkenntnisse. Nach transfertheoretischen Überlegungen ist diese These durchaus zu unterstützen.
In zwei Studien – durchgeführt in der Lehrveranstaltung Accounting and Management Control I (AMC I) an der WU Wien – konnte festgestellt werden, dass die erwarteten Transfereffekte bei Studierenden mit Vorwissen zwar auftraten, d. h. Studierende mit Vorwissen aus Rechnungswesen – vor allem HAK-AbsolventInnen – erreichten teilweise signifikant bessere Leistungen als Studierende ohne Vorwissen, jedoch war das Ausmaß des Lerntransfers gering. Aus diesem Grund beschäftigt sich dieses Dissertationsprojekt mit der Fragestellung des Einflusses des schulischen Vorwissens aus Rechnungswesen auf den Erwerb bzw. die Anwendbarkeit der Lerninhalte in der Lehrveranstaltung AMC I.
Das Forschungsprojekt verfolgt das ambitionierte Ziel, ein Konzept zu entwickeln und zu evaluieren, das sowohl Unterrichts-/Schulentwicklung (Input- und Prozessorientierung) als auch externe Evaluation (Outputorientierung) ermöglichen und miteinander verknüpfen kann. Zentrale Komponenten sind hierbei ein Kerncurriculum inkl. Kompetenzmodell, eine umfassende Beispielsammlung sowie die Durchführung einer Lernstandserhebung. Das Konzept bezieht sich konkret auf den II. Jahrgang Betriebswirtschaft in der Handelsakademie und wird im Schuljahr 2009/10 in Wiener Schulen im Rahmen einer quasi-experimentellen Studie eingesetzt und evaluiert. Insbesondere sollen der Einfluss der einzelnen Instrumente auf die Schüler/innenleistungen sowie deren Akzeptanz durch die Stakeholder (Direktor/innen, Lehrer/innen, Schüler/innen) erhoben werden. Hierfür ist der Einsatz eines Methodenportfolios geplant, das sich sowohl am quantitativen als auch am qualitativen Paradigma orientiert.
Mag. Barbara Müllauer
Mag. Christiane Schopf
Zur Sicherung der Qualität des noch sehr jungen Masterstudiums Wirtschaftspädagogik wird eine neue Strategie der Evaluation erprobt: Es geht nicht nur darum, einzelne Lehrveranstaltungen zu evaluieren, sondern vielmehr darum, auszuloten, ob die im Studienprogramm vorgegebenen Ausbildungsziele auch tatsächlich erreicht werden (Programmevaluation). Daher wurden für das Masterstudium Wirtschaftspädagogik Lernziele (Outcomes) formuliert, die als „Benchmark“ für die tatsächlich erreichten Lernergebnisse der Studierenden im Bereich der beruflichen Handlungskompetenz fungieren. Um der Komplexität des Evaluationsgegenstandes gerecht zu werden, verbindet das Forschungsdesign Elemente der Perspektiven- mit jenen der Methodentriangulation (Einsatz zB von Fragebögen, leitfadengestützten Interviews, Unterrichtsbeobachtungen, Dokumenten- und Videoanalysen). Der erste Jahrgang des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik wird in diesem Projekt über die Studiendauer von 5 Semestern (WS 07/08 bis WS 09/10) begleitet.
Durch eine steigende Zahl an Studierenden werden an vielen Universitäten Multiple-Choice-Klausuren zur Leistungsüberprüfung eingesetzt und entscheiden daher über den weiteren Studienverlauf des Prüflings. Auch an der Wirtschaftsuniversität in Wien ist dieser Prüfungsmodus in der Studieneingangsphase zum Normalfall geworden. Viele kritische Stimmen verlauten, dass diese Prüfungsform im Gegensatz zu offenen Prüfungen nicht in der Lage sei, das Wissen, die Fertigkeiten und die Fähigkeiten des Prüflings im jeweiligen Fachgebiet zu messen.
Diese Dissertation hat sich daher zum Ziel gesetzt, das in Accounting and Management Control I (AMC 1) erworbene Prüfungswissen mittels offener und geschlossener Fragen zu testen und zu analysieren, ob die Kritiken berechtigt sind. Zu diesem Zweck wurde eine Klassifikationsmatrix entwickelt, die das Anforderungsniveau eines Rechnungswesen-Beispiels zunächst bestimmt, um dann die folgenden Fragen beantworten zu können: über welches Wissen, welche Fertigkeiten/Fähigkeiten verfügen die Studierenden nach der Absolvierung von AMC 1? Welches fachspezifische Faktenwissen, Routinewissen und Transferwissen können die Studierenden einsetzen? Inwieweit sind die derzeit eingesetzten MC-Fragen valide Indikatoren für das Wissen, die Fertigkeiten und Fähigkeiten? Und welche didaktischen Schlussfolgerungen ergeben sich aus den erhobenen Daten?
Seit Jahrzehnten kann nicht nur international sondern auch in Österreich ein Trend zur formalen Höherqualifizierung festgestellt werden. Immer mehr AbsolventInnen von Fachhochschulen und Universitäten drängen auf den Arbeitsmarkt. Durch die Implementierung des Bachelors als Erstabschluss auf der Tertiärebene wird sich die Zahl der AkademikerInnen am Arbeitsmarkt noch weiter erhöhen. Die Verortung des Bachelors am östereichischen Arbeitsmarkt wurde bis dato jedoch nur unzureichend thematisiert. Genausowenig wie die möglichen Auswirkungen der Implementierung der neuen Abschlüsse auf die nationale Qualifizierungsstrategie.
Im Rahmen dieses Dissertationsprojekts wird aus Sicht der Qualifi kations-, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Frage nachgegangen, ob mit einem Konkurrenzverhältnis zwischen diesen Abschlüssen gerechnet werden kann und welche curricular-didaktischen Herausforderungen sich dadurch ergeben.