Wirtschaft und Gesellschaft
Im Komplementärfach „Wirtschaft und Gesellschaft“ erwerben Studierende Kenntnisse und Fähigkeiten im breiten Spektrum sozialwissenschaftlicher Theorien und Forschungsmethoden, welche die Standardmodelle und Ansätze der Wirtschaftswissenschaften sinnvoll ergänzen. Sie lernen sozioökonomische Problemstellungen und Herangehensweisen kennen, die sich mit dem komplexen Zusammenspiel von Wirtschaft und Gesellschaft befassen, in dem historische und kulturelle Faktoren ebenso eine Rolle spielen wie politische und rechtliche Rahmensetzungen. Sie setzen sich mit Problemen der wirtschaftlichen Entwicklung und Ungleichheit in Raum und Zeit sowie aktuellen umwelt- und sozialpolitischen Herausforderungen auseinander, welche in historisch und regional vergleichender Perspektive betrachtet, institutionentheoretisch und politökonomisch analysiert und im Hinblick auf globale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit bewertet werden.
Warum Wirtschaft und Gesellschaft wählen?
Diese Spezialisierung gibt eine grundlegende Einführung in sozioökonomische Perspektiven auf Wirtschaft in konzeptioneller, empirischer und methodischer Hinsicht. Sie vereint verschiedene sozial- und kulturwissenschaftliche Disziplinen (Ökonomie, Soziologie, Geographie, Geschichte) und interdisziplinäre Forschungsfelder (z.B. Ungleichheit, Entwicklung, Nachhaltigkeit). Gemeinsam ist diesen Perspektiven, dass sie Wirtschaften als eingebettet in soziale, politische und ökologische Kontexte ansehen, die durch geographische Bedingungen und historische Prozesse geformt sind. Hierbei spielen insbesondere Institutionen als Rahmenbedingungen wirtschaftlichen und sozialen Handelns und politischer Gestaltung eine besondere Rolle, etwa in der Frage, warum globale Prozesse wie Industrialisierung, Globalisierung und Strukturwandel lokal sehr unterschiedliche Auswirkungen haben oder wie sich volkswirtschaftliche und wohlfahrtsstaatliche Systeme im Vergleich entwickeln und ökologisch nachhaltiger werden können, ohne soziale Ziele zu beeinträchtigen.
Studierende von „Wirtschaft und Gesellschaft“ erweitern ihr Verständnis für die unterschiedlichen Ausgestaltungen des Wirtschaftens in Raum und Zeit und für das damit verbundene Wechselspiel zwischen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Umwelt. Studierende lernen, unterschiedliche Elemente und Prozesse der Wirtschaft aus verschiedenen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Perspektiven zu reflektieren. Damit lernen sie theoretisches und empirisches Wissen über Wirtschaft und Gesellschaft zu verstehen, einzuordnen und auf dieser Basis selbst zu produzieren. Derartiges Wissen ist immer von Nutzen, wo in wirtschaftlichen Zusammenhängen mitgedacht werden muss, welche sozialen und politischen Rahmenbedingungen, räumlichen Unterschiede und/oder historischen Vorbedingungen für Anpassungen, Szenarien und Initiativen berücksichtigt werden müssen - also eigentlich immer.
Ausbildungsziele
Die Studierenden sind nach Abschluss dieses Komplementärfachs in der Lage
verschiedene sozialwissenschaftliche Paradigmen in der Literatur wiederzuerkennen und deren jeweilige Stärken und Schwächen zu benennen;
unterschiedliche theoretische Perspektiven auf eine Vielzahl sozialer Phänomene und Problemlagen anzuwenden und zur Entwicklung eigener Erklärungs- und Deutungsansätze zu nutzen;
ein institutionenbasiertes Verständnis von Wirtschaften als soziales Handeln im Kontext sozialer Strukturen, Normen und Kulturen sowie politischer und rechtlicher Rahmensetzungen zu begründen;
die Relevanz institutionentheoretischer Konzepte für sozioökonomische Problemstellungen darzulegen und mit Bezug auf aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen zu illustrieren;
die Einbettung von Märkten und Wirtschaft in historisch und geographisch differenzierte soziale, politische und ökologische Kontexte zu beschreiben und die Rolle von Institutionen für wirtschaftliches Handeln in diesen Kontexten zu erläutern;
die Entwicklung der europäischen Wirtschaft im globalen Kontext sowie die Ursachen und Folgen von Industrialisierung, Marktintegration und Strukturwandel in der Geschichte zu skizzieren;
die sehr unterschiedlichen Auswirkungen der Globalisierung in einzelnen Staaten und Regionen zu beschreiben und zu analysieren und die geographische Konzentration wirtschaftlicher Akteure ökonomisch zu begründen und durch Fallbeispiele im Globalen Norden zu illustrieren;
Perspektiven der politischen Ökonomie und Ökologie zu nutzen, um den Zusammenhang von Wirtschaft und Umwelt systematisch zu erschließen und auf Fragen der Verteilung und Ungleichheit zu beziehen;
darzulegen, wie sich ökologische Herausforderungen mittels umweltökonomischer und -politischer Konzepte und Instrumente addressieren lassen, und bestehende Strategien auf ihre Wirkungen zu untersuchen;
(sozio)ökonomische Theorien und Modelle (z.B. zum eco-social welfare state) auf sozialpolitische Fragestellen anzuwenden;
sozialpolitische Ansätze vor dem Hintergrund wirtschafts-, sozial- und umweltpolitischer Nachhaltigkeitsanliegen zu analysieren und zu diskutieren und im Hinblick auf Gerechtigkeit, Effizienz und Zukunftsfähigkeit zu bewerten;
die erworbenen Recherche-, Argumentations- und Schreibfähigkeiten auf spezifische sozioökonomische Fragestellungen eigenständig anzuwenden.
Struktur und Inhalte
Sequenzierung
Derzeit gibt es in diesem Komplementärfach keine Voraussetzungsketten, alle Kurse können in beliebiger Reihenfolge absolviert werden. Es werden alle Kurse in jedem Semester angeboten, wobei es jeweils deutsch- und englischsprachige Varianten geben soll.
Struktur und Inhalte
Ab Wintersemester 2026/27
Ab dem Wintersemester 2026/27 wird das Kursangebot einer aktualisierten Struktur folgen. Für Studierende, die bereits bis zum Sommersemester 2026 Kurse absolviert, die Spezialisierung aber noch nicht abgeschlossen haben, werden schon abgeschlossene Kurse ohne Einschränkungen anerkannt werden. Siehe dazu weiter unten.
Kurs I – Theoretische Perspektiven
In diesem Kurs werden theoretische Grundlagen eines sozialwissenschaftlichen Zugangs (oder der Vielfalt dieser Zugänge) zu Wirtschaft und Gesellschaft vermittelt. Es werden verschiedene Perspektiven eingeführt, die jeweils unterschiedliche Aspekte des Problems betonen, z.B. eher ins Detail oder auf das größere Ganze gehen. Zusammen vermitteln sie ein umfassenderes Verständnis wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Kurs II – Institutionen der Wirtschaft
In diesem Kurs wird Wirtschaft als in Institutionen eingebettete gesellschaftliche Handlungssphäre betrachtet, welche von vielerlei Regelungen und Strukturen bestimmt ist. Diese sind teils formaler Natur (Staat, Recht, Politik), teils wirken sie auf informelle Weise (Kultur, Werte, Normen). Zu den Institutionen der Wirtschaft gehören beispielsweise auch Geld und Eigentum, Arbeit und Konsum, die unsere Gesellschaft tiefgreifend prägen.
Kurs III – Wirtschaftliche Entwicklung
In diesem Kurs steht die wirtschaftliche Entwicklung in Raum und Zeit im Vordergrund. Es geht also darum, wie sich Wirtschaftssysteme in historischer oder regionaler Betrachtung ausdifferenzieren und verändern. Wirtschaftliche Entwicklung (z.B. Globalisierung, Deindustrialisierung) geht mit Herausforderungen einher, die politische, ökologische und kulturelle Dimensionen haben und gesellschaftliche Transformationen implizieren können.
Kurs IV – Umwelt und Verteilung
In diesem Kurs ist die ökologische Einbettung von Wirtschaft und Gesellschaft, also der menschliche Austausch mit der Natur, der Ausgangspunkt, was eine Veränderung des theoretischen Blickwinkels nach sich zieht. Ausgehend von der materiellen und energetischen Seite des Wirtschaftens liegt der Fokus auf Implikationen für Klima- und Umweltpolitik wie auch Verteilungsfragen, die sich mit der Endlichkeit von Wachstum und Ressourcen stellen.
Kurs V – Wohlfahrt und Nachhaltigkeit
In diesem Kurs liegt der Ausgangspunkt in Fragen, die klassischerweise den sozialen Aspekt der Marktwirtschaft betreffen, womit zunächst wohlfahrtsstaatliche Entwicklungen des zwanzigsten Jahrhunderts angesprochen sind. Neben der wirtschaftlichen und finanziellen Tragfähigkeit gegenwärtiger Formen institutionalisierter Solidarität gewinnen Fragen der globalen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit bestehender Wohlfahrtsregime an Bedeutung.
Übergangsregelung
Bis einschließlich Sommersemester 2026 folgte das Kursangebot dem nachfolgenden Schema:
Kurs I – Wirtschaftssoziologie
Kurs II – Sozialpolitik
Kurs III – Wirtschaftsgeographie
Kurs IV – Wirtschaftsgeschichte
Kurs V – Einführung in die empirische Sozialforschung
Bei der Übertragung in das neue Kursschema gibt es folgende Verknüpfungen. Diese dienen dazu, inhaltliche Dopplungen zu vermeiden und gleichzeitig für Studierende, die bis zum Sommersemester 2026 bereits Kurse absolviert haben, die noch abzuschließenden Kurse zu bestimmen.
| Kursschema bis Sommersemester 2026 | Kursschema ab Wintersemester 2026/27 |
| Kurs I: Wirtschaftssoziologie | Kurs II: Institutionen der Wirtschaft |
| Kurs II: Sozialpolitik | Kurs V: Wohlfahrt und Nachhaltigkeit |
| Kurs III: Wirtschaftsgeographie | Kurs IV: Umwelt und Verteilung |
| Kurs IV: Wirtschaftsgeschichte | Kurs III: Wirtschaftliche Entwicklung |
| Kurs V: Einführung in die empirische Sozialforschung | Kurs I: Theoretische Perspektiven |
Anmeldung zur Spezialisierung
Voraussetzung für die Anmeldung zu Spezialisierungen und Komplementärfächern sind mind. 20 ECTS aus dem CBK inklusive der Lehrveranstaltungen „Jahresabschluss und Unternehmensberichte“, „Mathematik“ und „Statistik“.
Spezialisierungen wählt man, indem man sich via LPIS für den Kurs „Einstieg in die Spezialisierung: (Name der Spezialisierung)“ bzw. „Access to Specializations: (Name der Spezialisierung)“ anmeldet. Nachdem Sie beim Einstieg in die Spezialisierung mit „mit Erfolg teilgenommen“ beurteilt worden sind, können Sie die jeweilige Spezialisierung in LPIS auswählen und sich zu den Kursen anmelden.
Mehr Informationen dazu finden Sie auch unter: Bachelorguide
Die Platzzuteilung („mit Erfolg teilgenommen“) erfolgt nach dem First-Come-First-In Prinzip.
Kontakt
Univ.Prof. Sabine Frerichs
Institutsvorständin des Instituts Soziologie und Empirische Sozialforschung
Univ.Prof. Markus Lampe
Institutsvorstand des Instituts Wirtschafts- und Sozialgeschichte