Seitlicher Blick auf das D2 Gebäude.

ÖVO-Dialogveranstaltung zum Thema "Nachhaltig seit 1114: Die Wirtschaftsbetriebe des Stifts Klosterneuburg"

17/03/2026

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Am 16. März 2026 lud die ÖVO zu einer Dialogveranstaltung an die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien zum Thema „Nachhaltig seit 1114: Die Wirtschaftsbetriebe des Stifts Klosterneuburg“ ein. Das Stift, eines der ältesten in Österreich, steht vor der besonderen Herausforderung, spirituelle Tradition mit wirtschaftlicher Verantwortung zu verbinden. H.H. Dr. Elias Carr, Can.Reg., geboren in New York, promovierter Theologe und Augustiner-Chorherr am Stift, verantwortet als Kämmerer u.a. die Wirtschaftsbetriebe in Forstwirtschaft, Bio-Landwirtschaft, Weinbau und Immobilienwirtschaft.

Die Organisation der Betriebe zeigt einen bemerkenswerten Modernisierungs- und Professionalisierungsweg: Statt Chorherren leiten heute acht Fachleute – auch externe und nicht-katholische – als Betriebsleiter/innen die einzelnen Bereiche. Diese sind weitgehend selbstständig und ermöglichen eine Querfinanzierung zwischen den Bereichen. Eine starke Kultur der Selbstreflexion unter Einbezug externer Berater/innen treibt die kontinuierliche Organisationsentwicklung voran.

Pater Elias präsentierte zentrale Prinzipien, die das jahrhundertelange Bestehen ermöglichen: Partnerschaften mit anderen lokalen Organisationen – im Einklang mit christlichen Prinzipien – bilden eine zentrale Säule, ebenso wie die Portfolio-Diversifikation durch verschiedene Einkommensquellen zur Sicherung wirtschaftlicher Stabilität. Das Stift versteht sich als auf Dauer angelegtes und verselbständigtes Vermögen – als Stiftung eben –, und die Chorherren leben ohne persönliches Eigentum. Wertorientierte Projektauswahl nach ethischen Richtlinien prägt alle Entscheidungen. Die Identitätsstiftung erfolgt etwa durch Ordensnamen, die an zentrale Persönlichkeiten der Stiftsgeschichte und die Zugehörigkeit zu dieser Tradition erinnern, sowie durch die Vermittlung eines starken „Wir-Gefühls“. Schließlich ermöglichen Mut, Ausdauer und Geduld sowie die Orientierung am Jahreskreis statt an kurzfristigen Erfolgen ein langfristiges Denken.

Der Dialog machte deutlich: Institutionen, die in Jahrhunderten statt in Quartalen denken, bieten wertvolle Impulse für zeitgenössische Unternehmensführung. Die Kombination aus professioneller Dezentralisierung, ethischer Fundierung und langfristiger Perspektive zeigt Wege auf, wie Organisationen Beständigkeit mit Innovation verbinden können. Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine intensive Diskussion mit dem Publikum, darunter zahlreiche Studierende der WU Wien.

Gruppenbild mit Pater Elias Carr

Gruppenbild mit ÖVO-Vereinsmitgliedern und Pater Elias Carr

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