Linguistikzirkel 12.11.2020

29. Oktober 2020

12.11.20 (19.00-21.00, virtuell Zoom), Prof. Dr. Christoph Barmeyer, Madeleine Bausch, Sina Grosskopf (Universität Passau): 3 Kurzvorträge im Rahmen des Linguistikzirkels: Rahmenthema: „Gestaltung konstruktiver Interkulturalität in Arbeitskontexten“.

In der heutigen Welt ist Interkulturalität allgegenwärtig. Menschen aus verschiedenen Kulturen versuchen in Arbeitskontexten gemeinsam Lösungen für unterschiedlichste Problemstellungen zu erarbeiten. Dabei ist insbesondere der konstruktive Ansatz zum Interkulturellen Management hilfreich, der bei ebendiesen sozialen Aushandlungen auf Komplementaritäten und Synergien fokussiert, um Potenziale von Interkulturalität effektiv zu nutzen. Drei Kurzvorträge der interkulturellen Organisationsforschung, wie sie am Lehrstuhls für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Passau betrieben wird, behandeln konstruktive Interkulturalität in Arbeitskontexten:

1. kulturelle Erfahrungen als Ressource für Organisationen, 2. Komplementarität bei Alleo, einem deutsch-französischen Joint-Venture, sowie 3. Transfer organisationaler Praktiken im deutsch-brasilianischen Unternehmenskontext.

1. Bikulturalität als Ressource für Organisationen Menschen mit interkultureller Sozialisation weisen ein größeres Repertoire an Perspektiven auf, was Kreativität, Innovation und Lösungsorientierung positiv beeinflussen kann. So werden beispielsweise migrantische Entrepreneure in der akademischen Literatur als "Quelle der Vielfalt" beschrieben. Migranten erwerben neben ihrem eigenen kulturellen Bedeutungs- und Wertesystem ein weiteres: das der Aufnahmegesellschaft. Sie können – auch aufgrund ihrer vielfältigen Sprach- und interkulturellen Kompetenzen – zu bikulturellen Akteuren und sogenannten Boundary Spannern werden, die in Gegenwart und Zukunft Brücken zwischen Organisationen, Herkunfts- und Aufnahmegesellschaften bauen. Verhelfen also diese besonderen Kompetenzen zum Erfolg von Organisationen?

2. Interkulturelle Aushandlung in einer deutsch-französischen Organisation Wie gehen bi-nationale Organisationen konstruktiv und lösungsorientiert mit nationalen und branchenspezifischen Systemunterschieden um? Anhand einer Fallstudie, eines Joint Ventures der Deutschen Bahn und der französischen SNCF, der Alleo GmbH, wird exemplarisch gezeigt, wie kulturell und institutionell geprägte Systemunterschiede und Arbeitspraktiken in gemeinsamen interkulturellen Aushandlungsprozessen komplementär zusammengeführt und für Management und Organisation genutzt werden. Außerdem werden aus der Fallstudie gewonnene kontextspezifische Erfolgsfaktoren generiert, die interkulturelles organisationales Lernen fördern.

3. Transfer von Qualitätsmanagement zwischen Deutschland und Brasilien Der Transfer von Ideen, Produkten und Praktiken ist in der heutigen globalisierten Gesellschaft allgegenwärtig. Multinationale Unternehmen sind hierbei zentrale Akteure der Diffusion von globalen Managementpraktiken, welche im Rahmen der interkulturellen Zusammenarbeit nicht selten auf Herausforderungen stoßen. Organisationale Praktiken nehmen so in verschiedenen kulturellen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen an, welche die interkulturelle Zusammenarbeit erheblich beeinflussen. Die Vorstellung von Forschungsergebnissen aus Fallstudien deutscher Familienunternehmen in Brasilien gibt Aufschluss darüber, wie Praktiken des Qualitätsmanagements transferiert werden. Der Vortrag zeigt auf, welche Bedeutungsdivergenzen hinsichtlich Qualität in der deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit bestehen und wie internationale Organisationen die Herausforderungen konstruktiv meistern können.

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