Vorlesen

Nachruf

o.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Engel­bert Dockner (1958-2017)

Kondo­lenz­buch

Engel­bert Dockner ist am 16.4.2017 gestorben. Er hat den langen und mit bewun­derns­wertem Mut geführten Kampf gegen seine schwere Krank­heit verloren. Wir sind bestürzt und unfassbar traurig. Mit ihm verliert die WU einen heraus­ra­genden Menschen sowie einen über alle Maßen enga­gierten, außer­ge­wöhn­lich empa­thi­schen und geschätzten Wissen­schaftler, der welt­weit hohes Ansehen genoss. Unzäh­lige Studie­rende sowie Kolle­ginnen und Kollegen konnten von seinem großen, breit gefächerten Talent für das Fach Finanz­wirt­schaft und die Wirt­schafts­wis­sen­schaften allge­mein lernen.

Engel­bert Dockner begann seine Karriere 1983 an der WU als wissen­schaft­li­cher Mitar­beiter am Depart­ment für Volks­wirt­schafts­lehre, wo er sich 1993 für das Fach Economic Theory, Applied Econo­metrics and Opera­tions Rese­arch habi­li­tierte. Nach Profes­suren an den Univer­si­täten Saskat­chewan, Biele­feld und Wien konnte Engel­bert Dockner für die WU als Professor für Finance and Corpo­rate Stra­tegy gewonnen werden. Seine hohe inter­na­tio­nale wissen­schaft­liche Repu­ta­tion hat ihn zudem zahl­reiche Gast­pro­fes­suren bekleiden lassen: Austra­lian National Univer­sity, Univer­sität Magde­burg, Univer­sity of Cali­fornia at Berkeley oder Univer­sity of British Columbia sind als Beispiele zu nennen. Das wissen­schaft­liche Werk von Engel­bert Dockner dürfen wir an geeig­neter Stelle noch tiefer­ge­hend würdigen.

Engel­bert Dockner war unter anderem Präsi­dent der natio­nal­ö­ko­n­o­mi­schen Gesell­schaft sowie der Euro­pean Finance Asso­cia­tion und bis zuletzt Mitglied im Aufsichtsrat des FWF. Engel­bert Dockner wurde auch von der Praxis der Finanz­in­dus­trie sehr geschätzt. So beklei­dete er zahl­reiche Mandate in Aufsichts­räten und wissen­schaft­li­chen Beiräten von Banken und Vermö­gens­v­er­wal­tungs­ge­sell­schaften und konnte so die Brücke zwischen Wissen­schaft und Praxis schlagen. Wien als Zentrum seines Wirkens in den letzten Jahren hat sowohl als Wissen­schafts­standort als auch als Finanz­platz enorm von Engel­bert Dockner profi­tiert.

Sein großer posi­tiver Einfluss auf die Wissen­schaften und auf die kolle­giale Zusam­men­ar­beit zeigt sich beispiel­haft an der Entwick­lung des Insti­tute for Finance, Banking and Insurance der WU. Sowohl inter­na­tio­nale Wahr­neh­mung als auch Aner­ken­nung des Insti­tutes haben mit der Beru­fung Engel­bert Dock­ners an die WU einen Quan­ten­sprung erfahren. Bei Engel­bert Dockner standen immer die Weiter­ent­wick­lung der Finanz­wirt­schaft und damit die selbst­lose Förde­rung des wissen­schaft­li­chen Nach­wuchses im Vorder­grund. Mit ihm konnte die Zusam­men­ar­beit am Institut über alle Kurien hinweg inten­si­viert und die Vienna Graduate School of Finance (VGSF) als welt­weit aner­kannte Ausbil­dungs­stätte für Nach­wuchs­wis­sen­schaft­le­rinnen und Nach­wuchs­wis­sen­schaftler dauer­haft an der WU etabliert werden. Mit der Einfüh­rung des Port­folio Manage­ment Programms (gegründet gemeinsam mit Peter Pühringer und Josef Zechner) an der WU wurden neue Wege einer ökon­o­misch fundierten und praxis­nahen Ausbil­dung in der Vermö­gens­v­er­wal­tung beschritten, von der bereits Gene­ra­tionen von Studie­renden profi­tiert haben.

Engel­bert Dockner ist das Muster­bei­spiel für Perso­nal­ent­wick­lung im akade­mi­schen Bereich durch Vorbild­wir­kung. Krea­ti­vität, Offen­heit, Fleiß und Mut prägten stets seinen Arbeits­alltag. Stell­ver­tre­tend für seine hohe Schaf­fens­kraft bis zuletzt darf ich die Orga­ni­sa­tion der Jahres­ta­gung der Euro­pean Finance Asso­cia­tion 2015 am Campus der WU hervor­heben. Engel­bert Dockner hat mit dieser Jahres­ta­gung neue Stan­dards in der Konfe­renz­or­ga­ni­sa­tion gesetzt ohne jedoch seine übrigen Aufgaben als Forscher, Lehrender und Kollege trotz seiner bereits ausge­bro­chenen Krank­heit auch nur gering­fügig zu vernach­läs­sigen.

Mit seiner Krea­ti­vität und Offen­heit Neuem gegen­über gewährte er Studie­renden große Frei­räume und regte sie zu eigen­stän­digem und kriti­schem Denken an. Er forderte aber auch Mut und Risi­ko­be­reit­schaft: nur damit ließen sich neue Wege auch erfolg­reich beschreiten. Mit seiner entge­gen­kom­menden, immer posi­tiven, freund­li­chen und vor allem wert­schät­zenden Art war er ein großar­tiger Lehrender, den Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­bei­tern sowie den Kolle­ginnen und Kollegen ein guter Freund.

Engel­bert Dockner wurde mitten aus seinem ambi­tio­nierten akade­mi­schen Schaffen heraus­ge­rissen. Wir werden ihn als großar­tigen Wissen­schaftler, Lehrenden, Kollegen und Freund in Erin­ne­rung behalten. Es wird uns nicht gelingen Engel­bert Dockner zu ersetzen und die durch seinen Tod geris­sene Lücke zu schließen. Wir werden Engel­bert Dockner sehr vermissen.  

Stefan Bogner

Kondo­lenz­buch