Hintere Außenansicht des D2 Gebäudes

Prof. Richard Alexander verstorben

23. April 2026

Das Department für Wirtschaftskommunikation trauert um em. Prof. Richard Alexander, der am 31. 3. 2026 verstorben ist.

In seiner 2018 erschienenen Autobiographie Experiences of an Expatriate Englishman in Europe beschreibt er treffend „the kaleidoscopic story of his eventful and nomadic life as a teacher of English in numerous European countries”. Geboren 1945 in Leicester (UK) begann er seine akademische Ausbildung an der Universität Cambridge, mit einem BA und MA in Modern Languages and Linguistics. Einige Jahre später sollte er seine Qualifikation nicht nur um ein Graduate Certificate in Education (English as a Foreign Language) erweitern, sondern auch um einen BSc in Economics. Promoviert wurde er 1976 an der Universität Bremen. Es folgten zahlreiche Stationen als Universitätslehrer in Finnland, Italien, Deutschland und Großbritannien. An seiner Seite stets seine Ehefrau Gerlinde, die er in ihren letzten Lebensjahren aufopfernd pflegte.

Richards Doppelqualifikation in Linguistik und Wirtschaft prädestinierte ihn für einen Ruf an die WU. Seine breiten Forschungsinteressen waren nicht nur im Einklang mit dem Profil des damaligen Instituts für Englische Wirtschaftskommunikation, sondern trugen auch wesentlich zu seiner Schärfung bei. Sie umfassten u.a. Wortschatz, Phraseologie und Fachdidaktik des Wirtschaftsenglischen, sowie Englisch als lingua franca und Arbeitssprache in der tertiären Wirtschafts­ausbildung. Einem der positiven Klischees über Briten entsprechend, befasste sich Richard auch mit sprachlich ausgedrücktem Humor, einem Interessensgebiet, das in der Veröffentlichung seiner Monographie Aspects of Verbal Humour in English (Narr, Francke Attempto 1997) kulminierte. Besonders hervorzuheben ist seine prominente Rolle in der Entwicklung der Ökolinguistik, die sich kritisch und interdisziplinär damit auseinandersetzt, wie das Verhältnis des Menschen zur Natur durch Sprache sowohl widergespiegelt als auch gestaltet wird. In seiner Monographie Framing Discourse on the Environment: A Critical Approach (Routledge 2010) hat Richard in diesem Bereich einen Meilenstein gesetzt – und das Jahre bevor sustainability außerhalb der Umweltwissenschaften zu einem weit verbreiteten buzzword wurde.

Auch als Lehrbuchautor machte sich Richard Alexander einen Namen: Das im Jahre 2003 in zweiter Auflage bei CUP erschienene, gemeinsam mit Leo Jones verfasste Lehrwerk New International Business English ist durch jene enge Verknüpfung von Sprache und wirtschaftlichen Inhalten geprägt, die Richard auch im Unterricht an der WU umsetzte.

Im Rahmen seiner universitären Positionen nahm Richard stets auch Aufgaben in der universitären Selbstverwaltung wahr. Ermöglicht wurde dies – an der damals fast ausschließlich deutschsprachigen WU – durch sein ausgezeichnetes, akzentfreies Deutsch. An der WU war er u.a. Vizestudiendekan für Evaluierung der Lehre, Institutsvorstand sowie Mitglied und Vorsitzender von Habilitations- und Berufungskommissionen. In der Kommissionstätigkeit zeichnete ihn besonderes Bewusstsein für due process und die darauf aufbauende Fairness aus. Nicht selten erinnerte er in Meetings an die jeweils relevanten gesetzlichen Grundlagen, und die wörtlichen Zitate aus seinem Exemplar des UOG, das er in Sitzungen oft zur Hand hatte, wurden bald zu einem Markenzeichen.

Danke, Richard, dass Du über 20 Jahre Forschung und Lehre am Institut für Englische Wirtschaftskommunikation mitgeprägt hast. Als Brite und Anglist hättest Du unsere Wandlung zum Institute for Language and Discourse in Business vielleicht bedauert; als Linguist und Weltbürger hättest Du sie begrüßt. May you rest in peace.

Gerlinde Mautner
Professorin am Institute for Language and Discourse in Business und Vorstand des Department of Business Communication.

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