Chronik

Zur Langfassung der Institutsgeschichte


1936: Erste Lehrkanzel für das Kleingewerbe an der Hochschule für Welthandel in Wien und wahrscheinlich weltweit

Die Hochschule für Welthandel (seit 1975 Wirtschaftsuniversität Wien) erhielt vermutlich als erste Hochschule auf ganzen Welt eine spezielle Lehrkanzel für die Belange von Klein- und Mittelbetrieben: Im Jahr 1936 wurde aus der Lehrkanzel für Warenhandel und Industrie eine a. o. Professur für das Kleingewerbe ausgegliedert. Schon ein Jahr zuvor, 1935, erschien ein „Grundriss der handwerklichen Betriebswirtschaftslehre“ von einem Mitglied des Lehrkörpers: Prof. Leopold Mayer. Auf die Lehrkanzel für Kleingewerbe wurde jedoch der damals 33-jährige Privatdozent Willy Bouffier berufen. In seiner Antrittsrede vom 13.11.1936 beklagte Bouffier die fast vollständige Orientierung der Betriebswirtschaftslehre auf Großbetriebe. Bouffier war aus Frankfurt a.M., wo ein anderer Österreicher, der Begründer der betriebswirtschaftlichen Verkehrslehre Prof. Josef Hellauer lehrte, nach Wien gekommen und hier Assistent von Prof. Karl Oberparleiter geworden. 

1941: Institut für Kleingewerbe wird zu „Institut für Handwerkswirtschaft“

Bouffier blieb nicht viel Zeit für den Aufbau der neuen Lehrkanzel und des zugehörigen Instituts. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 12.3.1938 wurde er vom Dienst suspendiert. Mit der „amtlichen Vertretung“ der Lehrkanzel und des Instituts für Kleingewerbe, das ab 1941 in den Vorlesungsverzeichnissen als „Institut für Handwerkswirtschaft“ aufscheint, wurde ein anderer junger Privatdozent des Hauses betraut: Ernst Hatheyer. Allerdings weisen ihn die Vorlesungsverzeichnisse praktisch gleichzeitig mit seiner Ernennung als „eingerückt“ aus. Eine spezielle Betriebswirtschaftslehre des Handwerks wird während der nationalsozialistischen Ära zum letzten Mal im Vorlesungsverzeichnis für das Wintertrimester 1941 angeführt. Mit 1.12.1942 wurde Hatheyer zum a.o. Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und für besondere Betriebswirtschaftslehre des Treuhandwesens und für Handwerkswirtschaft ernannt. Eine Lehrtätigkeit ist für ihn im Wintersemester 1943/44 angekündigt, allerdings nur in der Besonderen Betriebswirtschaftslehre des Prüfungs- und Treuhandwesens. 

1946: Rückwandlung in „Institut für Kleingewerbeforschung“ unter Bouffier

Nach dem Kriegsende wird schon im Wintersemester 1945/46 wieder eine Besondere Betriebswirtschaftslehre des Kleingewerbes angeboten, und zwar von Prof. Willy Bouffier, der am 11.5.1946 zum o. Professor für Betriebswirtschaftslehre mit besonderer Berücksichtigung des Kleingewerbes ernannt wird und wieder die Leitung des Instituts für Kleingewerbeforschung übernimmt. Ab dem Wintersemester 1947/48 beteiligte sich Bouffier an der Vertretung der Lehrkanzel für industrielle Betriebslehre, übernahm ab 1948 die Leitung des Instituts für industrielle Betriebslehre und gab die Leitung des Instituts für Kleingewerbeforschung an Prof. Walter Heinrich ab. Heinrich war seit 1933 a.o. Professor für Volkswirtschaftslehre und während der nationalsozialistischen Herrschaft wie Bouffier vom Dienst suspendiert. Prof. Heinrich begründete im Jahr 1951 das Institut für Gewerbeforschung als ein an die Hochschule für Welthandel angebundenes, primär aber von der Wirtschaft finanziertes Forschungsinstitut. Die Professoren Walter Heinrich und Willy Bouffier waren (zusammen mit dem Initiator Prof. Alfred Gutersohn, St. Gallen, und Prof. Karl Rössle, München) Mitbegründer der Rencontres de St. Gall, einer auch heute noch in zweijährigem Abstand zusammentreffenden Expertenrunde.

Im Vorlesungsverzeichnis des Wintersemesters 1953/54 fehlt die Besondere Betriebswirtschaftslehre des Kleingewerbes, allerdings scheinen einschlägige Lehrveranstaltungen unter sogenannten „Sondergebieten“ und erstmalig ein Kleingewerbliches Seminar im Rahmen der Volkswirtschaftslehre auf, das vom Leiter des Instituts für kleingewerbliche Forschung Prof. Walter Heinrich und WIFI-Direktor Koch betreut wurde. Ab dem folgenden Semester wird dieses Seminar, ergänzt um die Betreuung durch den Warenkundler Prof. Edmund Grünsteidl, als Gewerbewissenschaftliches Seminar gehalten.  Ab dem Sommersemester 1954 findet man eine „fusionierte“ Besondere Betriebswirtschaftslehre der Industrie und des Handwerks - weiterhin betreut von Prof.Willy Bouffier.

1957: Institut für Betriebswirtschaftslehre des Gewerbes und der Klein- und Mittelbetriebe

Am 22.2.1956 habilitierte sich Erich Hruschka, ein langjähriger Mitarbeiter von Prof. Walter Heinrich, für das Fach Betriebswirtschaftslehre des Handwerks. Er wurde mit 18.3.1957 zum a.o. Professor für Betriebswirtschaftslehre des Gewerbes und der Klein- und Mittelbetriebe ernannt und übernahm ab dem Sommersemester 1957 erstmals einschlägige Lehrveranstaltungen im Rahmen der Besonderen Betriebswirtschaftslehre der Industrie und des Handwerks (ab Wintersemester 1957/58: des Gewerbes). 

Die formelle Wieder-Verselbständigung der Besonderen Betriebswirtschaftslehre des Gewerbes und der Klein- und Mittelbetriebe findet in zwei Schritten statt: Ab dem Sommersemester 1961 werden „Industrie“ und „Gewerbe“ als zwei Alternativen innerhalb des Faches „Industrie und Gewerbe“ angeboten. Erst ab dem Wintersemester 1967/68 erscheint „Gewerbe“ als eigenständige Spezielle Betriebswirtschaftslehre auf.

Während der bis zum Ende des Sommersemesters 1981 dauernden Amtszeit von Prof. Erich Hruschka als Institutsvorstand bzw. als Vorstand der ab 1979 in das neu geschaffene „Institut für Industrie, Gewerbe und Fertigungswirtschaft“ eingegliederten einschlägigen Abteilung habilitierten sich 

1968: Walter Sertl, später o.Universitätsprofessor an der Johannes Kepler Universität Linz 
1973: Wolfgang Kemmetmüller, später Universitätsprofessor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien und Vorstand des Forschungsinstituts für Betriebswirtschaftslehre der Genossenschaften. 

1982: Josef Mugler wird Vorstand der „Abteilung für BWL des Gewerbes und der Klein- und Mittelbetriebe“

Am 1.9.1982 wurde Josef Mugler zum o.Universitätsprofessor und Vorstand der „Abteilung für Betriebswirtschaftslehre des Gewerbes und der Klein- und Mittelbetriebe“ ernannt. Mugler hatte an der Hochschule für Welthandel studiert, war Assistent an den Instituten für Betriebswirtschaftslehre der Industrie und für Versicherungsbetriebslehre und hatte nach seiner Habilitation im Jahr 1979 ein Jahr als Gastdozent (entspricht heute einer Gastprofessur) an der Universität Innsbruck einen in Errichtung begriffenen neuen Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre vertreten. 

Schwerpunkte „lebenszyklusorientierte Betrachtung“ und „internationale Einbindung des Instituts“

Muglers Programm sah von Anfang an eine Erweiterung der bis dahin vorherrschenden funktionalen Betrachtung auf eine lebenszyklusorientierte Betrachtung vor. Dies wurde durch ein erstes Symposion über Unternehmensgründung bereits im Jahr 1984 dokumentiert. Eine weitere Schwerpunktsetzung betraf die Einbindung des Instituts in die internationale Forschungsszene. 1986 wurde eine Vortragsreihe „Wiener Internationales Gewerbeforum“ begründet, in deren Rahmen ausländische Kollegen zu Fachvorträgen eingeladen wurden. 1989 wurde mit dem European Council for Small Business (ECSB) die europäische Affiliate des International Council for Small Business (ICSB), der wichtigsten Vereinigung von Small Business- und Entrepreneurship-Forschern weltweit, begründet. Mugler wurde zum ersten Präsidenten des ECSB gewählt und übte diese Funktion bis 1991 aus. 

1989: Institut für Betriebswirtschaftslehre der Klein- und Mittelbetriebe

Das Jahr 1989 brachte auch die erneute Verselbständigung der Abteilung für Gewerbe, Klein- und Mittelbetriebe in Form der Errichtung des „Instituts für Betriebswirtschaftslehre der Klein- und Mittelbetriebe“. Der Begriff „Gewerbe“ wurde wegen Schwierigkeiten mit der korrekten Interpretation im Ausland nicht mehr in die Institutsbezeichnung aufgenommen. Auch andere Institute im deutschen Sprachraum folgten später diesem Trend. Dagegen wurde in die englische Bezeichnung des Instituts der Begriff „Entrepreneurship“ aufgenommen, da im englischen Sprachraum dieser Begriff kaum mit „Small Business“ assoziiert wird.

2001: Neue Professur für „Entrepreneurship und Gründungsforschung“

Seit dem Jahr 1989 bemühte sich das Institut um eine weitere Professorenstelle für die Betreuung des Fachbereiches „Entrepreneurship und Gründungsforschung“. Im Jahr 1999 wurde dem Institut eine für fünf Jahre aus Sponsorengeldern finanzierte Stelle zugewiesen, die ab 2001 von Professor Nikolaus Franke übernommen wurde. Daraus entstand 2003 das selbständige „Institut für Entrepreneurship und Innovation“.

2010: Dietmar Rößl wird Vorstand des Instituts "Small Business Management und Entrepreneurship"

Am 1.10.2010 tritt o.Univ.-Prof. Dr. Josef Mugler in den Ruhestand. Prof. Dietmar Rößl wird zum Institutsvorstand ernannt. Das Institut wird in Institut für KMU-Management umbenannt. Die englischsprachige Bezeichnung Small Business Management and Entrepreneurship blieb unverändert.

2011: 75 Jahre KMU-Forschung an der WU

Im Oktober 2011 wird das Institut im Rahmen einer Festveranstaltung sein 75jähriges Bestehen feiern.
Termin: 21.10.2011, 10:00-12:00
Ort: Festsaal der Wirtschaftsuniversität Wien Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Habilitationen und Berufungen

1994: Dietmar Rößl, a.o. Universitätsprofessor am Institut 
1997: Hermann Frank, a.o. Universitätsprofessor am Institut 
2004: Herbert Neubauer, a.o. Universitätsprofessor am Institut
2008: Alexander Keßler, Privatdozent am Institut und Leiter des Kompetenzzentrums für Entrepreneurship an der FH Wien
2010: Matthias Fink, Privatdozent am Institut

Prof. Frank und Prof. Rößl haben Rufe auf eine Professur für den Schwerpunkt Unternehmensgründung an die Universität Dortmund erhalten, diese aber abgelehnt. Der ehemalige Assistent Gerhard Plaschka ist Professor für Management an der DePaul University in Chicago, und der ehemalige Assistent Christoph Hienerth ist Professor für Innovation an der Copenhagen Business School. 

Lehre

Das Institut betreute in den letzten Jahren im 1. Studienabschnitt die Studenten der volkswirtschaftlichen Studienrichtung im Fach Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ca. 50 Diplomprüfungen pro Jahr), im 2. Studienabschnitt Allgemeine Betriebswirtschaftslehre in der Vertiefungsrichtung „Unternehmensführung und Personal“ und ca. 100 Diplomprüfungen pro Jahr und hauptsächlich natürlich die Spezielle Betriebswirtschaftslehre des Gewerbes und der Klein- und Mittelbetriebe (ca. 150 Diplomprüfungen pro Jahr). Seit 2004 wird die Spezielle Betriebswirtschaftslehre in Form von acht prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen angeboten.

Forschungsschwerpunkte

Die Forschungsschwerpunkte der letzten Jahre bezogen sich vor allem auf die Themen Strategische Entwicklung von Klein- und Mittelbetrieben, Unternehmensgründung und -nachfolge, Innovation, Marketing und Kooperationsmanagement sowie Unternehmertum und Klein- und Mittelbetriebe in MOE-Ländern.

Internationale Kongresse und Konferenzen:

1984: Symposion Unternehmensgründung

1988: RENT, Workshop on Research in Entrepreneurship des European Institute for Advanced Studies in Management (EIASM)

1991: World Conference des International Council for Small Business (ICSB)

1993: INTENT, Conference on Internationalizing Entrepreneurship Education and Training (Förderkreis Gründungsforschung)

2000: G-Forum (Förderkreis Gründungsforschung)

2007: Gründungsprofessorium des Förderkreises Gründungsforschung e.V. (FGF)

Copyright 2012 | WU (Wirtschaftsuniversität Wien) | 19.12.2011
MEMBER OF logo cems logo pim