Studierende richten während eines Seminars den Blick zur Vortragenden.

Projekt 7: From citizen participation to citizen co-engineering: The role of open data in developing new digital public services

Digitale Bürgerpartizipation: Die Rolle von offenen Daten bei der Entwicklung digitaler öffentlicher Dienste

Jurgen Willems, Lisa Hohensinn (née Schmidthuber), Axel Polleres

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien bieten der öffentlichen Verwaltung auf verschiedenen Ebenen neue Möglichkeiten, die Erbringung von Dienstleistungen zu innovieren, die Beziehungen zum externen Umfeld zu intensivieren und externe Akteure in die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen einzubeziehen. Öffentliche Organisationen nutzen diese neuen Möglichkeiten zunehmend, um Bürger:innen in die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen einzubeziehen. In der Forschung werden solche Ansätze häufig als ein wichtiges Mittel zur Steigerung der Effizienz, Effektivität und Legitimität der öffentlichen Verwaltung bezeichnet, insbesondere durch die Nutzung zusätzlicher Ressourcen, Perspektiven und Ideen, die von den Bürger:innen eingebracht werden.

Die jüngste Forschung hat sich insbesondere auf die Potentiale digitaler Bürgerbeteiligung im städtischen Kontext konzentriert. So ruft die Stadt Wien beispielsweise über die mobile App Sag's Wien zur Beteiligung am Infrastrukturmanagement auf, bezieht Bürger:innen in die partizipative Entscheidungsfindung in der Klimapolitik ein (Wiener Klimateam) oder bindet die Ideen der Bürger:innen in die Entwicklung einer digitalen Agenda ein (Digitale Agenda Wien).

Dieses Projekt zielt darauf ab, unser Verständnis von Ethik in der digitalen Bürgerbeteiligung zu verbessern, und insbesondere darauf, wie offene Daten diesen Prozess unterstützen können. Wir interessieren uns für die Wahrnehmung dieser Prozesse aus der Perspektive der Akteure, die voraussichtlich die Nutznießer der digitalen Dienste und Prozesse sein werden. Während sich frühere Forschung damit befasste, ob Bürger:innen an bereits implementierten digitalen Plattformen und Diensten teilnehmen würden, konzentrieren wir uns darauf, wie Bürger:innen in die Gestaltung (neuer) öffentlicher Prozesse einbezogen werden können: Co-Engineering als ein spezifisches Element der Bürgerbeteiligung.

Folgenden Forschungsfragen bilden den Kern dieses Projektes:

(1) Welche Faktoren haben einen Einfluss darauf, ob sich Bürger:innen am Co-Engineering von öffentlichen Dienstleistungen beteiligen, und insbesondere an Co-Engineering-Prozessen, die grundlegende ethische Prinzipien bei der Erbringung öffentlicher Dienstleistungen wahren (z. B. Datenschutz, Transparenz, Inklusion usw.)? Die Beantwortung dieser Forschungsfrage ist wichtig, um einen detaillierten Überblick über die Bedürfnisse und Präferenzen der Bürger:innen in Bezug auf eine ethische Bürgerbeteiligung im digitalen Kontext zu bekommen.

(2) Wie wichtig sind offene Daten in diesem Prozess, und in welchem Format sollten sie für Co-Engineering-Prozesse zur Verfügung gestellt werden? Die Ergebnisse werden zeigen, wie der Co-Engineering-Prozess effektiver gestaltet werden kann, insbesondere im Hinblick auf die Informationen, die Bürger:innen benötigen, um einen wertvollen Beitrag leisten zu können. Dies wiederum wird wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie offene Daten bereitgestellt werden sollten, damit sie für die Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen von Nutzen sind.

(3) Was sind andere relevante Kontextfaktoren und Merkmale der Bürger:innen, die den (wahrgenommenen) Wert offener Daten in Partizipationsprozessen beeinflussen? Kompromisse können in verschiedenen Kontexten sehr unterschiedlich aussehen und zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen führen. Wir wollen verstehen, wie konkrete Kompromissbewertungen der Bedürfnisse und Präferenzen der Bürger:innen von spezifischen Kontextfaktoren und spezifischen Nutzereigenschaften abhängen. Die Antwort auf diese Forschungsfrage wird daher von hoher Relevanz sein, da sie einen detaillierten Einblick in die Art und Weise ermöglicht, wie Kompromisse potenziell beeinflusst werden und wie digitale Plattformen daher so gestaltet werden können, dass sie eine vielfältige Gruppe von Bürger:innen ansprechen.

Univ.Prof. Dr. Jurgen Willems

Univ.Prof. Dr. Jurgen Willems

Projektleiter

Digitale Bürgerpartizipation Plakat