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Aff, Josef

Leiter des Instituts für Wirtschaftspädagogik 2005-2016

Am 1. März 2005 habe ich die Leitung der Abteilung Wirtschaftspädagogik übernommen, die durch die Emeritierung des langjährigen Lehrstuhlinhabers Prof. Schneider vakant geworden ist. Da ich seit einigen Wochen in die Lehre voll eingebunden bin und bereits vor meiner Berufung als Mitarbeiter, Gastprofessor bzw. Lektor an der WU tätig war, haben mich sicherlich bereits einige Leser/innen von “wu-memo“ kennen gelernt.

Ich bin ein „Gewächs“ dieses Hauses, weil ich nach meinem Maturaabschluss in Krems an der Hochschule für Welthandel zuerst Betriebswirtschaft studierte und nach Abschluss dieser Studienrichtung mein Interesse für Wirtschaftspädagogik entdeckte. Nach Beendigung des wirtschaftspädagogischen Ergänzungsstudiums promovierte ich extern bei Prof. Schneider. Nach einer einjährigen beruflichen Tätigkeit als Entwicklungshelfer in Westafrika war ich mehr als 13 Jahre als Lehrer betriebswirtschaftlicher Fächer an einer österreichischen Handelsschule und Handelsakademie sowie in der Lehrerfortbildung tätig – ich verbrachte in Summe rund 15 Jahre in außeruniversitären beruflichen Handlungsfeldern (sieht man von regelmäßigen Lehraufträgen an der WU-Wien sowie der Universität Innsbruck ab) und repräsentiere mit diesem Curriculum eine eher unübliche akademische Karriere. Nach dieser ausgeprägten Praxisphase entschied ich mich 1989 für eine akademische Laufbahn, habilitierte mich 1995 in Innsbruck und wurde noch im selben Jahr zu einer Vertretung der Professur für Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Universität zu Köln eingeladen. 1997 übernahm ich die Professur in Köln, um 2002 an den Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung an der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen- Nürnberg zu wechseln (wo ich u. a. bereits gemeinsam mit Koll. Stender ein BA/MA-Konzept für Wirtschaftspädagogik erarbeitete). Insgesamt sammelte ich also vor meinem beruflichen Start als Hochschullehrer an der WU Wien rund zehn Jahre disziplinäre Erfahrungen in Deutschland.

Als „Pendler“ zwischen Theorie und Praxis geht es mir in Forschung und Lehre darum, zu einer theoriegeleiteten Professionalität in wirtschaftspädagogisch relevanten beruflichen Handlungsfeldern (berufsbildende Schule, betriebliche Aus- und Weiterbildung) wissenschaftlich fundierte Beiträge zu leisten.

Im Bereich der Forschung interessiert mich daher die Fragestellung, wie Innovationen im Kontext wirtschaftsberuflicher Vollzeitschulen entwickelt, implementiert und evaluiert werden können. Wissenschaftstheoretisch orientiere ich mich daher am Paradigma der Modellversuchsforschung in der Tradition der Handlungsforschung, weil für mich Wissenschaft nicht nur Sachverhalte erklären, sondern ergänzend begründete Handlungsempfehlungen im Sinne einer Gestaltungsforschung generieren sollte. Beispielsweise bin ich seit mehr als vier Jahren für die Wissenschaftliche Begleitforschung eines Modellversuchs an einer Wiener Handelsakademie verantwortlich, wo es vor allem darum geht, wie und ob eine „Entrepreneurship Education“ – ergänzt um eine gezielte Begabungsförderung – implementiert und evaluiert werden kann. Ein anderer Interessensschwerpunkt im Bereich der Forschung bilden Bildungskooperationsprojekte mit Staaten Ost- und Südosteuropas. Ich leitete zum Beispiel mehrere Jahre ein EU-Projekt zur Reform der universitären Ausbildung von Lehrer/innen ökonomischer Fächer in Bulgarien, weil gerade die ökonomische Bildung in den Staaten des ehemaligen Ostblocks durch die gravierenden Veränderungen der politischen Großwetterlage in den letzten 15 Jahren am elementarsten tangiert wurde.

Im Bereich der Lehre geht es mir vor allem um die Förderung von drei zentralen Kompetenzfeldern. Einerseits geht es darum, arbeitsmarktrelevante professionelle Qualifikationen für Berufe, die eine hohe Lehr-Lern-Kompetenz erfordern – sei es im schulischen oder betrieblichen Kontext – zu fördern, andererseits schließt für mich eine akademische Ausbildung ein, den Studenten/innen eine „wissenschaftliche Mithörkompetenz“ – wie der Schweizer Wirtschaftspädagoge Dubs zu sagen pflegt – zu vermitteln. Als Wirtschaftspädagoge ist mir drittens noch sehr wichtig, eine Reflexionskultur über Normen zu entwickeln, um die Student/innen zu befähigen, Inhalte ökonomischer Bildung bewusst auszuwählen und zu begründen.

Angesichts der aktuellen BA/MA-Umstrukturierung des Studienaufbaus ist mir ein großes Anliegen, im Dialog ein attraktives Curriculum für ein WIPÄD- Masterprogramm zu erarbeiten und im Baccalaureatstudium im Rahmen der Studienrichtung Betriebswirtschaft im Umfang einer Speziellen BWL wirtschaftspädagogische Inhalte anzubieten. Als Wirtschaftspädagoge ist mir eine hohe Qualität der Lehre ein großes Anliegen, meine Ziele in der Lehre kann ich – in Anlehnung an den großen deutschen Pädagogen Hartmut von Hentig – wie folgt zusammenfassen: „Die Sache klären und den Menschen stärken“.

Obwohl mir die berufliche Entscheidung, von Nürnberg an die WU zu wechseln, nicht leicht gefallen ist und private Gründe eine wesentliche Rolle spielten, freue ich mich auf die vielfältigen Herausforderungen in den kommenden Jahren sowie auf eine gute Zusammenarbeit.

Wien, den 1. März 2005