Ehemalige MORE-Studierende erzählen

"Ich bin ein ganz normaler Mensch, der einfach die Sprache gut gelernt hat..."

Haia Haddad nahm im WS 2016/17 und im SS 2017 am MORE-Programm und den "Lernen macht Schule" - Deutschkursen teil. Im Anschluss begann sie das Bachelorstudium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der WU. In einem Interview berichtet Sie über die Erfahrungen, die sie im Laufe der Zeit an der WU machen konnte.

Bild Haia Haddad

Was hat sich seit du im MORE-Programm der WU warst, in deinem Leben verändert?

Vieles hat sich geändert. Ich habe ca. ein Jahr nach meinem Ankommen in Österreich mit dem MORE-Programm gestartet. Damals konnte ich wenig Deutsch und war auf Arbeitssuche. Jetzt bin ich Studentin an der WU und ich arbeite in Österreich seit ca. 3,5 Jahren.
 

Hat dir das MORE-Programm den Einstieg an der WU erleichtert & wenn ja, wie?

Ich würde sagen, JA natürlich. Außer den Deutsch-Kursen und der wunderbaren Möglichkeit an anderen Kursen an der WU mit österreichischen StudentInnen teilzunehmen, hat das MORE-Programm uns mit allen Informationen versorgt (Informationen wie zum Beispiel: Wie kann man sich an der WU anmelden?!, Was sind die Phasen des Studiums?!, Wie kann ich meine Prüfungen aus meiner Heimat an der WU anerkennen lassen?!)
 

Was hast du vom MORE-Programm mitgenommen bzw. was hat dir am meisten Spaß gemacht?

Am meisten Spaß hatte ich sicher in dem Kurs, welchen ich mit den WU StudentInnen absolviert habe. Das war eine großartige Möglichkeit, um zu sehen und zu verstehen wie das Studium hier funktioniert. Ich sollte für diesen Kurs ein Essay schreiben, eine Präsentation vorbereiten, sowie in einem Class Panel mitdiskutieren. Alle diese Erfahrungen waren total wichtig - einerseits da es in Syrien andere Lernsysteme gibt, andererseits natürlich für meinen Job und mein jetziges Studium.
 

Wie hat COVID-19 deinen Alltag verändert? Welche positiven und welche negativen Auswirkungen hat die Pandemie auf deinen Studien- & Arbeitsalltag?

Covid-19 hat mein Leben auch positiv verändert, da ich viel mehr Flexibilität mit der Arbeit und dem Studium gewinnen konnte. Da ich in Homeoffice arbeiten sollte, hatte ich die Möglichkeit meine WU-Kurse online zu machen ohne den Pendelweg zwischen Arbeit, Wohnung und Universität. Mit Covid-19 kamen klarer Weise auch negative Auswirkungen, wie: das soziale Leben war sehr stark begrenzt, ich konnte auch keine neuen WU-KollegInnen kennenlernen und die Zusammenarbeit an der WU war manchmal schwieriger.
 

Was gefällt dir an der WU? Was würdest du an der WU ändern?

Was mir gefällt ist, wie bereit die ProfessorInnen sind unsere Fragen und Emails zu beantworten. Eine andere super coole Sache an der WU ist, wie relevant das Studium für das Arbeitsleben und die Welt rund um uns ist. Ich habe viel Neues über Themen wie Nachhaltigkeit, European Policies und internationale Kulturen gelernt.
Auf der anderen Seite würde ich die Prozesse kürzen, wie zum Beispiel den Prozess der Anmeldung an der WU oder die Master-Anmeldung. Zusätzlich gibt es für manche SBWLs sowie Wahlfächer eine sehr begrenzte Anzahl an Teilnahmemöglichkeiten, ich finde, dass so etwas verbessert werden könnte, besonders für die Kurse, die sehr beliebt und relevant sind (Beispiel Programmierung).
 

Würdest du dich aus der heutigen Sicht, also rückblickend, wieder für die WU und das MORE-Programm entscheiden?

Auf jeden Fall, JA! MORE hat meinen Einstieg an der Uni erleichtert, aber auch mein Einstieg auf dem Jobmarkt war wegen den Infos über verschiedene Initiativen, die geflüchtete Menschen unterstützen, welche ich vom MORE-Programm bekommen habe, leichter.
 

Was hat dich motiviert die Herausforderungen, die auf dich zukamen, zu meistern?

Ich habe versucht dem Licht am Ende des Tunnels immer zu folgen. Einen Bachelor von einer Universität wie der WU, die in europäischen und globalen Rankings gut abgeschnitten hat, war die größte Motivation für mich. Ich würde auch sagen viele meiner ArbeitskollegInnen/ChefInnen waren und sind AbsolventInnen der WU und das war auch eine große Motivation für mich, da sie Vorbilder sind.
 

Welchen Rat gibst du Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und sich ein neues Leben aufbauen müssen?

Ich würde sagen: "Ihr könnt das schaffen!" Ich bin ein ganz normaler Menschen, der die Sprache gut gelernt hat und sich einfach alle Möglichkeiten angesehen hat. Ein neues Leben aufzubauen kann mühsam sein, aber es ist möglich, besonders wenn man Unterstützungen bekommt, wie bei der Sprache zum Beispiel. Ich würde auch sagen, dass wir eine neue Chance bekommen um unser Leben wieder in die Hand zu nehmen, wir sollten diese Chance einfach nützen um unsere unerledigten Ziele und unterbrochenen Träume zu erreichen.