Ein Mann hält ein Papierflugzeug aus einer Weltkarte in die Höhe

... in Paris, France

Université Paris Dauphine, Paris, Frankreich

WU Student Jakob Schriefl hat sein Auslandssemester an der Université Paris Dauphine in Frankreich verbreacht. Er erzählt uns, mit welchem Planungsaufwand sein Auslandssemester verbunden war und weshalb der internationale Austausch so wichtig für ihn ist.

Woher kam Ihre Motivation, sich für ein Auslandssemester zu bewerben?

  • Als mein Bruder Tobias im Jahr 2014 zu seinem ersten Auslandssemester nach New York aufbrach, war mir klar: Diese Erfahrung werde ich ebenfalls machen und mir nicht nehmen lassen. Auch meine Behinderung – die seltene Muskelkrankheit „Spinale Muskelatrophie“ – sollte mich nicht daran hindern, Österreich für ein paar Monate zu verlassen und in eine neue, aufregende Kultur einzutauchen. Mein Bruder wurde damals am Baruch College akzeptiert. Er suchte sich online eine Wohnung und stieg einfach ins Flugzeug. Mein Auslandssemester war dagegen mit wesentlich mehr Planungsaufwand verbunden.

Wann haben Sie mit der Planung Ihres Auslandsemesters begonnen? Haben Sie ausreichend Unterstützung bekommen?

  • Die Planung startete für mich bereits vor der eigentlichen Austauschplatz-Bewerbungsphase. Ich vergleiche diese Phase meistens mit einem Berg von Fragen, den ich nur langsam aber Schritt für Schritt erklimmen konnte. Neben der wichtigsten Frage: „Wo will ich mein Auslandssemester überhaupt verbringen?“ kamen noch viele weitere dazu. Die größte Herausforderung stellte das Thema „Persönliche Assistenz“ dar. Aufgrund meiner Behinderung bin ich auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Meinen Alltag an der Uni und auch größere Teile meiner Freizeit bewältige ich mithilfe von so genannten „Persönlichen AssistentInnen“. Das sind Menschen, die vereinfacht gesagt die Arbeit meiner Arme und Beine übernehmen und mir dadurch einen selbständigen und unabhängigen Tagesablauf ermöglichen. Diese Unterstützung würde ich natürlich auch im Ausland benötigen, das war mir klar. Für mich galt es, herauszufinden, wie viele Personen ich mitnehmen werde, wo ich die richtigen Leute dafür finde und vor allem stellte ich mir die Frage: „Wie soll ich mir das bitte jemals leisten können?“

    Genau hier kam der Erasmus+ Sonderzuschuss ins Spiel, welcher mir in mehreren Beratungsgesprächen im International Office an der WU erläutert wurde. Mithilfe dieses Fördertopfs werden Studierenden sämtliche behinderungsbedingten Mehrkosten ersetzt. So soll sichergestellt werden, dass Studierende mit Behinderung die gleichen Startbedingungen haben wie nicht behinderte Studierende. Es gibt hier weder strikte Vorgaben bei den förderbaren Ausgabenkategorien, noch eine Höchstgrenze der Zuschusssumme. Außerdem war der Ablauf stets unbürokratisch und die Beratung vonseiten des OeAD und der WU hervorragend.

Für welche Destination haben Sie sich entschieden und mit welchen Emotionen sind Sie in Ihr Auslandssemester gestartet?

  • Ich entschied mich für die französische Hauptstadt Paris, eine der rollstuhlunfreundlichsten Städte Europas. Mit meinen beiden Assistenten Jozsef und Lena machte ich mich also in meinem bis auf den letzten Zentimeter vollgepackten Auto auf den Weg in die Ungewissheit. Ich war nervös und aufgeregt; rückblickend war da bestimmt auch der ein oder andere Funke Angst dabei. Doch die Vorfreude auf mein bisher größtes Abenteuer überwog eindeutig. Nach einer 13-stündigen Fahrt mit einem Stopp in Heidelberg waren wir schließlich angelangt. Ich wohnte in einem neuen Studentenheim, das gerade mit dem damaligen Semester von der Universität eröffnet wurde.

Wie haben Sie die Partneruniversität vor Ort wahrgenommen? Was können Sie über das akademische Angebot sagen?

  • Die Université Paris Dauphine bleibt mir gut in Erinnerung. Als Austauschstudierende kamen wir in den Vorlesungen leider nur wenig mit französischen Studierenden in Kontakt, da spezielle International Courses für Studierende aus der ganzen Welt angeboten wurden. Diese Kurse hatten dafür den Vorteil, nicht ganz so strikt benotet zu werden, wie die sehr anspruchsvollen Standardkurse der Eliteuni. Während eines Auslandssemesters freut man sich dann, mehr Zeit zu haben, um die Kultur der neuen Umgebung kennenzulernen, anstatt nur für Prüfungen zu lernen. Das Niveau des Gelehrten war jedoch auch in den International Courses hoch und die Vortragenden schafften es, die Themen spannend und interessant zu vermitteln. An der Universität lernte ich durch das Kursdesign Studierende aus der ganzen Welt kennen und konnte mit vielen von ihnen auch Freundschaften schließen. Neben dem Erlernten sind vor allem diese Freundschaften für mich eines der wichtigsten Mitbringsel aus Paris.

Wie haben Sie persönlich von der Erfahrung eines Austauschsemesters profitiert?

  • Alles in allem war die Zeit in Frankreich eine große Bereicherung. Ich lernte, mich selbst zu organisieren sowie mit Disziplin und Durchhaltevermögen Herausforderungen zu trotzen und über meinen eigenen Schatten zu springen. Als einer der wenigen Österreicher, der im Rollstuhl ein Auslandssemester absolviert hat, hoffe ich, anderen Menschen dabei zu unterstützen, selbst ein solches Projekt zu starten. Bestimmt kann ich interessierten Personen viel Aufwand bei der Organisation ihres eigenen Abenteuers ersparen. Auch in meinem weiteren Berufsleben wird mir diese Auslandserfahrung zugutekommen. Neben verbesserten Englisch- und Französischkenntnissen konnte ich meine Anpassungsfähigkeit und meine Problemlösungskompetenz erweitern.

"Paris wird immer einen Platz in meinem Herzen behalten, doch die Stadt wird mit Sicherheit nicht meine letzte Destination für eine Auslandserfahrung bleiben. Mit der Unterstützung der WU, des OeAD und von Erasmus+ möchte ich bald ein weiteres Mal meine Sachen packen. Ich kann euch allen empfehlen, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen!"

Beitrag und Fotos von Jakob Schriefl. Besten Dank!

Université Paris Dauphine

  • Standort: Paris, Frankreich

  • Einwohnerzahl Paris: ca. 2.148.000

  • Studierendenzahl: ca. 8700

  • Akkreditierung: EQUIS

  • Austauschlevel: Bachelor